{"id":12478,"date":"2023-07-19T17:23:45","date_gmt":"2023-07-19T15:23:45","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=12478"},"modified":"2023-07-19T17:23:45","modified_gmt":"2023-07-19T15:23:45","slug":"vogel-interview-viele-sollen-aktien-kaufen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2023\/07\/19\/vogel-interview-viele-sollen-aktien-kaufen-koennen\/","title":{"rendered":"VOGEL-Interview: \u201eViele sollen Aktien kaufen k\u00f6nnen\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der Erste Parlamentarische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der FDP-Fraktion Johannes Vogel gab den Stuttgarter Nachrichten (Mittwochausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellte Tobias Peter.<\/p>\n<p>Frage: Herr Vogel, ab 2025 gehen die \u201eBabyboomer\u201c, also die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge, in den Ruhestand. Ist die Rente dann noch sicher?<\/p>\n<p>Vogel: Wenn wir die Rente nicht reformieren, wird sie vom Jahr 2025 an immer unsicherer. Uns darf nicht die Abh\u00e4ngigkeit des Rentensystems von der Demografie einholen, wie uns die Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas eingeholt hat. Deshalb m\u00fcssen wir die richtigen Weichen stellen.<\/p>\n<p>Frage: Das m\u00fcssen Sie genauer erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Vogel: Lassen wir uns mal auf folgendes Gedankenexperiment ein: Wenn morgen alle aufh\u00f6ren w\u00fcrden, in die gesetzliche Rente einzuzahlen, w\u00e4re dort nur noch f\u00fcr einen Monat lang Geld vorhanden. Danach w\u00fcrde keine Rentnerin und kein Rentner in diesem Land mehr Geld bekommen.<\/p>\n<p>Frage: Das ist nicht neu. Das Rentensystem ist eine Umlage \u2013 und die jeweils arbeitende Generation zahlt ein.<\/p>\n<p>Vogel: Das stimmt. Das, was sich im Vergleich zu fr\u00fcher aber ge\u00e4ndert hat, ist: Es gibt weniger Einzahler und daf\u00fcr mehr Empf\u00e4nger. In dieser Situation ger\u00e4t ein solches Umlagesystem naturgem\u00e4\u00df unter Druck.<\/p>\n<p>Frage: Was muss sich aus Ihrer Sicht \u00e4ndern?<\/p>\n<p>Vogel: Es geht um zwei Punkte. Erstens: Wir m\u00fcssen qualifizierte Fachkr\u00e4fte aus dem Ausland gewinnen, die nach Deutschland kommen. Nur so k\u00f6nnen wir unsere Sozialsysteme dauerhaft absichern. Deshalb ist das Einwanderungsgesetz mit Punktesystem, das wir auf Betreiben von uns Freien Demokraten nun verabschiedet haben, so wichtig. Zweitens \u2013 und das ist entscheidend: Wir m\u00fcssen bei der Finanzierung der Rente die alleinige Abh\u00e4ngigkeit von der Umlage \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Frage: Wie soll das gelingen?<\/p>\n<p>Vogel: Wir m\u00fcssen das Potenzial von Aktien st\u00e4rker f\u00fcr die Altersvorsorge nutzen. Das gilt f\u00fcr die gesetzliche Rente, bei der wir bald in die Aktienrente einsteigen wollen. Damit sorgen wir daf\u00fcr, dass auch die Menschen, die in das gesetzliche Rentensystem einzahlen, von der Entwicklung an den globalen Aktienm\u00e4rkten profitieren, die \u00fcber Jahrzehnte betrachtet immer Gewinn abwerfen.<\/p>\n<p>Frage: Im Koalitionsvertrag sind in einem ersten Schritt dieses Jahr zehn Milliarden vorgesehen. Sind wir mal ehrlich, das ist gemessen an den Dimensionen in der Rente praktisch gar nichts.<\/p>\n<p>Vogel: Warten wir den Gesetzentwurf der Regierung doch erst mal ab. Das Generationenkapital soll aufwachsen \u2013 und muss den Anfang einer historischen Weichenstellung bilden. Mein Ziel bleibt, dem konkreten schwedischen Vorbild unserer Aktienrente so bald wie m\u00f6glich so nahe wie m\u00f6glich zu kommen. Gleichzeitig geht es aber noch um Folgendes: Wir m\u00fcssen in Deutschland auch bei der Privaten Altersvorsorge viel st\u00e4rker auf Aktien setzen. Denn wir m\u00fcssen insgesamt die Aktienkultur f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Frage: Das kann doch jeder, der das m\u00f6chte und ausreichend Geld daf\u00fcr \u00fcbrig hat, bereits jetzt tun.<\/p>\n<p>Vogel: Wenn es um gef\u00f6rderte Altersvorsorge geht, ob in der betrieblichen oder in der privaten Altersvorsorge, schlie\u00dfen wir relevante Aktienanteile bisher gesetzlich aus. Das f\u00fchrt zu geringen Renditen bei diesen Produkten und macht sie f\u00fcr viele Menschen unattraktiv. Die Bundesregierung hat eine Fokusgruppe Private Altersvorsorge eingesetzt, die jetzt bemerkenswerte Vorschl\u00e4ge gemacht hat. Damit muss sich die Koalition rasch auseinandersetzen und Gesetze folgen lassen.<\/p>\n<p>Frage: Was ist aus Ihrer Sicht der Kernpunkt?<\/p>\n<p>Vogel: Meine Aufforderung an SPD und Gr\u00fcne ist: Lasst uns jetzt schnell daf\u00fcr sorgen, dass breite Teile der Bev\u00f6lkerung bei der privaten Altersvorsorge in das langfristig renditesichere Potenzial von Aktien investieren k\u00f6nnen! Dazu sollten wir ein Altersvorsorgedepot als eine M\u00f6glichkeit der privaten Altersvorsorge schaffen. So hat es auch die Fokusgruppe vorgeschlagen, an der Arbeit-, Wirtschafts- und Finanzministerium selbst beteiligt waren \u2013 also SPD, Gr\u00fcne und FDP.<\/p>\n<p>Frage: Ein Altersvorsorgedepot \u2013 das klingt kompliziert.<\/p>\n<p>Vogel: Im Gegenteil, es ist ganz einfach. Das Altersvorsorgedepot sollte so funktionieren: Der Einzelne legt jeden Monat einen bestimmten Betrag in einem Aktien-Depot an. Wer vor dem Rentenalter nicht an dieses Geld herangeht, soll dieselbe F\u00f6rderung bekommen, die er derzeit bei einer Riester-Rente bek\u00e4me \u2013 k\u00fcnftig egal, ob angestellt oder selbstst\u00e4ndig. Das bedeutet: Menschen mit kleinerem Einkommen profitieren von Pr\u00e4mien und das Geld, das ins Altersvorsorgedepot eingezahlt wird, kann von allen steuerlich abgesetzt werden.<\/p>\n<p>Frage: Was ist mit denen, die Riester-Vertr\u00e4ge haben?<\/p>\n<p>Vogel: Bestehende Riester-Vertr\u00e4ge bleiben auf jeden Fall g\u00fcltig und die Menschen erhalten auch weiter ihre F\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Frage: Die Riester-Rente ist also noch nicht tot?<\/p>\n<p>Vogel: Jeder, der in die Riester-Rente eingezahlt hat, kann sich darauf verlassen, dass sich f\u00fcr ihn nichts \u00e4ndert. Aber wir m\u00fcssen jetzt etwas in die Spur bringen, in dem mehr Leben und Rendite steckt als in der Riester-Rente. Auch, damit mehr Menschen mitmachen.<\/p>\n<p>Frage: Eine h\u00f6here Rendite geht auch mit einem h\u00f6heren Risiko einher. Was ist, wenn ein B\u00f6rsencrash gro\u00dfe Teile der Altersvorsorge zunichtemacht?<\/p>\n<p>Vogel: Die Statistik zeigt: Wenn junge Menschen sich jetzt entscheiden, \u00fcber Jahrzehnte und breit gestreut in Aktien anzulegen, k\u00f6nnen sie von enormen Renditen profitieren und das Verlustrisiko ist null. Dauerhaft geht die Kurve nach oben \u2013 das haben wir \u00fcber die Jahrzehnte gelernt. Viele J\u00fcngere bauen doch heute schon mit ETFs, also b\u00f6rsengehandelten Indexfonds, Verm\u00f6gen auf \u2013 nur ist ihnen daf\u00fcr anders als in anderen L\u00e4ndern die staatliche F\u00f6rderung der Altersvorsorge verwehrt. Das ist absurd.<\/p>\n<p>Frage: Profitieren nicht am Ende vor allem die Einkommensstarken von Ihren Pl\u00e4nen, die sich solche Zusatzvorsorge und die mit Aktien verbundenen Risiken leisten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Vogel: So argumentiert die politische Linke, das ist aber falsch. Es ist genau umgekehrt. Momentan profitieren in der Tat vor allem Einkommensstarke von den Renditen, die Aktien auf lange Sicht verl\u00e4sslich abwerfen. Genau das m\u00fcssen wir endlich allen erm\u00f6glichen, gerade auch geringeren Einkommen. Das nenne ich sozial gerecht. Wir brauchen einen Kulturwandel in Deutschland, der dazu f\u00fchrt, dass m\u00f6glichst alle Aktien kaufen k\u00f6nnen, auch \u00fcber Altersvorsorge hinaus. Das w\u00e4re ein wirklicher Beitrag dazu, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer weiter auseinandergeht.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Erste Parlamentarische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der FDP-Fraktion Johannes Vogel gab den Stuttgarter Nachrichten (Mittwochausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellte Tobias Peter. 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