{"id":16054,"date":"2026-03-01T19:13:30","date_gmt":"2026-03-01T18:13:30","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=16054"},"modified":"2026-03-01T19:13:30","modified_gmt":"2026-03-01T18:13:30","slug":"kubicki-kolumne-von-sozialarbeitern-und-politologen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2026\/03\/01\/kubicki-kolumne-von-sozialarbeitern-und-politologen\/","title":{"rendered":"KUBICKI-Kolumne: Von Sozialarbeitern und Politologen"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne:<\/p>\n<p>Der Journalismus ist in einer tiefen Krise.\u00a0Das merkt man nicht nur beim ZDF, sondern auch in den Lokalredaktionen dieses Landes, die mit einem erheblichen Auflagenschwund zu k\u00e4mpfen haben. Ich halte den Lokaljournalismus f\u00fcr wichtig, weil ich ein vehementer Verfechter des F\u00f6deralismus, der kommunalen Selbstverwaltung und des Subsidiarit\u00e4tsprinzips bin. All das funktioniert nur, wenn auf den jeweiligen Ebenen unseres staatlichen Gef\u00fcges intakte und kritische Medien den Entscheidern auf die Finger schauen. Wie gut das bei Ihnen vor Ort noch funktioniert, m\u00fcssen Sie als aufgekl\u00e4rte und selbstbestimmte Leserinnen und Leser von\u00a0<em>Cicero\u00a0<\/em>selbst entscheiden.<\/p>\n<p>Ich kann dazu nur eine Beobachtung beisteuern, die sich in den letzten Jahren immer weiter verfestigt hat. Es hat sich n\u00e4mlich deutschlandweit ein Typ des Lokaljournalisten herausgebildet, der mit Vorliebe zu meinen Veranstaltungen pilgert, um mit meinem Namen und meiner nicht mehr abzugew\u00f6hnenden Neigung zu deutlicher und ungefilterter Sprache \u201eClickbait\u201c oder zumindest Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das Rezept ist ziemlich einfach: Man nehme eine besonders pointierte, zugespitzte oder meinetwegen polemische Aussage, setze sie in die \u00dcberschrift und kaschiere oder verheimliche den Sachzusammenhang \u2013 oder setze ihn hinter die Paywall. Dieses Ph\u00e4nomen hat sich geradezu eingeb\u00fcrgert. Und manchmal schaffen es diese Schlagzeilen auch zu bundesweiter Beachtung.<\/p>\n<p>In Hildesheim bin ich auf diese Weise einmal in eine juristische Auseinandersetzung mit dem t\u00fcrkischen Staatspr\u00e4sidenten geraten, wof\u00fcr ich au\u00dferordentlich dankbar bin. Denn so konnte ich nicht nur ihm, sondern auch der deutschen \u00d6ffentlichkeit in Erinnerung rufen, dass Meinungsfreiheit in Deutschland ein so hohes Gut ist, dass sie polemische \u00dcberspitzung nicht nur erlaubt, sondern im politischen Wettbewerb eines freien Landes selbstverst\u00e4ndlich als normal ansieht, sofern sie in einem gewissen Sachzusammenhang steht.<\/p>\n<p>In der Kategorie des aufmerksamkeitsheischenden Ausschlachtens meiner Auftritte hat die Erlanger Lokalredaktion der\u00a0<em>N\u00fcrnberger Nachrichten\u00a0<\/em>j\u00fcngst ein neues Beispiel geliefert: Wie machen wir den Staat wieder leistungsf\u00e4hig? Wie bekommen wir unser Haushaltsproblem in den Griff? Wie treten wir dem \u00fcbergriffigen Staat in seinen Versuchen entgegen, die Meinungsfreiheit zu beschr\u00e4nken? Zu all diesen Fragen habe ich an dem Abend pointierte, \u201eungefilterte\u201c und deutliche Thesen vorgetragen. Es war nun einmal Aschermittwoch; da wird politisch nicht leisegetreten \u2013 schon gar nicht, wenn Sie zu einer meiner Veranstaltungen kommen.<\/p>\n<p>Aber mit meinen Inhalten hat sich der Redakteur der\u00a0<em>N\u00fcrnberger Nachrichten<\/em>\u00a0nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig aufgehalten. Er ver\u00f6ffentlichte einen beachtlichen Bericht, der sich vornehmlich in Sprachkritik ersch\u00f6pfte. Die \u201eGrenze zur generellen Abrechnung mit dem Berliner Politikbetrieb\u201c sei \u201enicht immer deutlich zu erkennen\u201c gewesen. Das ist schon ein sehr merkw\u00fcrdiger Ansatz.<\/p>\n<p>Dann folgen die Beispiele, die den Journalisten offenbar so ersch\u00fctterten, dass er nicht einmal mehr zur korrekten Zitierung imstande war: \u201eOb Robert Habeck ein \u201aSchwachkopf\u2018 sei? Da falle es schwer, zwischen Meinung und Zustandsbeschreibung zu unterscheiden\u201c, hie\u00df es dort etwa. Wobei ich sicher sagen kann, dass ich nicht \u201eZustandsbeschreibung\u201c gesagt habe, sondern auf den Unterschied zwischen Meinungs\u00e4u\u00dferung und Tatsachenbehauptung abgestellt habe \u2013 zugegebenerma\u00dfen ein juristischer Feinschmeckerscherz, der aber den Umfang der Meinungsfreiheit auf den Punkt bringen soll.<\/p>\n<p>Dass ich Jan van Aken am politischen Aschermittwoch als \u201eDreckschleuder\u201c bezeichnet habe, ist hingegen zutreffend. Unterschlagen wird jedoch, dass ich den Linken-Vorsitzenden noch verteidigt habe, weil ich mir nicht sicher bin, wer schlimmer ist: Jan van Aken oder Andreas Audretsch von den Gr\u00fcnen.\u00a0Meine Haltung zu Herrn van Aken habe ich hier an dieser Stelle ja bereits dargelegt; f\u00fcr Herrn Audretsch lohnt sich bei Gelegenheit eine eigene Kolumne.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch die Aussage, die es in die \u00dcberschrift geschafft hat: \u201eKubicki teilt in Erlangen aus: Sozialarbeiter \u201aalles \u00fcberfl\u00fcssige Menschen in diesem Land\u2018\u201c. Der Screenshot dieser \u00dcberschrift hat eine ordentliche Karriere in den sozialen Medien gemacht. Die Emp\u00f6rung ist schon darin angelegt. Die Emp\u00f6rten kannten freilich weder den Text der\u00a0<em>N\u00fcrnberger Nachrichten<\/em>\u00a0noch die Veranstaltung in Erlangen.<\/p>\n<p>Und das ist zun\u00e4chst ein Fehler von mir, denn die Sozialarbeiter sind hier in eine Aufz\u00e4hlung geraten, in die sie nicht hineingeh\u00f6ren. Ich habe damit begonnen, daran zu erinnern, dass der \u00f6ffentliche Dienst nichts zur Wertsch\u00f6pfung in diesem Land beitr\u00e4gt. Und dass wir dar\u00fcber nachdenken m\u00fcssen, welche Berufsentscheidungen junger Menschen wir f\u00f6rdern und unterst\u00fctzen sollen. Hierzu habe ich eine klare Meinung: Sozialwissenschaftler und Politologen, die am Schreibtisch Probleme w\u00e4lzen und nichts zu deren L\u00f6sung beitragen, geh\u00f6ren nicht dazu. Wir brauchen in unserem Land mehr Probleml\u00f6ser und weniger Problembeschreiber. Vor allem brauchen wir mehr Begeisterung f\u00fcr Naturwissenschaften und IT-Berufe.<\/p>\n<p>Bei den Politologen erheitert es mich mit hoher Regelm\u00e4\u00dfigkeit, wenn sie mit vielen Worten beschreiben, aus welchen N\u00f6ten und Zw\u00e4ngen der Gesetzgeber zu dieser oder jener Handlung veranlasst gewesen sei. Ich war 35 Jahre Teil der Gesetzgebung und kann sagen: Ich bin immer wieder einigerma\u00dfen \u00fcberrascht davon, was da im Mantel einer vermeintlich wissenschaftlichen Analyse herbeifantasiert wird. Die Sozialwissenschaftler sind zudem oft diejenigen, die ihr Tagwerk damit bestreiten, zu beschreiben, welche Entscheidungen die B\u00fcrger nicht mehr selbst treffen k\u00f6nnten, wo sie Anleitung sowie die f\u00fcrsorgende und strenge Hand des Staates ben\u00f6tigten. Sie leben davon, dass es insoweit immer neue Gruppen gibt, die die Betreuung des Staates brauchen. In der aktuellen Diskussion sind es die Jugendlichen und ihre Eltern im Umgang mit Social Media.<\/p>\n<p>Die Sozialarbeiter hingegen geh\u00f6ren in die Gruppe der Probleml\u00f6ser, nicht der Problembeschreiber. Sie baden die Probleme aus, die die Politik der Gesellschaft vor die F\u00fc\u00dfe wirft \u2013 und die sind heftig. Ich nenne nur das Stichwort Pandemiebek\u00e4mpfung, die zu massiven sozialen Verheerungen in der Gesellschaft gef\u00fchrt hat, weil die Politik sich dazu entschieden hat, den Kampf gegen das Virus auf dem R\u00fccken der Kinder auszutragen, obwohl diese am wenigsten von ihm bedroht waren.<\/p>\n<p>Und es sind selbstverst\u00e4ndlich auch die Probleme einer Migrationspolitik, die sich schlicht nicht um die Grenzen der Aufnahmef\u00e4higkeit gek\u00fcmmert und die sozialen und gesellschaftlichen Brennpunkte in Deutschland versch\u00e4rft oder \u00fcberhaupt erst geschaffen hat. Es ist nicht ohne Grund der Berliner Pastor und Sozialarbeiter\u00a0Bernd Siggelkow \u2013 Gr\u00fcnder der Arche \u2013, der diese Probleme am fundiertesten und eindringlichsten beschreibt, weil er wei\u00df, was es bedeutet, sie im Alltag zu bek\u00e4mpfen. Davor kann man nur den Hut ziehen. Und ganz allgemein gilt: ein Hoch auf die Probleml\u00f6ser in unserer Gesellschaft \u2013 egal ob im Handwerk, in den Naturwissenschaften oder in den sozialen Berufen.<\/p>\n<p>Ich bin immer noch der Meinung, dass der Kontext der Veranstaltung einigerma\u00dfen eindeutig war, wovon man sich auch auf dem YouTube-Kanal der FDP-Erlangen \u00fcberzeugen kann, die die gesamte Veranstaltung dort eingestellt hat. Aber sei es drum. Denn offensichtlich gehen mir die gro\u00dfen telepathischen F\u00e4higkeiten eines Journalisten ab, der in seinem Bericht schrieb, \u201enicht wenige empfanden hier einen inneren Widerspruch\u201c mir gegen\u00fcber. Das muss im Applaus der Veranstaltung untergegangen sein. Mea culpa.<\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter erschien im Lokalteil der\u00a0<em>N\u00fcrnberger Nachrichten<\/em>\u00a0noch ein Kommentar, in dem mein Aschermittwochsauftritt zur \u201everbalen Entgleisung\u201c erkl\u00e4rt wurde. Vielleicht ist das Problem die Zuspitzung selbst \u2013 sogar an einem Aschermittwoch? Der Kommentator ist \u00fcbrigens Politologe.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb f\u00fcr\u00a0Cicero Online\u00a0folgende Kolumne: Der Journalismus ist in einer tiefen Krise.\u00a0Das merkt man nicht nur beim ZDF, sondern auch in den Lokalredaktionen dieses Landes, die [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2486,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[173,6],"tags":[66],"class_list":["post-16054","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-podcast","category-politik","tag-wolfgang-kubicki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16054"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16055,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16054\/revisions\/16055"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}