{"id":15974,"date":"2025-10-26T18:23:56","date_gmt":"2025-10-26T17:23:56","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=15974"},"modified":"2025-10-26T18:23:56","modified_gmt":"2025-10-26T17:23:56","slug":"kubicki-kolumne-ein-lehrstueck-ueber-heuchelei-und-doppelmoral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2025\/10\/26\/kubicki-kolumne-ein-lehrstueck-ueber-heuchelei-und-doppelmoral\/","title":{"rendered":"KUBICKI-Kolumne: Ein Lehrst\u00fcck \u00fcber Heuchelei und Doppelmoral"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne:<\/p>\n<p>Es steht f\u00fcr mich \u2013 und f\u00fcr jeden, der Friedrich Merz kennt \u2013 v\u00f6llig au\u00dfer Frage, dass er selbstverst\u00e4ndlich kein Rassist ist. Dieser Vorwurf ist b\u00f6sartig und, gerade wenn er von politischen Profis erhoben wird, nur mit Niedertracht zu erkl\u00e4ren. Aber zu Lars Klingbeil kommen wir sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Der eigentliche Vorwurf, den man Friedrich Merz machen muss, ist nicht, dass er auf einer Pressekonferenz eine etwas unscharfe Formulierung gew\u00e4hlt hat. Das Problem liegt darin, dass er, nachdem ihm eine unlautere Intention unterstellt wurde, seine Aussage nicht in den richtigen Kontext gestellt hat. So erreichte die \u00d6ffentlichkeit nicht seine tats\u00e4chliche Botschaft zur Migration, sondern die bereits entsprechend geframte, b\u00f6swillige Interpretation. Wenn in der Bev\u00f6lkerung der Eindruck entsteht, der Kanzler st\u00f6re sich an bestimmten Hautfarben im Stadtbild, darf das einen deutschen Regierungschef nicht kaltlassen. Schon gar nicht sollte er trotzig reagieren und auf Nachfragen von Journalisten eine Klarstellung verweigern. Dass er die Debatte am Mittwochabend ausgerechnet aus London einfangen musste, unterstreicht ein gewisses politisches Unverm\u00f6gen \u2013 bemerkenswert f\u00fcr einen Mann, der seit 1989 jeden deutschen Kanzler als aktiver Politiker begleitet hat.<\/p>\n<p>Als schlie\u00dflich eine Klarstellung erfolgte, war die Diskussion bereits so weit entgleist, dass die blo\u00dfe Rekapitulation fast wie politische Satire wirkte. Da ist zum Beispiel Luisa Neubauer, deren Markenzeichen eine nahezu grenzenlose Flexibilit\u00e4t im politischen Aktivismus ist. Mit ihrem untr\u00fcglichen Gesp\u00fcr f\u00fcr populistische Inszenierung rief sie zur Demonstration vor dem Konrad-Adenauer-Haus auf. Merz hatte zuvor darauf verwiesen, man k\u00f6nne \u201edie T\u00f6chter\u201c fragen, was er mit seiner Stadtbild-Aussage gemeint habe. Neubauer d\u00fcrfte sofort erkannt haben, dass sie sich nun zur Sprecherin aller deutschen T\u00f6chter aufschwingen kann \u2013 denn Sprecherin der \u201ejungen Generation\u201c kann man schlie\u00dflich nicht ewig bleiben. Vermutlich hatte sie sich eine gr\u00f6\u00dfere Resonanz erhofft, doch Emp\u00f6rung l\u00e4sst sich nun einmal schwer verordnen.<\/p>\n<p>Das musste auch Katrin G\u00f6ring-Eckardt erfahren. Sie wollte etwas Positives zur Migration im Stadtbild beitragen \u2013 und fiel dabei unsanft auf die Nase. Auf X postete sie ein Bild eines vegetarischen D\u00f6ners mit wei\u00dfer So\u00dfe und schrieb: \u201eIch hatte heute Stadtbild. T\u00f6chter waren keine.\u201c Viele empfanden das als herablassend, manche sogar als rassistisch. \u00dcberheblich und dumm war es allemal. Doch anders als Merz versuchte G\u00f6ring-Eckardt, ihre Aussage zu erkl\u00e4ren \u2013 und redete sich am n\u00e4chsten Tag um Kopf und Kragen: Ohne die D\u00f6nerl\u00e4den g\u00e4be es \u201ein der ostdeutschen Provinz\u201c kaum Treffpunkte. Die Betreiber seien oft \u201edie einzige Anlaufstelle weit und breit\u201c. Das dahinterstehende Weltbild l\u00e4sst sich leicht zusammenfassen: W\u00e4ren die T\u00fcrken nicht so gute D\u00f6nerverk\u00e4ufer, st\u00fcnde der Osten schlecht da. Einmal D\u00f6ner mit allem, bitte \u2013 f\u00fcr den sozialen Frieden in Ostdeutschland.<\/p>\n<p>Dann kam da noch Lars Klingbeil. Auf einer Veranstaltung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie \u00e4u\u00dferte er sich ebenfalls zum Thema Stadtbild: Politiker h\u00e4tten die Verantwortung, nicht zu spalten, sagte er, und er wolle nicht in einem Land leben, in dem das Aussehen dar\u00fcber entscheide, ob man dazugeh\u00f6re oder nicht. Der entsprechende Videoschnipsel wurde sogar \u00fcber die Kan\u00e4le des Bundesfinanzministeriums verbreitet. Eine bemerkenswerte Eskalation: Der Vizekanzler wirft dem Bundeskanzler damit implizit nicht nur gesellschaftliche Spaltung, sondern auch Rassismus vor. Sp\u00e4testens an diesem Punkt, an dem die Debatte zur Regierungsfarce verkommen war, stellte sich die Frage: Worum ging es hier eigentlich noch einmal?<\/p>\n<p>Lars Klingbeil scheint nicht begriffen zu haben, dass in Deutschland das Aussehen schon l\u00e4ngst dar\u00fcber entscheidet, ob man ins Stadtbild passt \u2013 etwa wenn Mitb\u00fcrger j\u00fcdischen Glaubens mit Kippa durch bestimmte Stadtteile gehen oder homosexuelle Paare H\u00e4ndchen haltend unterwegs sind. Vielleicht sollte Katrin G\u00f6ring-Eckardt ihren D\u00f6ner in Th\u00fcringen einmal gegen Falafel in der Gro\u00dfstadt tauschen: In Neuk\u00f6lln reicht das Wort \u201eFalafel\u201c auf Hebr\u00e4isch auf einem T-Shirt bereits f\u00fcr einen Rauswurf in einem linken Caf\u00e9. Und die selbsternannte Sprecherin der deutschen T\u00f6chter Neubauer sollte sich fragen, wie es sein kann, dass wir 2024 \u00fcber 127.000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichneten \u2013 2015 waren es noch 46.000. Laut einer Auswertung aus Nordrhein-Westfalen sind Asylbewerber bei diesen Taten deutlich \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Und was sagen jene, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Merz gef\u00e4hrdet sehen, zu den Menschen, die \u201eFuck you Germany\u201c skandieren und auf unseren Stra\u00dfen f\u00fcr das Kalifat demonstrieren?<\/p>\n<p>Wir schreiben das Jahr 2025. In Justiz, Wirtschaft, Politik und Medien gibt es zahlreiche erfolgreiche Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund \u2013 daf\u00fcr muss man nicht in die th\u00fcringische Provinz fahren. K\u00fcrzlich traf ich einen Taxifahrer, geboren in der T\u00fcrkei. Er erkannte mich, bedankte sich f\u00fcr meine politische Arbeit und sagte unverbl\u00fcmt mit Blick auf die Fehlentwicklungen in der Migration: \u201eHerr Kubicki, halten Sie uns diese Leute vom Leib!\u201c So denken viele Deutsche \u2013 unabh\u00e4ngig von Hautfarbe oder Herkunft. Das ist keine Frage des Rassismus, sondern eine der Verteidigung einer freien und lebenswerten Gesellschaft. Ich will ein Stadtbild, in dem sich alle wohlf\u00fchlen \u2013 egal, wo sie herkommen, was sie f\u00fchlen und wen sie lieben. Und es ist nicht vermessen zu unterstellen, dass der Imbissbetreiber von Katrin G\u00f6ring-Eckart das auch will.<\/p>\n<p>Abschiebungen sind dabei nat\u00fcrlich eine zu einfache Antwort, um dieses Ziel zu erreichen. Neben denen, die kein Bleiberecht haben und das Land verlassen m\u00fcssen, m\u00fcssen wir den Blick auf jene richten, die hier sind. Ich sage es deutlich: Parallelgesellschaften und Ghettoisierungen m\u00fcssen mit aller staatlichen H\u00e4rte aufgebrochen werden \u2013 etwa durch Wohnsitzauflagen, wo bestimmte Quartiere zu kippen drohen. Meine Fraktion hatte schon 2023, also lange vor ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag ein Papier unter der Federf\u00fchrung von Konstantin Kuhle erarbeitet, das genau dies forderte. Es \u00e4rgert mich, dass wir diese Debatte in Deutschland bis heute nicht entschiedener f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ebenso m\u00fcssen wir uns dagegen wehren, wenn islamistische Symbole \u2013 die f\u00fcr das Gegenteil von Freiheit und Selbstbestimmung stehen \u2013 den \u00f6ffentlichen Raum pr\u00e4gen. Die Vollverschleierung ist ein solches Symbol, und wir t\u00e4ten gut daran, sie im \u00f6ffentlichen Raum nicht l\u00e4nger zu dulden \u2013 so wie es etwa Frankreich, Belgien, D\u00e4nemark, Italien oder \u00d6sterreich handhaben.<\/p>\n<p>Das sind die Debatten, die wir f\u00fchren m\u00fcssten \u2013 und die f\u00fcr Linke und Gr\u00fcne besonders schmerzhaft sind, weil sie einige Lebensl\u00fcgen ber\u00fchren, auf denen ihre politische Identit\u00e4t fu\u00dft. Deswegen zwingen sie uns seit Tagen eine v\u00f6llig abstruse Meta-Debatte auf. Es ist ein Lehrst\u00fcck \u00fcber Heuchelei und Doppelmoral. Das sollten wir uns nicht l\u00e4nger gefallen lassen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne: Es steht f\u00fcr mich \u2013 und f\u00fcr jeden, der Friedrich Merz kennt \u2013 v\u00f6llig au\u00dfer Frage, dass er selbstverst\u00e4ndlich kein Rassist [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2486,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[173],"tags":[66],"class_list":["post-15974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-podcast","tag-wolfgang-kubicki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15974"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15975,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15974\/revisions\/15975"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}