{"id":15409,"date":"2024-05-21T15:15:30","date_gmt":"2024-05-21T13:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=15409"},"modified":"2024-05-21T15:15:30","modified_gmt":"2024-05-21T13:15:30","slug":"koehler-interview-der-acht-stunden-tag-ist-ein-fossiles-dogma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2024\/05\/21\/koehler-interview-der-acht-stunden-tag-ist-ein-fossiles-dogma\/","title":{"rendered":"K\u00d6HLER-Interview: Der Acht-Stunden-Tag ist ein fossiles Dogma"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Lukas K\u00f6hler gab dem \u201eRedaktionsnetzwerk Deutschland\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Daniela Vates.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Herr K\u00f6hler, die Koalition soll noch in diesem Sommer ein Wirtschaftspaket beschlie\u00dfen. Die FDP hat schon W\u00fcnsche ge\u00e4u\u00dfert, was es enthalten soll: zum Beispiel mehr B\u00fcrokratieabbau, die vollst\u00e4ndige Abschaffung des Soli und eine Reform der\u00a0Grundsicherung. Was k\u00f6nnen Sie sich noch vorstellen?<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Um die Produktivit\u00e4t zu steigern, m\u00fcssen wir die Menschen in ihrem Arbeitsalltag entlasten. Einer der gr\u00f6\u00dften Faktoren ist dabei die Flexibilit\u00e4t der Arbeitszeit. Der Acht-Stunden-Tag ist ein fossiles Dogma aus einer Zeit, in der die Sorge vor Ausbeutung massiv war. Aber die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Das Arbeitszeitgesetz kommt aus einer Welt, in der es kein Homeoffice gab. Kaum jemand h\u00e4lt dieses Acht-Stunden-Dogma in seinem Arbeitstag noch durch.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Es gibt durchaus Jobs, in denen die Arbeitszeiten sehr genau erfasst werden.<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Ja. Aber in vielen Jobs geht das an der Lebensrealit\u00e4t der Menschen vorbei. Da gibt es mal einen Tag, an dem mehr zu tun ist. Daf\u00fcr gibt es mal einen anderen Tag, an dem man fr\u00fcher aus der Arbeit will, weil man die Kinder abholen m\u00f6chte. Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, Experimentier\u00adr\u00e4ume zu schaffen. Das sollten wir tun. Das w\u00fcrde die Wirtschaftswende beschleunigen.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Was schwebt Ihnen konkret vor?<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Wir sollten die Tagesh\u00f6chst\u00adarbeitszeiten abschaffen und nur noch eine w\u00f6chentliche H\u00f6chstarbeitszeit festschreiben. Dazu m\u00fcssten wir das Arbeitszeitgesetz entsprechend modernisieren.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Gesetzlich festgeschrieben ist derzeit eine maximale Arbeitszeit von 48 Wochenstunden. Wollen Sie da auch ran?<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Dar\u00fcber kann man nachdenken. Wir werden sehen, was sich in der Koalition erreichen l\u00e4sst. Sinnvoll w\u00e4re es auch, \u00dcberstunden steuerfrei zu stellen. Aber jetzt sollten wir erst mal den ersten Schritt machen und uns von den starren Acht-Stunden-Arbeitstagen verabschieden.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Vorgeschrieben sind auch Pausen und eine Ruhephase von mindestens elf Stunden zwischen einem Arbeitseinsatz und dem n\u00e4chsten. Wie sieht das die FDP?<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Wir sollten da keine starren Vorschriften mehr machen. Pausen- und Ruhezeiten sind wichtig. Aber viele Menschen arbeiten schon jetzt die Mittagspause durch, um fr\u00fcher nach Hause gehen zu k\u00f6nnen. Und andere setzen sich am sp\u00e4teren Abend noch mal vor den Computer, und gehen daf\u00fcr nachmittags mit ihren Kindern auf den Spielplatz. Die haben dann nat\u00fcrlich keine elf Stunden mehr bis sie am n\u00e4chsten Tag wieder im B\u00fcro sitzen. Viele Menschen brechen also faktisch schon das Arbeitszeitgesetz, weil dadurch ihr Leben entspannter ist. Diese Flexibilit\u00e4t sollte nicht mehr illegal sein.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Und wie lie\u00dfe sich verhindern, dass die Leute nicht doch ausgebeutet werden \u2013 also: Mittagspausen durcharbeiten und l\u00e4nger bleiben?<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Die Gefahr sehe ich nicht. Es gibt so wenig Arbeitskr\u00e4fte, dass in vielen Branchen mittlerweile die Arbeit\u00adnehmer bestimmen k\u00f6nnen, wie sie ihre Arbeit organisieren m\u00f6chten. Und nat\u00fcrlich sollten die konkreten Modelle von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden. Aber der Gesetzgeber muss daf\u00fcr einen flexiblen Rahmen geben. Wir sollten da keine starren staatlichen Vorgaben machen. Wir k\u00f6nnen schrittweise vorgehen und zun\u00e4chst branchenspezifische L\u00f6sungen zulassen.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0F\u00fcr welche Branchen k\u00f6nnten Sie sich das vorstellen?<\/p>\n<p>K\u00f6hler:\u00a0Gut vorstellbar sind solche \u00d6ffnungen f\u00fcr Branchen, in denen wir starke Tarifvertr\u00e4ge haben, etwa im Chemie\u00adbereich, oder im Post- und Paketmarkt und in der Logistikbranche. Und sinnvoll w\u00e4re es auch sicher dort, wo Homeoffice zum Alltag geh\u00f6rt, also etwa in der IT\u2011Branche, in der Wissensarbeit und bei den freien Berufen. In einer zweiten Phase lie\u00dfe sich das dann f\u00fcr alle \u00f6ffnen. Ich gehe davon aus, dass mehr Menschen sich zum Arbeiten entschlie\u00dfen, wenn alles flexibler wird \u2013 weil das dann zum Beispiel besser mit der Familie zu vereinbaren ist.<\/p>\n<p>Frage: Es klingt, als ob eine genaue Arbeitszeiterfassung \u2013 auch die der \u00dcberstunden \u2013 dann zwingend w\u00e4re. Schreiben Sie das dann im Gegenzug auch ins Arbeitszeitgesetz?<\/p>\n<p>K\u00f6hler: Nat\u00fcrlich lassen sich kluge Regeln zur Arbeitszeiterfassung finden. Aber das sollten wir den Sozialpartnern \u00fcberlassen. Eine \u201eOne size fits all\u201c-L\u00f6sung gibt es da nicht.<\/p>\n<p>Frage:\u00a0Die SPD geht beim Thema Arbeitszeit in eine andere Richtung und fordert die Einf\u00fchrung der Vier-Tage-Woche.<\/p>\n<p>K\u00f6hler: Eine Vier-Tage-Woche w\u00e4re bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit sicherlich in vielen Unternehmen m\u00f6glich, wenn die t\u00e4gliche Acht-Stunden-Schranke f\u00e4llt. Wenn daf\u00fcr die Wochenarbeitszeit reduziert werden soll, ist das in Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels der falsche Ansatz.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Lukas K\u00f6hler gab dem \u201eRedaktionsnetzwerk Deutschland\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Daniela Vates. 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