{"id":10582,"date":"2023-04-17T16:54:47","date_gmt":"2023-04-17T14:54:47","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=10582"},"modified":"2023-04-17T16:54:47","modified_gmt":"2023-04-17T14:54:47","slug":"wissing-interview-ki-systeme-duerfen-uns-nicht-manipulieren-sie-muessen-uns-unterstuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2023\/04\/17\/wissing-interview-ki-systeme-duerfen-uns-nicht-manipulieren-sie-muessen-uns-unterstuetzen\/","title":{"rendered":"WISSING-Interview: KI-Systeme d\u00fcrfen uns nicht manipulieren, sie m\u00fcssen uns unterst\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und\u00a0Bundesminister f\u00fcr Digitales und Verkehr Dr. Volker Wissing\u00a0gab der \u201eBild am Sonntag\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellten Thomas Block und Burkhard Uhlenbroich:<\/p>\n<figure id=\"attachment_1120\" aria-describedby=\"caption-attachment-1120\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1120\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing.jpg\" alt=\"Dr. Volker Wissing\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing-300x200.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1120\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Volker Wissing<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Herr Wissing, wann hat sich der Digitalminister das letzte Mal \u00fcber das Internet ge\u00e4rgert?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Zuletzt richtig ge\u00e4rgert habe ich mich \u00fcber eine Internetbestellung, die einfach nicht bei mir ankommen wollte. Es ging bl\u00f6derweise um ein Heuschnupfenmittel, da kann man nicht einfach zehn Tage warten. Generell muss ich aber sagen, dass das Internet alles in allem mein Leben sehr viel einfacher gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Viele Menschen sehen das anders, haben die Nase voll von immer neuen Online-Antr\u00e4gen und der \u00fcberbordenden Technik in ihrem Leben. Warum muss das alles so kompliziert sein?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Digitalisierung macht das Leben nur dann einfacher, wenn sie gut gemacht ist. Schlecht gemachte Digitalisierung verkompliziert die Dinge, und da gibt es leider noch zu viele Beispiele.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Wie wollen Sie konkret unser Leben einfacher machen?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Indem ich komplizierte Vorg\u00e4nge abk\u00fcrze. Ab dem 1. September k\u00f6nnen Sie zum Beispiel ein Auto komplett digital zulassen, direkt im Autohaus und ohne Gang zur Kfz-Zulassungsstelle. Das wird eine deutliche Erleichterung f\u00fcr sehr viele Menschen. Dar\u00fcber hinaus will ich, dass der F\u00fchrerschein, der Personalausweis und andere Dokumente in Zukunft digital auf dem Handy gespeichert werden k\u00f6nnen, damit man sie nicht st\u00e4ndig mit sich rumschleppen muss. Auch das Deutschlandticket zeigt, dass digital und einfach zusammen geht. Damit brechen wir eine jahrzehntealte, verkrustete Tarifstruktur auf. Ab 1. Mai reicht ein digitales Ticket, um den gesamten \u00d6PNV in unserem Land zu nutzen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Im Alltag m\u00fcssen sich die Menschen dann trotzdem mit komplizierter Technik rumschlagen. Selbst Waschmaschinen haben inzwischen einen Internetzugang \u2026<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Es wird kein Zur\u00fcck in die Zeit vor dem Internet geben. Ich will aber, dass das Digital-Durcheinander in Deutschland ein Ende hat. Es darf nicht sein, dass digitale Systeme nicht aufeinander abgestimmt sind und deshalb Daten nicht \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Deshalb brauchen wir mehr Standards und Normen im Digitalen. \u00dcbrigens auch und vor allem auf staatlicher Ebene.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Wie meinen Sie das?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Die \u00f6ffentliche Verwaltung in Deutschland arbeitet mit zu unterschiedlichen Systemen. Es ist doch absurd, wie oft man im Laufe seines Lebens auf dem Amt seinen Namen, sein Geburtsdatum und seine Anschrift angeben muss. Einmal sollte reichen. Das scheitert im Moment daran, dass die Verwaltung mit ganz unterschiedlichen Systemen arbeitet. Die Verwaltung in Hessen kann nicht ungehindert mit der in Th\u00fcringen kommunizieren und deshalb dort auch nicht alle Daten abrufen. Wir brauchen Schnittstellen, die das \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Und wenn ich aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht will, dass meine Daten zentral verf\u00fcgbar sind?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Der Datenschutz leidet am allermeisten unter dem Durcheinander. Sie wissen doch gar nicht, wo Ihre Daten gerade liegen und wer sie wof\u00fcr verwendet. In Estland ist das ganz anders. Da gibt man dem Staat genau einmal seine Daten und jedes Mal, wenn sie abgerufen werden, wird man dar\u00fcber informiert. Das brauchen wir in Deutschland auch.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Gehen wir nicht zu leichtsinnig mit unseren Daten um und reicht der Datenschutz in Deutschland?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Datenschutz ist wichtig, darf aber nicht als Bremse bei der Digitalisierung vorgeschoben werden. Der Datenschutz in Deutschland muss vereinfacht werden. Es geht nicht mehr, dass die Datenschutzbeh\u00f6rden in jedem Bundesland unterschiedlich entscheiden. Wir wollen Kompetenzen klarer sortieren und die Rolle einer \u00fcbergeordneten Stelle st\u00e4rken. Vielfalt ist eine Bereicherung im F\u00f6deralismus, aber Vielfalt ist keine sinnvolle Option bei der Digitalisierung.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Machen die Bundesl\u00e4nder da mit?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Da w\u00fcrde ich mir mehr Zusammenarbeit w\u00fcnschen. Es braucht dringend eine regelm\u00e4\u00dfige Digitalministerkonferenz mit starken Kompetenzen. Ich erwarte von den L\u00e4ndern, dass sie sich st\u00e4rker dazu bekennen und in ihren Regierungen die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcrs Digitale klar regeln. So wie die Kultusministerkonferenz daf\u00fcr sorgt, dass ein bayerisches Abitur auch in NRW anerkannt wird, muss eine starke Digitalministerkonferenz daf\u00fcr sorgen, dass in Sachsen digitalisierte Daten auch in Bremen abgerufen werden k\u00f6nnen. Wir brauchen mehr Koordination und einheitliche Standards.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Wie wollen Sie verhindern, dass vor allem \u00e4ltere Menschen ohne Internet abgeh\u00e4ngt werden?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Auch f\u00fcr \u00e4ltere Menschen macht Digitalisierung das Leben einfacher. Je mehr Formulare sie im Internet einreichen k\u00f6nnen, desto seltener m\u00fcssen sie am Amt anstehen. Mein Ziel ist, dass es dabei einfacher ist, das digitale Formular auszuf\u00fcllen als das analoge. Ein weiterer Vorteil: Durch die digitale Antragsbearbeitung haben auch die Mitarbeiter am Amt mehr Zeit f\u00fcr Kundenberatung. Denn f\u00fcr mich ist klar: Wer keinen Internetzugang hat, muss auf andere Hilfe zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Niemand darf durch die Digitalisierung abgeh\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Alle reden gerade von den Fortschritten bei der k\u00fcnstlichen Intelligenz. Wie wird die k\u00fcnstliche Intelligenz unser Leben ver\u00e4ndern?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Es ist atemberaubend, was k\u00fcnstliche Intelligenz inzwischen kann. Das Programm ChatGPT kann in Minuten Texte schreiben, f\u00fcr die Menschen Stunden oder Tage brauchen. Die k\u00fcnstliche Intelligenz ist im Alltag angekommen und sie wird unser Leben grundlegend ver\u00e4ndern \u2013 und zwar positiv!<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Wie werden Sie als Digitalminister auf diese Entwicklung reagieren?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Wir m\u00fcssen jetzt klug reagieren und k\u00fcnstliche Intelligenz vern\u00fcnftig regulieren, bevor es daf\u00fcr zu sp\u00e4t ist. Das darf nicht wieder Jahre dauern. Ich setze mich deshalb daf\u00fcr ein, dass wir in Europa schnell einen gesetzlichen Rahmen f\u00fcr den Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz schaffen, der sicherstellt, dass diese neue Technologie nur dann eingesetzt werden darf, wenn sie sich an europ\u00e4ische Werte wie Demokratie, Transparenz und Neutralit\u00e4t h\u00e4lt. KI-Systeme d\u00fcrfen uns nicht manipulieren, sie m\u00fcssen uns unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Die Innovation kommt schon wieder aus den USA. Wieso gelingt so was nicht in Deutschland?<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Deutschland ist in der Entwicklung von k\u00fcnstlicher Intelligenz ganz vorne mit dabei. Deshalb darf die Regulierung auch nicht \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen. Totalit\u00e4re Systeme wollen k\u00fcnstliche Intelligenz einsetzen, um die Freiheit einzuschr\u00e4nken. Wir d\u00fcrfen ihnen nicht das Feld \u00fcberlassen. Wir brauchen europ\u00e4ische KI-Anwendungen, die auf einer vertrauensw\u00fcrdigen gesetzlichen Basis entstehen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Italien hat bereits hart reguliert und ChatGPT die Verwendung italienischer Daten verboten.<\/p>\n<p><strong>Wissing:<\/strong>\u00a0Wenn alle Staaten in Europa diesem Vorbild folgen, werden bei uns keine KI-Anwendungen entwickelt. Dann werden wir uns in Zukunft nur noch mit chinesischen und amerikanischen Systemen auseinandersetzen m\u00fcssen. Die Menschen werden auf diese Technologie nicht verzichten wollen. Ein Verbot ist der v\u00f6llig falsche Weg.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und\u00a0Bundesminister f\u00fcr Digitales und Verkehr Dr. Volker Wissing\u00a0gab der \u201eBild am Sonntag\u201c das folgende Interview. 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