{"id":15922,"date":"2025-07-05T15:44:31","date_gmt":"2025-07-05T13:44:31","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=15922"},"modified":"2025-07-05T15:44:31","modified_gmt":"2025-07-05T13:44:31","slug":"kubicki-kolumne-raus-aus-dem-panikmodus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2025\/07\/05\/kubicki-kolumne-raus-aus-dem-panikmodus\/","title":{"rendered":"KUBICKI-Kolumne: Raus aus dem Panikmodus!"},"content":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/innenpolitik\/hitzewelle-und-hysterie-raus-aus-dem-panikmodus\">Cicero Online\u00a0<\/a>folgende Kolumne:<\/p>\n<p>Es liegen wirklich sehr warme Tage hinter uns. Hitziger als die Temperaturen waren allerdings noch die Reaktionen auf das Wetter. Vor allem medial und politisch. Die Nachrichtensendungen waren im Ausnahmezustand. Die \u201eTagesschau\u201c widmete teilweise nicht nur die Topmeldung des Tages den hohen Temperaturen, sondern auch gut 50 % der Sendezeit. Es gab Sondersendungen auf RTL (\u201eGlutofen Deutschland\u201c) und im ZDF (\u201eBackofen Deutschland \u2013 Gluthitze in Europa\u201c). Auch die ARD steuerte \u2013 noch rechtzeitig, bevor in der Nacht zu Donnerstag der Regen das Land erreichte \u2013 einen \u201eBrennpunkt\u201c bei. Alle News-Portale von \u201eTagesschau\u201c bis \u201eBild\u201c hielten die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit Livetickern auf dem Laufenden. Dort konnten wir dann unter anderem erfahren, dass das Kanzleramt auf Gleitzeit und mobiles Arbeiten setzt oder dass am H\u00f6lderlin-Gymnasium in K\u00f6ln die Heizthermostate defekt sind, weswegen sich die Heizung nicht abschalten l\u00e4sst.<br \/>\nSo ging das zwei Tage lang \u2013 von morgens bis abends.<br \/>\nEin medialer Ausnahmezustand. Stimmen, die zu k\u00fchlem Kopf bei steigender W\u00e4rme raten, wurden \u2013 mal wieder &#8211; von einem Furor aus einfacher Moral und vermeintlicher Tugendhaftigkeit begleitet. Da wird dann sofort an die \u201e\u00e4lteren Menschen\u201c erinnert, die \u201eschutzlos\u201c der Glutwelle ausgesetzt seien. Diese Zurechtweisungen kamen dabei vor allem aus dem politischen Raum. Zum Beispiel von Karl Lauterbach, der via \u201eX\u201c verk\u00fcndet, was den \u201e\u00e4lteren Menschen\u201c droht: Schlaganfall, Demenz und Nierenversagen.<br \/>\nSp\u00e4testens an diesem Punkt wird einem klar, woran die Rezeption dieser Tage erinnert: Corona. Auch hier meinten nicht wenige, es g\u00e4be nur Schwarz-Wei\u00df. Auch in Corona-Zeiten wurden boulevardtaugliche Begriffe f\u00fcr die maximale Panik gefunden (\u201eKillervariante\u201c) und auch hier mussten oft die \u201e\u00e4lteren Menschen\u201c daf\u00fcr herhalten, Zweifler zu \u00fcberzeugen. Und wie bei Corona ist auch jetzt wieder die gro\u00dfe Zeit der Modellierer. Das h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass das Hier und Jetzt sich nicht bedingungslos der medial-politischen Hysterie anpassen mag.<br \/>\nSo machte vor ein paar Jahren eine Grafik die Runde, die den R\u00fcckgang der klimabedingt Verstorbenen in den letzten hundert Jahren zeigen sollte. Und die Kurve war steil abfallend. Das rief den \u201eFaktenfinder\u201c der \u201eTagesschau\u201c auf den Plan, der sich ebenfalls schon w\u00e4hrend der Corona-Pandemie in besonderer Weise hervorgetan hat. \u201eIrref\u00fchrende Grafik verharmlost Klimawandel\u201c hei\u00dft das in mancherlei Hinsicht lesenswerte St\u00fcck, das noch heute im Internet zu finden ist. Dort wird wortreich und unter Verwendung aller g\u00e4ngigen Buzzwords aus der Corona-Zeit erkl\u00e4rt, worin die Schw\u00e4chen dieser Darstellung liegen. Und manches davon ist nachvollziehbar. Entscheidend ist aber, dass die Tatsache, dass die Anzahl der klimabedingten Toten r\u00fcckl\u00e4ufig war, \u00fcberhaupt nicht in Abrede gestellt wird. Aber genau diesen Eindruck erweckt die \u00dcberschrift, die suggeriert: Eine Grafik mit r\u00fcckl\u00e4ufigen Zahlen kann nur \u201eirref\u00fchrend\u201c sein.<br \/>\nUnd da die Gegenwart nun mal die Warnungen, die auch im \u201eFaktenfinder\u201c zuhauf zu finden sind, nicht wirklich untermauert, muss der Verweis auf die Zukunft her. Dass in Zukunft die Opferzahlen steigen, sei in der Fachwelt \u201epraktisch unumstritten\u201c, zitiert man einen Vertreter von \u201eKlimafakten\u201c. Und um diese \u201equasi unumstrittene\u201c These zu untermauern, braucht es die Modelle oder einfach nur blanke Sch\u00e4tzungen, denn Glaskugeln f\u00fcr die Zukunft haben wir nicht. Und diese Prognosen sind \u2013 Sie ahnen es \u2013 allesamt d\u00fcster bis apokalyptisch.<br \/>\nBei so viel kollektivem Weltschmerz f\u00fchlen sich nat\u00fcrlich die Vertreter von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen berufen, mit gut gemeinten Vorschl\u00e4gen ihrer selbst gew\u00e4hlten Erl\u00f6serrolle von dem \u00dcbel der Welt gerecht zu werden. Herausgekommen ist ein Papier, das sich in Teilen wirklich zur Satire eignen w\u00fcrde. In dem am Dienstag ver\u00f6ffentlichten Plan der Bundestagsfraktion der Gr\u00fcnen sollen etwa alle Kommunen verpflichtet werden, \u201eHitzeaktionspl\u00e4ne\u201c aufzustellen. Selbst gr\u00fcne Kommunalpolitiker d\u00fcrften da aufatmen, dass die eigene Partei derzeit nicht an den Schalthebeln der Macht sitzt. Die Habeck\u2019sche W\u00e4rmeplanung l\u00e4uft schlie\u00dflich vielerorts noch, und die aus der Verfassung selbst kommende Garantie der kommunalen Selbstverwaltung bedeutet nicht, dass unsere Gemeinden nur noch mit dem Vollzug einer in Berlin beschlossenen Agenda besch\u00e4ftigt sind. Noch zwei oder drei solcher gr\u00fcner Ideen zu verpflichtenden Planungen in den Kommunen \u2013 und der gr\u00f6\u00dfte Idealist verliert irgendwann den Glauben an die Gestaltungschancen in seiner Gemeinde und wird sich kommunalpolitisches Engagement zuk\u00fcnftig viermal \u00fcberlegen.<br \/>\nAuch sollen laut dem Plan die Arbeitgeber verpflichtet werden, ab 26 Grad am Arbeitsplatz umfangreiche Hitzeschutzma\u00dfnahmen bereitzustellen. Leisten sie das nicht, sollen die Arbeitnehmer wiederum ein Recht auf Hitzefrei haben. Ein dramatischer Schritt, der viele Sonnenlicht gew\u00f6hnte Berufsgruppen, vom Stra\u00dfenarbeiter bis zum Landwirt, nur m\u00fcde l\u00e4cheln l\u00e4sst.<br \/>\n26 Grad war \u00fcbrigens genau die Temperatur, bei der unter Robert Habeck die Liegenschaften des Wirtschaftsministeriums zum Energiesparen nicht weiter runtergek\u00fchlt werden durften. Im Bundestag waren es mit Zustimmung der Gr\u00fcnen 27 Grad. Der Unterschied zwischen zumutbar und unzumutbar ist bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen keine Frage des tats\u00e4chlichen Wetters, sondern allein der politischen Wetterlage.<br \/>\nOb das nun Opportunismus oder Dilettantismus ist, ist mir im Prinzip egal. Denn gef\u00e4hrlich ist die Gemengelage aus Panikmaschinerie und Regulierungseifer allemal. Das hat uns Corona bewiesen, und vielleicht verweigern sich die Gr\u00fcnen deswegen so emsig einer umfassenderen Corona-Aufkl\u00e4rung, weil sie die Mechanismen der Angst zum Markenkern ihres Politikstils erhoben haben. Ein Tiefpunkt war im letzten Wahlkampf, als man mit frischen Flutbildern in einem Video mit apokalyptischer Stimmung auf Stimmenfang ging.<br \/>\nDabei k\u00f6nnten sich alle ein Beispiel an der Online-Redaktion des ARD-Brennpunktes nehmen. Ausgerechnet auf der Homepage des Sondersendungsformats ist das Hitze-Spezial n\u00e4mlich mit einem Kind bebildert, das mit fr\u00f6hlich ausgestrecktem Arm durch eine Brunnenanlage in M\u00fcnchen springt. Und so wird uns mit viel subversivem Geschick in Erinnerung gerufen, wie man Hitze im Sommer auch empfinden kann: nicht nur als tod- und verderbenbringende Gefahr, sondern \u2013 wie Christian D\u00fcrr es sagte \u2013 als sch\u00f6nes Wetter.<br \/>\nLassen wir den Panikmodus einfach hinter uns. \u00dcbrigens auch im Interesse der psychischen Gesundheit, insbesondere von jungen Menschen.<br \/>\nWenn zwei hei\u00dfe Tage reichen, um das halbe Land in kollektive Untergangsstimmung zu versetzen, gnade uns Gott bei den massig vor uns liegenden wirklichen Problemen, zu denen auch die Anpassung an sich ver\u00e4ndernde klimatische Gegebenheiten geh\u00f6rt.<br \/>\nUnd auch das muss in diesem Kontext noch gesagt werden: wer erz\u00e4hlt, mit nationalem Klimaschutz die Temperaturen in 50 Jahren in Deutschland beeinflussen zu k\u00f6nnen, l\u00fcgt oder hat keine Ahnung. Klimaschutz kann nur multilateral funktionieren. Die Erz\u00e4hlung vom guten Deutschland, das \u201emit gutem Beispiel vorangeht\u201c und die anderen werden schon folgen, ist extrem kindisch. Auch steckt dahinter ein eher doch befremdlicher deutscher Heldenmythos. Jedenfalls bringt es nichts, unsere Volkswirtschaft als Opfer darzubringen, um andere zum besseren Klimaschutz anzuhalten. Zumal es nicht wenige L\u00e4nder gibt, die auch ohne Klimawandel schon Temperaturen in der Gr\u00f6\u00dfenordnung der letzten Woche hatten. Und die Z\u00fcge fuhren dort trotzdem, die Menschen konnten zur Arbeit, und die Kinder wurden ordentlich beschult. In mindestens 150 L\u00e4ndern dieser Erde ist die durchschnittliche Temperatur h\u00f6her als in Deutschland. Es ist also \u201ehei\u00dfer\u201c.<br \/>\nArbeiten wir doch gemeinsam an einem Land, das auch bei 30 Grad plus schlicht noch funktioniert und denken beim n\u00e4chsten hei\u00dfen Tag lieber an fr\u00f6hlich am Brunnen spielende Kinder, als an Backofen und Gluthitze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne: Es liegen wirklich sehr warme Tage hinter uns. Hitziger als die Temperaturen waren allerdings noch die Reaktionen auf das Wetter. 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