{"id":15999,"date":"2026-01-10T13:31:46","date_gmt":"2026-01-10T12:31:46","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=15999"},"modified":"2026-01-10T13:31:46","modified_gmt":"2026-01-10T12:31:46","slug":"kubicki-kolumne-tennis-terror-und-taktische-militanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2026\/01\/10\/kubicki-kolumne-tennis-terror-und-taktische-militanz\/","title":{"rendered":"KUBICKI-Kolumne: Tennis, Terror und taktische Militanz"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne:<\/p>\n<p>Am Samstag um 13 Uhr war Kai Wegner mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Tennis spielen \u2013\u00a0Stunden, nachdem Linksterroristen einen gro\u00dfen Teil seiner Stadt von der Stromversorgung abgeschnitten hatten. Ein Anschlag, der mehr war als eine Unannehmlichkeit f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Berlins. Ein Anschlag, der Menschenleben riskierte und wahrscheinlich auch gekostet hat.<\/p>\n<p>Die enorme Gefahrenlage war jedem durchschnittlich intelligenten Menschen mit Zugriff auf einen Wetterbericht unmittelbar klar. Kai Wegner war aber Tennis spielen. \u201eKopf frei kriegen\u201c, f\u00fcgte er im Interview mit Jan Philipp Burgard entschuldigend an. Und dass das Handy ja laut gewesen sei. Er sei also erreichbar gewesen. Wer sich bis hierhin fragte, warum Berlin so z\u00f6gerlich die Gro\u00dfschadenslage ausrief, warum die Stadt sich in einem kommunikativen Vakuum befand, stellte sich danach keinerlei Fragen mehr.<\/p>\n<p>Schwerer wiegt die Dreistigkeit, mit der Kai Wegner die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber seinen Einsatz in der Krise belog. Nat\u00fcrlich habe er nicht \u201edie F\u00fc\u00dfe hochgelegt\u201c, lie\u00df er in schlecht gespielter Emp\u00f6rung die \u00d6ffentlichkeit wissen. Quasi eingeschlossen habe er sich und sei nur am Telefonieren gewesen.<\/p>\n<p>Wenn man die Chuzpe sieht, mit der der CDU-Chef Berlins Journalisten angelogen hat, wundert man sich auch nicht mehr \u00fcber die Forderungen seines schleswig-holsteinischen Parteifreundes Daniel G\u00fcnther, der in verst\u00f6render Selbstverst\u00e4ndlichkeit seine wahnwitzigen und autorit\u00e4ren Gedanken zur Kontrolle von Medien in der ZDF-Sendung Markus Lanz ausbreitete. Zur Rettung Kai Wegners kommt das freilich zu sp\u00e4t \u2013 aber die n\u00e4chste Krise steht bestimmt schon vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p>Dabei ist die Tatsache, dass Kai Wegner sich nach einem linksextremen Terroranschlag auf den Tennisplatz verdr\u00fcckt, geradezu sinnbildlich f\u00fcr den Umgang mit der realen Gefahr von links. \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Gefahr kommt von rechts\u201c, so haben sich viele Politiker nun einmal festgelegt. Als eine Recherche mangelhafter Qualit\u00e4t von einem rechtsextremen Geheimtreffen in Potsdam schrieb, stellten sich die Spitzen des Staates mit Betroffenheitsmiene in die erste Reihe von landesweit organisierten Massendemonstrationen. Wenn Linksextreme einen Anschlag auf Berlins Stromnetz ver\u00fcben, geht es erst einmal zum Tennisspielen. So ist die politische Lage.<\/p>\n<p>Nun kann man lange dar\u00fcber streiten, von wo die gr\u00f6\u00dfte Gefahr ausgeht: von rechts, von links, vom Islamismus. Am Ende spielen solche Festlegungen keine Rolle. Auch der Rechtsextremismus wurde in Deutschland lange heruntergespielt, man denke nur an die lange als \u201eD\u00f6ner-Morde\u201c abgetanen rechtsextremen Morde des NSU. Und der islamistische Terrorismus bekommt bis heute nicht die n\u00f6tige Aufmerksamkeit. Aber was gef\u00e4hrlich ist und was nicht, l\u00e4sst sich nicht politisch bestimmen. Deswegen sind glaubensbekenntnisartig heruntergebetete Warnungen \u201evor rechts\u201c ebenso plump wie nutzlos. Nicht von rechts oder links geht die Gefahr aus, sondern von der Bereitschaft, die Grundlagen unseres Staates und seiner freiheitlich-demokratischen Verfassung gewaltsam zu bek\u00e4mpfen. Da gibt es kein Recht im Unrecht. Wer diesen demokratischen Minimalkonsens nicht ertr\u00e4gt oder mittr\u00e4gt, ist kein Demokrat.<\/p>\n<p>Und das f\u00fchrt uns weg von der dilettantischen Performance eines Kai Wegner hin zu Jan van Aken und den Linken. Dieser f\u00fchrte einmal aus, dass linke Straftaten ja dem Gemeinwohl dienten und man da schon einen Unterschied machen m\u00fcsse. \u201eTaktische Militanz\u201c nennt man das wohl in den theoretisch stets sehr gut geschulten linken Kreisen.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde die \u201eVulkangruppe\u201c sicherlich unterschreiben. Man sieht sich ja im Interesse des Gemeinwohls handeln \u2013 vielmehr noch im Interesse des \u00dcberlebens der Menschheit. Das Bekennerschreiben besteht jedenfalls aus jenen wirren Versatzst\u00fccken von Klimaextremismus und Antikapitalismus, die wir von Linken \u2013 aber auch von linken Gr\u00fcnen \u2013 nur zu gut kennen. Der Zweck heiligt die Mittel: Das glauben viele Linke, mit deutlicher F\u00fcrsprache ihres Bundesvorsitzenden. Da nutzt es auch wenig, dass er gemeinsam mit seiner Co-Vorsitzenden den Brandanschlag verurteilt hat. \u201eDie Geister, die ich rief \u2026\u201c, mag sich der st\u00e4ndig verbal eskalierende van Aken \u00f6fter denken. Denn distanzieren mussten sich die beiden Linken-Vorsitzenden auch von den \u00dcbergriffen auf den brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten Andreas B\u00fcttner. Auf dessen Haus fand j\u00fcngst ein Brandanschlag statt, unter dem Zeichen des roten Dreiecks, mit dem linksextreme Hamas-Anh\u00e4nger ihre Feinde markieren.<\/p>\n<p>Um das Bild dieser Partei noch rund zu machen, sei auch die Pro-Maduro-Demonstration in Berlin erw\u00e4hnt, zu der die Linke aufrief. Eine Partei, die im Deutschen Bundestag sitzt, demonstriert f\u00fcr einen skrupellosen und brutalen Diktator. Die Linke, die ja manchmal vor jugendlicher Kraft kaum laufen kann, speist sich in Teilen aus dem antidemokratischen Morast, in dem Diktatoren verteidigt, Terror verharmlost und Menschen bedroht werden. Sie macht sich zum parlamentarischen Arm dieser Menschen, indem sie sich nicht glaubhaft von Gewalt zu distanzieren vermag.<\/p>\n<p>Jan van Aken hat ganz ma\u00dfgeblich zu dieser Radikalisierung beigetragen. Die Linke war, als sie noch PDS hie\u00df, die Partei des ostdeutschen (Klein-)B\u00fcrgertums. Die umbenannte SED hat im wiedervereinigten Deutschland trotz ihrer schweren historischen Schuld, der ungekl\u00e4rten Fragen zu verschwundenen Milliarden, stalinistischer Str\u00f6mungen und der st\u00e4ndigen Bagatellisierung der DDR-Diktatur gewisse Grenzen eingehalten. Inzwischen ist eine radikale Enthemmung in Umgang, Form und politischem Anstand eingetreten. Die Linke ist eine gef\u00e4hrliche Partei, und ich halte sie gewiss nicht f\u00fcr eine staatstragende Kraft. Heute, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, muss ich sagen: Das Problem der Linken ist weniger ihre SED-Vergangenheit als ihre Gegenwart.<\/p>\n<p>In der Dauerbesch\u00e4ftigung mit der AfD bleibt freilich kaum Platz, auch einmal ein Auge auf diese Partei zu werfen. Dabei gibt es beachtliche Parallelen: etwa in der selektiven Verehrung von Despoten, in der sprachlichen Enthemmung und in den verzweifelten Versuchen der Parteispitzen, sich von besonders radikalen Mitgliedern zu distanzieren. Dass diese Beobachtungen in der \u00d6ffentlichkeit kaum diskutiert werden, d\u00fcrfte mit einer weit verbreiteten Sympathie oder Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber linken Antidemokraten in zu vielen Redaktionsstuben zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Nur ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, der Anschlag auf das Stromnetz w\u00e4re von rechtsextremen T\u00e4tern begangen worden. Glauben Sie, Kai Wegner h\u00e4tte es politisch \u00fcberlebt, wenn er sich kurz nach dem Anschlag zum Tennisspielen mit seiner Freundin und Senatskollegin getroffen h\u00e4tte? Und wie h\u00e4tte die Berichterstattung ausgesehen? Wir h\u00e4tten wohl den einen oder anderen Brennpunkt erlebt, in dem man vor allem auch der AfD und ihrem Verh\u00e4ltnis zu Extremisten auf den Zahn gef\u00fchlt h\u00e4tte. Und wo sind eigentlich die \u201eDemos gegen links\u201c?<\/p>\n<p>\u201eLinks sein ist doch kein Verbrechen\u201c, werden jetzt manche wutschnaubend denken. Stimmt. Rechts sein aber auch nicht. Als jemand aus der politischen Mitte kann ich beide Seiten aufkl\u00e4ren: Die Grenze verl\u00e4uft an den R\u00e4ndern an exakt derselben Stelle \u2013 dort, wo unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen wird. Sie ist in Berlin angegriffen worden. Von Linksextremisten. Das d\u00fcrfen wir bei aller Emp\u00f6rung \u00fcber Kai Wegner nicht vergessen. Sein R\u00fccktritt bleibt gleichwohl unausweichlich, wenn in Deutschland jemals wieder ein Mindestma\u00df an politischer Verantwortlichkeit und Anstand gelten soll.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne: Am Samstag um 13 Uhr war Kai Wegner mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Tennis spielen \u2013\u00a0Stunden, nachdem Linksterroristen einen gro\u00dfen Teil seiner Stadt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2486,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1979],"tags":[103,4181,66],"class_list":["post-15999","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-energie","tag-berlin","tag-stromausfall","tag-wolfgang-kubicki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15999"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15999\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16000,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15999\/revisions\/16000"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15999"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}