{"id":14134,"date":"2023-12-14T05:01:11","date_gmt":"2023-12-14T04:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=14134"},"modified":"2023-12-14T05:01:11","modified_gmt":"2023-12-14T04:01:11","slug":"duerr-koehler-gastbeitrag-klimapolitik-jenseits-von-symbolen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2023\/12\/14\/duerr-koehler-gastbeitrag-klimapolitik-jenseits-von-symbolen\/","title":{"rendered":"D\u00dcRR\/K\u00d6HLER-Gastbeitrag: Klimapolitik jenseits von Symbolen"},"content":{"rendered":"<p>Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian D\u00fcrr und der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Lukas K\u00f6hler schrieben f\u00fcr \u201eWELT\u201c (Dienstagsausgabe) und \u201eWelt.de\u201c den folgenden Gastbeitrag:<\/p>\n<p>Im Vorfeld machte die Konferenz vor allem aufgrund der Kritik am Austragungsort Schlagzeilen. Das ist typisch daf\u00fcr, wie wenig zielf\u00fchrend klimapolitische Debatten zu h\u00e4ufig gef\u00fchrt werden: Symbole sind oft wichtiger als tats\u00e4chlich effektive Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Etwa die emotionalisierte Diskussion \u00fcber die Abkehr von fossilen Brennstoffen: Am Ende ist f\u00fcr das globale Klima nicht der vollst\u00e4ndige Ausstieg aus Kohle, \u00d6l und Gas relevant, sondern der Ausstieg aus den CO2-Emissionen. Wie das geschieht, soll jedes Land f\u00fcr sich selbst entscheiden. Und tats\u00e4chlich gibt es l\u00e4ngst technische M\u00f6glichkeiten, das CO2 aus Kraftwerken und Industrieanlagen abzufangen und dann langfristig, etwa unter dem Meeresgrund, zu speichern.<\/p>\n<p>Der Kohlenstoff kehrt somit in Form von CO2 in die Erde zur\u00fcck, aus der er einst als Bestandteil fossiler Brennstoffe gewonnen wurde. \u00dcber den breiteren Einsatz dieser Technik, sogenanntes Carbon Capture and Storage (CCS), wird dieses Jahr bei der COP in Dubai verhandelt. Findet man hier zu einer guten L\u00f6sung, k\u00f6nnte Dubai doch noch Synonym f\u00fcr eine der wichtigsten Klimakonferenzen der letzten Jahre werden.<\/p>\n<p>Ohne die breitere Nutzung von CCS r\u00fccken die Klimaziele von Paris in weite Ferne. Das hat der Weltklimarat IPCC 2022 im 6. Sachstandsbericht erneut unmissverst\u00e4ndlich klargemacht.<\/p>\n<p>F\u00fcr unvermeidbare Restemissionen, etwa aus der Zementindustrie, ist der Einsatz von CCS ohnehin zwingend notwendig. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, reicht es aber nicht aus, Emissionen nur zu reduzieren \u2013 wir m\u00fcssen CO2 auch aus der Atmosph\u00e4re entfernen und speichern. Nat\u00fcrliche CO2-Senken, etwa Moore oder W\u00e4lder, werden daf\u00fcr allein nicht ausreichen &#8211; auch weil sie das CO2 meist viel zu schnell wieder freisetzen.<\/p>\n<p>CCS wird bereits seit vielen Jahren praktisch angewendet, insbesondere vom Vorreiter Norwegen. Aber auch L\u00e4nder wie die USA, Gro\u00dfbritannien und D\u00e4nemark wollen zunehmend auf diese Technologie setzen. Andere gro\u00dfe Emittenten wie Indien wollen ebenfalls nachziehen.<\/p>\n<p>Die G7 und G20 betonen, dass ein Ausstieg aus fossiler Energie ohne CCS unwahrscheinlich ist. Es ist daher wenig \u00fcberraschend, dass in Dubai die \u00f6l- und gasf\u00f6rdernden Staaten treibende Kr\u00e4fte hinter der CCS-Ausweitung sind, schlie\u00dflich stellen die Klimaziele ihre zentrale wirtschaftliche Grundlage infrage.<\/p>\n<p>Wer das jedoch, wie zahlreiche Umweltverb\u00e4nde, unn\u00f6tig skandalisiert, begreift nicht, dass genau darin auch eine gro\u00dfe Chance liegt: Ohne ein ernsthaftes Klimaschutz-Bekenntnis dieser Staaten werden die weltweiten Klimaziele nicht zu erreichen sein. CCS ist f\u00fcr die \u00d6l- und Gasriesen daher ein attraktiver und sinnvoller Weg, die Auswirkungen ihres Produkts auf das Weltklima glaubhaft zu begrenzen und zugleich weiterhin profitabel zu bleiben.<\/p>\n<p>Klar ist, dass die Klimaziele global nur erreicht werden k\u00f6nnen, wenn wir alle Staaten an Bord holen. Daf\u00fcr muss jeder Staat selber entscheiden k\u00f6nnen, wie er seine Klimaziele erreichen will. Auf oberlehrerhafte Belehrungen \u00fcber angeblich \u201eguten\u201c und \u201eschlechten\u201c Klimaschutz sollte daher im Sinne konstruktiver Klimadiplomatie verzichtet werden.<\/p>\n<p>In Deutschland dominierten lange Zeit die Stimmen von Umweltverb\u00e4nden die Debatte zum Einsatz von CCS. Die Technologie wurde als Nebelkerze der fossilen Lobby verschrien und in den Vorg\u00e4ngerregierungen wollte niemand das Klimaschutz-Potenzial von CCS anerkennen, obwohl das l\u00e4ngst wissenschaftlicher Konsens war.<\/p>\n<p>Erst in dieser Legislaturperiode ist der technologische Fortschrittsgeist in der Bundesregierung angekommen: Die langj\u00e4hrige Forderung der FDP nach einer Kehrtwende in der CCS-Politik wird durch eine umfassende Strategie erf\u00fcllt, die neben der CO2-Speicherung in Deutschland auch dem bislang verbotenen Transport von CO2 ins Ausland den Weg ebnen soll.<\/p>\n<p>Kohlekraftwerke sollen in Deutschland jedoch nicht weiterbetrieben werden, denn bei der Stromerzeugung setzen wir auf Alternativen, f\u00fcr die keine D\u00f6rfer mehr abgebaggert und gro\u00dfe Landstriche in unwirtliche Kraterlandschaften verwandelt werden m\u00fcssen. Andere L\u00e4nder sollen diese Entscheidungen jedoch f\u00fcr sich selbst treffen.<\/p>\n<p>Als Liberale sehen wir in CCS nicht nur eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr den Klimaschutz, sondern auch f\u00fcr die die Sicherung unserer industriellen Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Diese Chance m\u00fcssen wir auch dem Rest der Welt zugestehen.<\/p>\n<p>Um den Anreiz f\u00fcr den Einsatz von CCS und anderen Klimaschutz-Technologien zu verst\u00e4rken, muss sich Deutschland in Dubai au\u00dferdem f\u00fcr ein internationales Emissionshandelssystem mit einem einheitlichen CO2-Preis stark machen. Der von Bundeskanzler Olaf Scholz ins Leben gerufene Klimaclub bietet die ideale Plattform daf\u00fcr. Eine Klimakonferenz, die Fortschritte bei der CO2-Bepreisung und innovativen Technologien br\u00e4chte, h\u00e4tte nicht nur symbolischen Wert, sondern w\u00fcrde den internationalen Klimaschutz tats\u00e4chlich voranbringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian D\u00fcrr und der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Lukas K\u00f6hler schrieben f\u00fcr \u201eWELT\u201c (Dienstagsausgabe) und \u201eWelt.de\u201c den folgenden Gastbeitrag: Im Vorfeld machte die Konferenz vor allem aufgrund der Kritik [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4296,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[249],"tags":[90,1154,699],"class_list":["post-14134","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-umwelt","tag-christian-duerr","tag-dr-lukas-koehler","tag-klimapolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14134"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14138,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14134\/revisions\/14138"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4296"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}