{"id":10337,"date":"2023-03-26T21:32:24","date_gmt":"2023-03-26T19:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=10337"},"modified":"2023-03-26T21:37:17","modified_gmt":"2023-03-26T19:37:17","slug":"stark-watzinger-interview-mit-pragmatismus-den-lehrermangel-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2023\/03\/26\/stark-watzinger-interview-mit-pragmatismus-den-lehrermangel-bekaempfen\/","title":{"rendered":"STARK-WATZINGER-Interview: Mit Pragmatismus den Lehrermangel bek\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger gab dem \u201eDeutschlandfunk\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Vladimir Balzer:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2284\" aria-describedby=\"caption-attachment-2284\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2284\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg\" alt=\"Bettina Stark-Watzinger\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-300x200.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-768x512.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2284\" class=\"wp-caption-text\">Bettina Stark-Watzinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frage: Das Interview der Woche mit der Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, von der FDP. Sie kommen direkt aus Taiwan. Das ist ein ganz besonderer Ort, Teil Chinas. So wird es jedenfalls auch von der deutschen Au\u00dfenpolitik gesehen. Die Ein-China-Politik gilt auch f\u00fcr Taiwan. Aber Sie waren nat\u00fcrlich als Ministerin f\u00fcr Forschung und Bildung dort. War diese Reise ein Erfolg?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Das waren sehr intensive, eindrucksvolle Tage. Taiwan ist ein Wertepartner von uns und sehr innovationsstark. Insofern ist es f\u00fcr uns nat\u00fcrlich wichtig, auch mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten, denn die Herausforderungen sind gro\u00df: Bek\u00e4mpfung des Klimawandels. Taiwan durchlebt auch gerade eine Energiewende. Aber auch die Fragen: Digitalisierung, Halbleiterindustrie. Dort gibt es also viele Ansatzpunkte, bei denen wir zusammenarbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frage: Haben Sie etwas Konkretes mitgebracht? Gibt es da konkrete Vertr\u00e4ge, Zahlen, etwas Handfestes?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, das Deutsche Institut vor Ort hat einen Rahmenvertrag unterzeichnet, in dem wir diese verschiedenen Bereiche, in denen wir zusammenarbeiten wollen, nochmal niedergelegt haben. Da geht es um die Batterieforschung. Also, wie bekommen wir auch f\u00fcr die E-Mobilit\u00e4t wirklich die Langstrecke hin und auch schnelles Laden? Dann muss noch einiges passieren mit Blick auf gr\u00fcnen Wasserstoff. Wie k\u00f6nnen wir den auch auf hoher See produzieren? Taiwan hat wenig Fl\u00e4che, ist ja gebirgig. Also das hei\u00dft, da muss man offshore gehen. Und eben mit Blick auf Halbleiter, ganz konkret mit Blick auf Austausch von Fachkr\u00e4ften auch.<\/p>\n<p>Frage: Wird es was Konkretes geben, worauf sich die deutsche Wirtschaft oder die deutsche Wissenschaft freuen kann?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, ganz bestimmt das Know-how mit Blick auf Halbleiter. Dort werden wir Fachkr\u00e4fte brauchen. Da wird es zum Beispiel den Austausch geben.<\/p>\n<p>Frage: Kann Deutschland etwas lernen, wovon der Forschungsstandort Deutschland etwas hat?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es ist ein gewisses Mindset. Dort sind die Menschen sehr schnell dabei, neue Technologien auch mal auszuprobieren. Und da kann man ein St\u00fcck weit auch davon lernen, wie das dann in die Umsetzung geht. Konkretes Beispiel: Wir haben uns auch mit deutschen Unternehmen unterhalten, die im Gesundheitsbereich vor Ort sind. Und dort ist es so, dass die neuen Technologien in der Gesundheitsversorgung sehr schnell Einzug halten. Und das hilft uns ja auch zu sehen: Wie funktioniert das? Was sind die H\u00fcrden? Best Practices zu lernen. Und ich fand wirklich auch das Mindset sehr angenehm, nicht nur problemorientiert, sondern l\u00f6sungsorientiert.<\/p>\n<p>Frage: Aber jetzt sind Sie wieder zur\u00fcck in Deutschland, mitten in Berlin-Mitte. Wir schauen hier auf den Bundestag, auf das Reichstagsgeb\u00e4ude, das Kanzleramt ist nicht weit. Was bringen Sie f\u00fcr Deutschland mit? Was w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen? Was nehmen Sie mit aus Taiwan, was w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen f\u00fcr die deutsche Forschungslandschaft zum Beispiel oder die deutsche Bereitschaft f\u00fcr Experimente oder etwas Neues zu wagen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: St\u00e4rker noch den Transfer zu schaffen. Wir sind etwas komplement\u00e4r aufgestellt zu Taiwan. Wir sind in der Grundlagenforschung sehr stark. Das ist eine Tradition, die wir haben, die auch toll ist. Die brauchen wir auch, denn das ist der Anfang jeder Innovations-Pipeline und es muss auch nicht jede neue Erkenntnis sofort in etwas umgesetzt werden. Aber mit Blick auf die Ideen auch L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr die Herausforderungen zu bringen, da stehen wir uns manchmal etwas selber im Weg durch B\u00fcrokratie und H\u00fcrden, aber auch durch die Frage: Wie bekommen wir es in die Anwendung? Und da kann man etwas davon lernen und wie man diese \u00d6kosysteme aufbauen kann.<\/p>\n<p>Frage: Wie geht es denn den jungen Forschenden in Taiwan?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir haben Forschungseinrichtungen besuchen k\u00f6nnen, die tolle Infrastrukturen hatten, in denen auch die jungen Wissenschaftler teilweise noch im Master wirklich ihre eigenen Projekte selbstbestimmt durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Ich glaube, das ist auch sehr wichtig, was ausprobieren und sich selber Ziele setzen zu k\u00f6nnen. Wir waren, das war besonders spannend f\u00fcr alle, die dabei waren, an einer berufsbildenden High School. Dort ist das Berufsbildungssystem anders als bei uns. Dort geht man also in eine Schule und macht nur Praktika bei Unternehmen. Das Codieren, also Digitalisierung, Programme schreiben, ist dort Standard. Und auch hier, wenn man sich mit den jungen Menschen unterhalten hat, war immer: \u201eWas findet ihr toll an eurer Ausbildung hier?\u201c \u201eJa, ich habe ein Problem und das kann ich selbst l\u00f6sen und ich kann auch gucken, dass ich selbst besser werde dadurch.\u201c Ich finde, das ist auch ein Ansatz, der sehr gut ist, den jungen Menschen was zuzutrauen und sie Probleme l\u00f6sen zu lassen, denn das m\u00fcssen wir eigentlich unser Leben lang immer tun.<\/p>\n<p>Frage: Ihr Problem zuhause ist ja tats\u00e4chlich: wie jungen Forschenden in Deutschland eine Chance geben, gerade nach der Doktorarbeit? Die sogenannten Post-Docs. Da gibt es ja eine heftige Debatte um das sogenannte Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Sie haben da einiges geplant. Das war, glaube ich, gerade mal irgendwie knapp 50 Stunden auf dem Markt, dann wurde es wieder zur\u00fcckgenommen. Grunds\u00e4tzlich geht es darum, das verlangen oder erwarten ja auch viele deutsche Universit\u00e4ten, tats\u00e4chlich den jungen Forschenden bessere Chancen zu geben, dass sie eine sicherere und auch sozial sicherere M\u00f6glichkeit haben, dort zu forschen: l\u00e4ngere Vertr\u00e4ge, verl\u00e4sslichere Vertr\u00e4ge. Das ist gerade ziemlich heftig umstritten. Ihr Ministerium muss jetzt da noch einmal nacharbeiten. So hie\u00df es ja aus Ihrem Ministerium auch selbst. Was erhoffen Sie sich? Was nehmen Sie mit vielleicht auch aus Taiwan f\u00fcr junge deutsche Forschende? Was sagen Sie denen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, Sie sprechen nat\u00fcrlich ein wichtiges Thema an mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Und Sie haben auch schon einen ganz wichtigen Aspekt angesprochen: Wie schaffen wir es, in unserem Wissenschaftssystem auch klare Karrierewege und auch relativ fr\u00fch dann eine Verbindlichkeit zu schaffen? Ich glaube, die grunds\u00e4tzlichen Fragen \u2013 und deswegen haben wir jetzt gesagt: wir gehen auch noch mal in den Dialog \u2013 die grunds\u00e4tzliche Frage ist ja: Wie sieht das mit der Befristung aus? Wissenschaftszeitvertragsgesetz hei\u00dft ja, in der Wissenschaft ist es anders als in anderen Branchen. Und das muss begr\u00fcndet sein. Warum macht man so etwas?<\/p>\n<p>Frage: Da muss man dazu sagen, da ist Befristung der Standard. 80 Prozent aller Vertr\u00e4ge in diesem Bereich sind befristet.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau. Und es gibt eben zwei unterschiedliche Befristungsgr\u00fcnde. Das ist einmal die Qualifizierung und das andere sind Drittmittel. Und im Bereich der Qualifizierung gibt es zwei Unterschiede, einmal die Phase der Promotion und dann die Post-Doc-Phase.<\/p>\n<p>Frage: Also nach der Promotion.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau. Das war fr\u00fcher die klassische Habilitation war. Das ist jetzt Post-Doc, weil wir ja nicht mehr klassisch habilitieren. Und in dem ersten Bereich der Promotion ist man sich ziemlich einig, dass sechs Jahre eine gute Zeit sind, um eine Promotion machen zu k\u00f6nnen. Unser Ziel ist, dass der Befristungsgrund dann die Qualifizierung ist. Warum? Weil, wenn der Befristungsgrund Qualifizierung ist, noch zus\u00e4tzlich, wenn Familiengr\u00fcndung stattfindet zum Beispiel, dann eben Verl\u00e4ngerung der Zeiten m\u00f6glich ist, weil man ja auch noch zus\u00e4tzlich Aufgaben zu erf\u00fcllen hat, die man gerne macht, aber die auch Zeit kosten. Deswegen haben wir gesagt, Vorrang hat immer die Qualifizierungsbefristung. Das, glaube ich, ist ein wichtiger Schritt. Und das wird auch in der Breite so mitgetragen. Mit Blick dann auf die Phase nach der Promotion unterscheiden sich ja schon die Einstellungen. Ist das noch eine Qualifizierung oder nicht? Ich bin schon der Auffassung, dass noch einmal nach der Promotion, wenn man dann wirklich in den Bereich, was fr\u00fcher Habilitation, jetzt Post-Doc ist, dass das noch einmal eine andere Art zu arbeiten ist und auch eine gewisse Qualifikation. Und jetzt ist so ein bisschen die Frage: Wie lange muss man hier Zeit geben, dass man auch zeigen kann, was man leisten kann, sich qualifizieren kann? Also, ist f\u00fcr mich der wissenschaftliche Bereich der richtige Weg? Da ist jetzt eigentlich so die Diskussion entstanden. Dann gibt es eben die eine Sicht, die sagt, direkt nach der Promotion sofort einen Dauervertrag. Dann gibt es andere, die sagen: Nein, erst m\u00f6glichst sp\u00e4t, um mehr Zeit zu haben, damit man auch eben sich wissenschaftlich noch weiterentwickeln kann.<\/p>\n<p>Frage: Was sagen Sie?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir m\u00f6chten gern die Diskussion f\u00fchren mit den Betroffenen. Warum? Weil \u2013 ich m\u00f6chte auch eines betonen \u2013 das Wissenschaftszeitvertragsgesetz kann nicht alles regeln. Warum sage ich das so? Es ersetzt nicht \u2026<\/p>\n<p>Frage: Weil letztlich die L\u00e4nder vor Ort nat\u00fcrlich \u2026<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau.<\/p>\n<p>Frage: \u2026 die Universit\u00e4tsarbeit machen m\u00fcssen am Ende, ja.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es ersetzt nicht die Frage: Wie schaffe ich auch eine gewisse F\u00fchrungskultur in Hochschulen, um immer m\u00f6glichst schnell auch Feedback zu geben, wie k\u00f6nnte denn ein Karriereweg f\u00fcr dich aussehen in wissenschaftlichen Bereichen, in der Forschung, vielleicht in der Lehre. Das sind ja alles ganz unterschiedliche, alles wichtige Facetten. Und es ersetzt nicht, dass wir Dauerstellen brauchen, wenn wir auch mehr Menschen dauerhaft eine Perspektive geben k\u00f6nnen. Und das muss man schon noch mal ganz klar sagen: Das kann ein Wissenschaftszeitvertragsgesetz nicht schaffen.<\/p>\n<p>Frage: Sie setzen praktisch nur, wenn man es so will, den arbeitsvertraglichen Rahmen, mehr oder weniger, als Bund.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau. Wir unterst\u00fctzen gern. Wir ziehen uns da nicht raus, aber es muss trotzdem auch vor Ort gelebt werden. Das k\u00f6nnen wir mit dem Gesetz nicht machen. Aber ich m\u00f6chte noch einen Punkt sagen, der mir wichtig ist, den ich noch nicht angesprochen habe. F\u00fcr mich ist das gro\u00dfe Problem, dass wir in der Drittmittelbefristung so viele Vertr\u00e4ge dann haben, denn Sie k\u00f6nnen nach der Qualifikationsbefristung immer noch eine Drittmittelbefristung haben. Auch das ist nicht per se immer falsch. Nur, ist nat\u00fcrlich nachvollziehbar, wenn man dann mit Mitte 40 immer noch auf befristeten Drittmittelvertr\u00e4gen ist, dass das keine Perspektive ist. Und ich glaube, das m\u00fcssen wir uns genau anschauen. Ich glaube, man muss viel Platz f\u00fcr Qualifizierung geben. Aber bei den Drittmittelvertr\u00e4gen, da w\u00e4re ich daf\u00fcr, dass wir da deutlich etwas machen.<\/p>\n<p>Frage: Aber was genau wollen Sie dann als Forschungsministerin? Also, was ist Ihr politisches Ziel? Was wollen Sie oder was k\u00f6nnen Sie den jungen Forschenden anbieten? Also, wir h\u00f6ren da ja wirklich seit langer Zeit schon viel Kritik. Es gibt den Hashtag #ichbinhanna in den sozialen Medien, wo viele junge Forschende beschreiben, wie schwierig es einfach ist, in diesem dann ja doch auf Langfrist auch angelegten Wissenschaftsbetrieb, das ist nicht mal ein Monat hier, mal ein Monat da, das sind ja Jahre. Das ist ja lange Forschung, gerade in der Grundlagenforschung, aber auch sonst. Man braucht Zeit. Dann ist man sowieso vielleicht in der Phase gerade der Familiengr\u00fcndung. Viele andere Faktoren spielen da eine Rolle. Also, es ist ein Hilfeschrei, glaube ich, den man da h\u00f6rt aus der Wissenschaftsszene. Was m\u00f6chten Sie denn politisch? Was wollen Sie mit diesem Wissenschaftszeitvertragsgesetz, wenn es denn wieder neu aufgesetzt wird? Was ist Ihr Ziel?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wenn jetzt die Diskussion stattfindet, da sind auch Vertreter der Hochschulrektorenkonferenz dabei, dass man sich auch mal ein gemeinsames Ziel vereinbart: Wo wollen wir denn eigentlich hin? Auch von der Hochschulrektorenkonferenz kam jetzt auch schon die \u00c4u\u00dferung: Wir werden mehr Dauerstellen schaffen. All das ist ein Weg, auf den man sich begibt. Und ich glaube auch, das Verst\u00e4ndnis zu schaffen, dass wir nicht \u00fcber Nacht mit einem Gesetz das werden l\u00f6sen k\u00f6nnen, sondern dass wir uns auf diesen Weg begeben.<\/p>\n<p>Frage: Aber Sie wollen das? Sie wollen Dauerstellen? Sie m\u00f6chten das politisch?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Mehr Dauerstellen. Es wird nat\u00fcrlich nicht nur Dauerstellen geben und es wird die Frage sein, ab wann. Auch da w\u00fcrde mich dann wirklich nochmal interessieren: Auf der einen Seite sagen wir ja: fr\u00fcher eine Klarheit. Wo geht mein Weg hin? Aber trotzdem genug Chance geben, sich qualifizieren zu k\u00f6nnen. Und diese Diskussion will ich auch schon nochmal mit den Betroffenen f\u00fchren, damit diese fr\u00fche Sicherheit nicht dazu f\u00fchrt, dass dann die Angst da ist: Ich habe gar nicht genug Zeit, mich \u00fcberhaupt zu entwickeln in dieser zweiten Phase. Deswegen ist es gut, dass wir jetzt sagen, wir wollen da transparent sein, wir machen diese ganz, ganz offene Diskussion.<\/p>\n<p>Frage: Ich w\u00fcrde gerne nochmal in unserem \u201eInterview der Woche\u201c mit Bettina Stark-Watzinger von der FDP, Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung, einen Moment zur\u00fcckkommen auf China und Taiwan, von wo Sie ja gerade kommen. Und da sind wir aber immer noch in der Wissenschaftsszene und es gibt auch Streit \u00fcber Konfuzius-Institute, das sind diese staatlichen chinesischen Institute, wo auch viele Universit\u00e4ten Kooperationen haben. Wie stehen Sie zum Kernland China und seiner Wissenschaftspolitik in Deutschland?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ich muss sagen, die Konfuzius-Institute sehe ich sehr kritisch. Ich w\u00fcrde sie an meiner Hochschule nicht haben.<\/p>\n<p>Frage: Empfehlen Sie denn den deutschen Hochschulen, den deutschen Universit\u00e4ten die Konfuzius-Institute, die sie da haben, zu schlie\u00dfen, die Kooperation zu beenden?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wenn man Wissenschaftsfreiheit leben will, muss man das auch ernst nehmen.<\/p>\n<p>Frage: Also, Konfuzius-Institute sind aus Ihrer Sicht \u2013 Stand jetzt in Deutschland \u2013 unerw\u00fcnscht?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Pers\u00f6nlich halte ich es f\u00fcr falsch, Konfuzius-Institute zu haben.<\/p>\n<p>Frage: Frau Stark-Watzinger, wir m\u00fcssen \u00fcber ein Ereignis reden oder \u00fcber die Folgen eines Ereignisses, was, glaube ich, nicht so einfach gewesen sein kann auch f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich, n\u00e4mlich der sogenannte Bildungsgipfel, den viele Kritiker als Fiasko angesehen haben, wo Sie ja eigentlich Vertreter von Bund, L\u00e4ndern, Kommunen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft zusammenbringen wollten, haben es auch getan, aber gerade da, wo eben die Bildungshoheit in Deutschland liegt, n\u00e4mlich bei den L\u00e4ndern, da waren von den 16 nur zwei da. Was haben Sie gelernt aus dieser Erfahrung?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Herausforderungen im Bildungswesen sind sehr gro\u00df. Das w\u00fcrden Ihnen alle, die Sie fragen \u2026<\/p>\n<p>Frage: Da widerspricht, glaube ich, keiner.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau. Und auch vor Ort sp\u00fcrt man das. Dieser Bildungsgipfel war nie gedacht als \u201eKultusministerkonferenz light\u201c oder gemeinsame Wissenschaftskonferenz light, wo wir alle um einen Tisch sitzen hinter verschlossenen T\u00fcren, sondern es ging darum, einen Startschuss zu geben, um auch in eine neue Form der Zusammenarbeit zu gehen. Und damit meine ich nicht eine Grundgesetzreform, sondern ich meine, wir sollten einen Perspektivwechsel haben. Wir sollten nicht in institutionellen Befindlichkeiten denken. Es geht ja nicht um mich oder den Bund oder das Ministerium und die anderen, die Kultusminister, die Institutionen, sondern es geht ja darum: Wie erreichen wir eigentlich unter diesen schwierigen Bedingungen, die zum gr\u00f6\u00dften Teil bei den L\u00e4ndern liegen, aber wie erreichen wir zusammen, Kommune, Land und Bund, aber auch mit der Wissenschaft, mit vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Stiftungen haben sich ja auch nochmal zu Wort gemeldet \u2026 Das Ziel war von Anfang an also keine Kultusministerkonferenz light, sondern ein Startschuss f\u00fcr eine Zusammenarbeit. Wir wollen ja in dieser Task Force, wie auch immer Sie das nennen wollen, eben mal jenseits der R\u00e4ume, in denen wir in den regul\u00e4ren Verhandlungsstrukturen sind, uns Ziele setzen. Und wenn wir eine neue Form der Zusammenarbeit haben wollen, dann m\u00fcssen wir gemeinsame Ziele vereinbaren und vor allen Dingen m\u00fcssen dann auch mal mehr an den Tisch als nur Bund und L\u00e4nder. Und darauf haben wir uns dann auch in der Kultusministerkonferenz, die am Donnerstag stattgefunden hat, verst\u00e4ndigt.<\/p>\n<p>Frage: Gut, aber das hat ja nun, um das mal gelinde auszudr\u00fccken, nicht wirklich funktioniert. Wie haben Sie diesen Boykott empfunden? Es war ja ein Boykott de facto. Was hei\u00dft denn das f\u00fcr die Zukunft? Wie m\u00fcssen Sie da beim n\u00e4chsten Mal rangehen? Braucht es, ich glaube, der letzte Bildungsgipfel auf Kanzler- oder Kanzlerinnenebene ist viele, viele Jahre her. Braucht es einen Bildungsgipfel mit Kanzler Scholz?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Also, 2008 gab es den Bildungsgipfel mit Angela Merkel. Und eines der gro\u00dfen Ziele war, dass man es schafft, die Ausgaben f\u00fcr Bildung zu erh\u00f6hen, gemessen am Anteil des Bruttoinlandsproduktes. Das eine ist, dass wir dar\u00fcber sprechen, wie viel Geld wir zusammen in Bildung geben. Das ist die beste Investition.<\/p>\n<p>Frage: Inzwischen sind wir bei 176 Milliarden. Das ist nat\u00fcrlich beeindruckend. Ist eine Verdoppelung der Bildungsausgaben in letzter Zeit. Aber das scheint ja nicht wirklich etwas zu bewirken, jedenfalls nicht genug zu bewirken. Ich meine, ich muss Ihnen die Liste nicht aufz\u00e4hlen. Also, vom baulichen Zustand von Schulen, \u00fcber die schleppende Digitalisierung, Lerndefizite, gerade im Grundschulbereich, der immense Lehrermangel. Also, man hat das Gef\u00fchl, wenn man so von au\u00dfen schaut auf dieses stolze Deutschland, auf eine der reichsten Nationen der Welt, eine gro\u00dfe Industrienation, die international immer noch sehr, sehr angesehen ist: Dieses Bildungssystem ist in einer tiefen, tiefen Krise.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Herr Balzer, da geht es einmal um individuelle Lebenswege, die Startchancen, die man nicht hat, und es geht nat\u00fcrlich auch um uns als Gesellschaft als Ganzes.<\/p>\n<p>Frage: Also die Herkunft, die soziale Herkunft meinen Sie damit?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, genau. Das sind ja alles Studien, die zeigen das zum einen.<\/p>\n<p>Frage: Immer noch zentral entscheidend f\u00fcr Bildungskarrieren in Deutschland. Immer noch!<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Dass die Kompetenzen insgesamt sinken bei unseren Grundsch\u00fclerinnen und Grundsch\u00fclern, aber dann auch noch \u2013 Sie haben es eben gesagt \u2013 die Herkunft beziehungsweise das Elternhaus. Also, man sagt ja immer so sch\u00f6n: Die L\u00e4nge des B\u00fccherregals entscheidet dar\u00fcber, ob ich eben diese Chancen habe. Und das sind ja Befunde, die k\u00f6nnen wir nicht ruhen lassen.<\/p>\n<p>Frage: Die sind uralt, die Befunde.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Sie haben eben schon angesprochen, dass mehr Geld alleine scheinbar nichts genutzt hat \u2013 deswegen ja auch dieses Vereinbaren auf Ziele. Schauen Sie, ich kann mich hier in den Bundestag stellen und sagen, ich kriege jetzt eine Milliarde mehr und klopfe mir auf die Brust, damit ist aber noch keine Kompetenz bei irgendeinem Sch\u00fcler, irgendeiner Sch\u00fclerin besser geworden. Aufholen nach Corona ist so ein Beispiel. Auch hier m\u00f6chte ich sagen, habe ich \u2026<\/p>\n<p>Frage: Das Programm mit zwei Milliarden, das Corona-Aufholprogramm.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau, Aufholen nach Corona, zwei Milliarden, das war ja sehr schnell ins Leben gerufen, damals in der Krise. Alles nachvollziehbar, um eben Lerndefizite, die entstanden sind, aber auch Sch\u00fclerfreizeiten wieder zu finanzieren. Also, Schule ist ja mehr als nur Lernen, sondern auch ein sozialer Raum \u2013 wir haben ja gesehen, die Schulschlie\u00dfungen, was das mit unseren Kindern gemacht hat, nicht nur mit Blick auf Bildung.<\/p>\n<p>Frage: Waren die zu heftig, die Schulschlie\u00dfungen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja.<\/p>\n<p>Frage: Zu viel?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja.<\/p>\n<p>Frage: Zu lang?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Kinder haben zu viel R\u00fccksicht nehmen m\u00fcssen. Und wir sehen die Konsequenzen. Deutschland war ja ein Land \u2013 ich glaube, nur Polen hat in Europa die Schulen l\u00e4nger geschlossen gehabt \u2013, das die Schulen 183 Tage ganz oder teilweise geschlossen hatte. Das darf nie wieder passieren. Denn die Folgen sind schon gravierend. Bildung ist ausgefallen und wir sehen es auch sozial. Wir sehen Verhaltensauff\u00e4lligkeiten, die steigen, sagen die Kinder\u00e4rzte. Wir sehen aber auch, dass eben Lernen nicht mehr oder soziales Lernen untereinander nicht mehr stattgefunden hat. Auch k\u00f6rperlich, die Kinder haben sich viel weniger bewegt. All das sind wirklich Rucks\u00e4cke, die man ihnen jetzt mitgegeben hat.<\/p>\n<p>Frage: Und das trifft auf den Lehrermangel, das trifft auf all die anderen Defizite, die es ja schon vorher gab.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Geld alleine reicht nicht. Das hei\u00dft, wir m\u00fcssen uns unsere Ziele setzen. Und deswegen haben wir ja auch ein Startchancen-Programm, das wir zusammen mit den L\u00e4ndern entwickeln wollen. Das Programm Startchancen hat ja nochmal den besonderen Ansatz, genau in die Schulen zu gehen, wo es besonders schwierig ist, also, wo Kinder am wenigsten Unterst\u00fctzung von zuhause haben.<\/p>\n<p>Frage: Das sind 4.000 Brennpunktschulen in Deutschland.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, genau. Und die bekommen eben einmal Investitionen in \u2026<\/p>\n<p>Frage: \u2026 eine Milliarde Euro.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, die L\u00e4nder werden auch noch einen Teil dazu geben. Aber vielleicht nochmal ganz kurz, weil nicht jeder es schon geh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p>Frage: Man muss es erkl\u00e4ren, weil nicht jeder es kennt, glaube ich, das Programm.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Genau.<\/p>\n<p>Frage: Weil, es ist ja auch noch gar nicht da, es ist nur in der Theorie.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, es nimmt Formen an und soll ja auch n\u00e4chstes Jahr starten.<\/p>\n<p>Frage: Es nimmt Formen an. Wann soll es denn kommen? N\u00e4chstes Jahr?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es soll n\u00e4chstes Jahr starten.<\/p>\n<p>Frage: N\u00e4chstes Jahr \u2013 das ist noch lange hin.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Und es hat nochmal Mittel f\u00fcr Investitionen, damit eben zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten geschaffen werden in der Schule. Aber das Herzst\u00fcck ist f\u00fcr mich dieses \u201eChancenbudget\u201c. Schulen \u2013 wir sehen das ja \u2013, die eigenst\u00e4ndig entscheiden k\u00f6nnen, m\u00f6glichst ohne viel B\u00fcrokratie, k\u00f6nnen sehr viel auf die Beine stellen. Lehrerinnen und Lehrer wollen ja auch P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen sein, also die M\u00f6glichkeit haben, dann zu gestalten, entweder zus\u00e4tzliche Sprachf\u00f6rderung, es k\u00f6nnen aber auch andere Themen sein. Dieses \u201eChancenbudget\u201c, um Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern genau vor Ort zu geben, was sie brauchen. Und dar\u00fcber hinaus auch Schulsozialarbeit. Da w\u00e4re ich auch offen zu sagen, das k\u00f6nnen diese multiprofessionellen Teams sein, weil auch die Schulsozialarbeiter und -arbeiterinnen k\u00f6nnen wir uns nicht \u00fcber Nacht backen. Dass man dort auch Psychologinnen und Psychologen und unterst\u00fctzende Kr\u00e4fte hat, weil eben Schule mehr ist als reines Lernen.<\/p>\n<p>Frage: Wir haben ja gerade dar\u00fcber gesprochen, dass nur Geld es offenbar nicht bringt. Also, wie gesagt, wir haben im Moment Bildungsausgaben von 176 Milliarden Euro, das ist relativ viel. Da ist zwar international im OECD-Vergleich immer noch, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, ein bisschen Luft nach oben, aber es ist relativ viel an Geld. Und wenn man sich jetzt auch diesen ber\u00fchmten K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel so anschaut, wo nachher dann eben auch die Mittel des Bundes und der L\u00e4nder miteinander verteilt werden, der betrifft ja auch viele andere Bereiche, aber eben auch den Bildungsbereich, wo es eben nach Bewohnern und Steueraufkommen geht. Was letztlich dazu f\u00fchrt, dass ein Ort wie Bremen, wo es wirklich gro\u00dfe Probleme gibt, benachteiligt wird zu Bayern zum Beispiel. M\u00fcsste das ge\u00e4ndert werden? W\u00fcrden Sie sich was anderes w\u00fcnschen? Also, jetzt versuchen wir doch mal, was zu entwerfen. Wie w\u00fcrden Sie sich das w\u00fcnschen, wie sollten Bundesmittel im Bereich Bildung verteilt werden? Anders?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: In der Tat, der K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel hei\u00dft ja Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl. Und wenn wir jetzt sagen, wir wollen gerade dahin gehen, wo diejenigen, die es am schwersten haben, ist der K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel nicht das Ideal. Und deswegen muss das sich eigentlich daran orientieren, wo der Bedarf am gr\u00f6\u00dften ist.<\/p>\n<p>Frage: Was hei\u00dft das? Welche Kriterien sollten da angelegt werden? Experten haben ja gesagt, soziale Bed\u00fcrftigkeit, Zuwanderungsquoten \u2026<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Das ist etwas, was gerade auch in der Diskussion ist mit den L\u00e4ndern. Wo verschiedene Faktoren diskutiert werden. Und auch das werden wir nochmal mit den Experten \u2026<\/p>\n<p>Frage: Was w\u00e4re Ihre Priorit\u00e4t?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ein Set. Ein Set aus verschiedenen Schl\u00fcsseln.<\/p>\n<p>Frage: Jedenfalls nicht nur stur der K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja.<\/p>\n<p>Frage: Der ist zu wenig und zu alt. Gut. Ansonsten haben wir noch Lehrermangel in Deutschland. Das ist Ihnen sicherlich auch schon aufgefallen \u2013 nicht nur Ihnen, sondern vielen anderen Menschen in der Republik auch. Viele Eltern \u2013 Millionen Eltern \u2013 in Deutschland st\u00f6hnen dar\u00fcber, \u00fcber den Stundenausfall. Und nat\u00fcrlich auch die Kinder st\u00f6hnen dar\u00fcber, dass so viel ausf\u00e4llt, weil einfach ein massiver Lehrermangel herrscht. Und auch das ist nichts Neues, nicht seit gestern, es ist seit vielen, vielen Jahren der Fall. Auch das ist nat\u00fcrlich nicht in erster Linie eine Bundesangelegenheit, aber dennoch k\u00f6nnen Sie einiges tun. Was m\u00f6chten Sie tun, was m\u00fcssen Sie tun, um den Lehrermangel in Deutschland zu beheben?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Vielleicht nochmal, was ist denn das Grundproblem? Nat\u00fcrlich zu wenige, die sich f\u00fcr das Studium interessieren. Dann aber auch zu viele, die das Studium abbrechen. Und dann hinterher, wenn sie vollendet haben, vielleicht gar nicht in den Lehrerinnen- und Lehrerberuf gehen. Insofern muss man wahrscheinlich an verschiedenen Punkten ansetzen. Der Bund darf ja nicht dauerhaft Ausbildung an den Hochschulen finanzieren. Durch den Zukunftsvertrag Studium und Lehre und die zus\u00e4tzlichen Mittel haben wir nat\u00fcrlich jetzt auch noch mal Luft gegeben, dass mehr Ausbildung stattfinden kann. Insgesamt glaube, ich, dass dieser ja so wichtige und eigentlich auch tolle, bestimmt auch anstrengende Beruf, wieder so einen gesellschaftlichen Stellenwert haben muss und vor allen Dingen, der muss auch spannend und interessant sein. Wenn Sie nach dem Studium in die Schule gehen und dort ja viele Jahre \u2013 hoffentlich \u2013 ihrer T\u00e4tigkeit nachgehen und Lernbegleiter f\u00fcr die jungen Menschen sind, dann muss da auch dieses moderne Arbeitsumfeld sein. Die Schule muss ein moderner, selbstst\u00e4ndiger Ort sein, und die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung muss sich auch einfach an die neuen Standards anpassen. Wir haben heute ChatGPT \u2013 die KI wird Bildung ver\u00e4ndern. Das hei\u00dft, wenn ich das wirklich nutzen will, diese K\u00fcnstliche Intelligenz, dann muss ich mir mein Ziel, dann muss ich die Rahmenbedingungen, dann muss ich die Konditionen \u00e4ndern. Das hei\u00dft, in Zukunft wird man andere Kompetenzen brauchen.<\/p>\n<p>Frage: Das wird den Lehrermangel, glaube ich, in absehbarer Zeit noch nicht beheben.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Nein.<\/p>\n<p>Frage: Sie haben ja auch mal vorgeschlagen, Lehrer leistungsorientierter zu bezahlen \u2013 auch das m\u00fcssten ja dann die L\u00e4nder vor Ort organisieren, und das passiert ja in Teilen auch schon. Was gibt es noch? Das m\u00fcssen ja viele, viele Faktoren sein, die dazu f\u00fchren, dass es mehr Lehrer gibt. Deutschland braucht mehr Lehrer!<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja.<\/p>\n<p>Frage: Zehntausende!<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ich glaube, wir werden einen gewissen Pragmatismus an den Tag legen m\u00fcssen und au\u00dferschulische Lernorte und auch Quereinsteiger gut integrieren. Dann werden wir nat\u00fcrlich auch mit Blick auf die Langfrist den Beruf interessanter machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Frage: Eine abschlie\u00dfende Frage noch. Bettina Stark-Watzinger, Sie sind nicht nur f\u00fcr die Bildung auf Bundesebene zust\u00e4ndig und f\u00fcr die Forschung, sondern Sie sind nat\u00fcrlich auch Teil dieser Ampelkoalition. Und was erleben wir da in letzter Zeit? Ziemlich schlechte Stimmung \u2013 jedenfalls, was man von au\u00dfen so h\u00f6rt. Da gibt es ja einigen Streit. Wie w\u00fcrden Sie die politische Kultur in dieser Regierung beschreiben?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir ringen um die besten L\u00f6sungen. Wir sind sehr unterschiedliche Parteien, die zusammenkommen \u2013 das ist aber auch eine Chance. Wir haben nat\u00fcrlich jetzt im letzten Jahr auch nochmal gro\u00dfe Herausforderungen dazubekommen. Ich finde es toll, dass wir so zusammenstehen, auch insgesamt die demokratischen Parteien im Parlament. Aber auch, dass die Gesellschaft so dahintersteht, dass wir eben die Ukraine in ihrem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung unterst\u00fctzen. Nat\u00fcrlich sp\u00fcren wir auch hier, mit Blick auf Energie, die Herausforderungen. Insofern waren auch viele gro\u00dfe Themen, die auf der Agenda standen, die vorher so nicht im Koalitionsvertrag niedergeschrieben waren. Und das haben wir, glaube ich, toll gemacht, dass wir da die Wege gefunden haben. Genauso, dass wir jetzt erkannt haben \u2013 schauen Sie sich an: LNG-Terminal Wilhelmshaven, ich habe, glaube ich, die Zahl von 194 Tagen gelesen \u2013, dass wir sehen, dieses Land kann so viel. Und das darf jetzt darauf nicht beschr\u00e4nkt sein, sondern muss auch auf f\u00fcr die vielen, vielen anderen Themen gelten. Wie bekommen wir neue Technologien dahin? Wie bleiben wir innovationsoptimistisch und technologieoffen, um die gro\u00dfen Herausforderungen zu meistern? Das ist f\u00fcr mich der richtige Fortschritt. Und vor allen Dingen mal weniger B\u00fcrokratie, sondern mehr Tempo.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger gab dem \u201eDeutschlandfunk\u201c das folgende Interview. 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