{"id":16059,"date":"2026-03-02T10:49:06","date_gmt":"2026-03-02T09:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=16059"},"modified":"2026-03-02T10:50:47","modified_gmt":"2026-03-02T09:50:47","slug":"duerr-interview-wir-brauchen-so-etwas-wie-einen-deutschen-traum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2026\/03\/02\/duerr-interview-wir-brauchen-so-etwas-wie-einen-deutschen-traum\/","title":{"rendered":"D\u00dcRR-Interview: Wir brauchen so etwas wie einen deutschen Traum"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der FDP-Bundesvorsitzende Christian D\u00fcrr gab der \u201ePforzheimer Zeitung\u201c und\u00a0pz-news.de\u00a0(Montag) das folgende Interview. Die Fragen stellte\u00a0Lisa Scharf:<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Herr D\u00fcrr, in einer Woche entscheidet sich in Baden-W\u00fcrttemberg das Schicksal der FDP. Wie geht es Ihnen?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Mir geht es gut. Ich habe jetzt knapp 50 Termine in Baden-W\u00fcrttemberg absolviert seit Dreik\u00f6nig. Und es macht richtig Freude. Ich habe als Niedersachse auf Baden-W\u00fcrttemberg immer als Powerhouse geblickt. Baden-W\u00fcrttemberg ist ein Land von Machern, von Leuten, die durchstarten wollen. Durch die falschen Rahmenbedingungen ist aber der wirtschaftliche Erfolg in den letzten Jahren unter die R\u00e4der gekommen. Die FDP ist der Gegenentwurf zur aktuellen Stillstandspolitik. Wir wollen daf\u00fcr Sorgen, dass sich der Flei\u00df der Leute wieder auszahlt.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Wie erkl\u00e4ren Sie sich dann, dass die FDP selbst in ihrem Stammland mittlerweile um den Einzug in den Landtag bangen muss?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Muss sie nicht. Wir sind im Aufwind und werden klar im Landtag gesehen, aktuell bei sechs Prozent und da ist noch mehr drin. Wenn ich auf das Parteiensystem insgesamt blicke, dann stelle ich fest, dass Union, Sozialdemokraten und Gr\u00fcne eher Status-Quo-Parteien geworden sind und die Extremisten links und rechts von dieser mangelnden Ver\u00e4nderungsbereitschaft profitieren. Dazu muss es eine Alternative geben, eine Partei, die mit Mut Reformen vorschl\u00e4gt. Das ist die FDP. Und das ist der Grund, warum wir hier vorschlagen, eine Verwaltungsebene komplett abzuschaffen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Ein Vorschlag, der f\u00fcr viele Diskussionen gesorgt hat.<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>In Niedersachsen habe ich selbst in Regierungsverantwortung eine ganze Verwaltungsebene abgeschafft, die Bezirksregierungen. Wir haben 8000 Stellen im \u00f6ffentlichen Dienst eingespart. Danach sind Genehmigungsverfahren so schnell gelaufen, dass wir im Wirtschaftswachstum vor den Bayern lagen. Es hat maximale Relevanz, wie schnell ein Bundesland ist und wie innovativ. Die mangelnde Ver\u00e4nderungsbereitschaft in der Politik f\u00fchrt derzeit dazu, dass den Menschen sp\u00fcrbar Wohlstand verloren geht. Und genau das will die FDP \u00e4ndern. Nicht durch Umverteilung werden Menschen reich, sondern indem sich ein Land aufmacht, wieder erfolgreich zu sein.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Die wirtschaftliche Lage ist ein Kernthema im Wahlkampf \u2013 und eines, bei dem der FDP hohe Kompetenzwert zugeschrieben werden. Warum schaffen Sie es noch nicht so richtig, davon zu profitieren?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Wir haben uns im vergangenen Jahr erneuert, und das brauchte einerseits Zeit. Andererseits merke ich bei den Wahlk\u00e4mpfern hier im Landesverband, wie sehr alle Lust haben, an diesem Reformprojekt weiterzuarbeiten und es zum Erfolg zu f\u00fchren. Mir ist eines wichtig: Wenn Politiker von Wirtschaft reden, dann klingt das manchmal, als ob das mit den Menschen nichts zu tun h\u00e4tte. Das Gegenteil ist richtig. Hier geht es um die Frage, ob junge Familien eine Chance im Leben haben, sich etwas aufbauen, ein Eigenheim leisten k\u00f6nnen. Wir brauchen so etwas wie einen deutschen Traum oder einen baden-w\u00fcrttembergischen Traum.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Sie sprechen die Erneuerung an. Zur Ampelzeit fiel die FDP vor allem durch markige Worte und so manchen Ellenbogeneinsatz auf. Sie treten viel gem\u00e4\u00dfigter auf. Ist es Teil der Erneuerung, dass man einen anderen Ton w\u00e4hlt?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Wir haben uns nat\u00fcrlich nach der Niederlage bei der Bundestagswahl hinterfragt.\u00a0 In der Sache habe ich aber immer hart verhandelt. Und gerade beim Blick auf die Lage in Deutschland ist die FDP als Reformkraft wichtiger denn je. Denn eines m\u00fcssen wir feststellen: Die letzten Bundesregierungen, inklusive der aktuellen, schaffen es nicht, wirkliche Reformpolitik umzusetzen. Wir haben doch kein Erkenntnisproblem in Deutschland. Wir haben ein Umsetzungsproblem. Das erfordert Mut. Und jetzt will ich kurz auf die landespolitische Bilanz der FDP in der Vergangenheit verweisen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Und die w\u00e4re?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Wir haben in Niedersachsen damals massiv in Bildung investiert und so die Schulabbrecherquote halbiert. Schauen wir uns mal Baden-W\u00fcrttemberg bis zum Jahr 2011 an. Damals hat eine Koalition aus FDP und Union das Land an die Spitze in Deutschland, ich w\u00fcrde sogar sagen in Europa, gebracht. Mit echter Innovationspolitik und \u00fcbrigens auch einer deutlich geringeren<\/p>\n<p>Schulabbrecherquote. Und jetzt sind wir wieder beim Menschen: Die Frage, ob eine Gesellschaft und ein Staat sozial sind, zeigt sich darin, ob Politik die Priorit\u00e4t auf Bildung legt oder auf B\u00fcrokratie und Subventionen. Und ich entscheide mich immer f\u00fcr Bildung.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>W\u00e4re das auch Teil dieses baden-w\u00fcrttembergischen Traums, den Sie angesprochen hatten? Wie w\u00fcrde der aussehen?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Der w\u00fcrde so aussehen, dass jedes Kind, egal welcher Herkunft, egal welches Elternhaus, egal welcher sozialer Herkunft, alle Chancen im Leben hat. Ich habe gestern eine Veranstaltung gehabt, da hat mir eine Lehrerin erz\u00e4hlt, in der gr\u00fcn-schwarzen Landesregierung w\u00fcrde immer gesagt, es g\u00e4be nicht genug Bewerber als Lehrer. Zugleich w\u00fcrden aber reihenweise Referendare abgelehnt. An der Haupt- und Realschule dieser Frau gab es nicht einmal eine Englischlehrkraft. Daran zeigt sich das soziale Gesicht von Politik.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Wie genau?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>In der Frage, ob man jungen Menschen alle Lebenschancen gibt oder ob man glaubt, das sp\u00e4ter durch einen \u00fcberbordenden Sozialstaat auszugleichen. Ich schlage vor, dass wir in Deutschland eine Regel festlegen: Es werden ausschlie\u00dflich Kinder eingeschult, die ausreichend Deutschkenntnisse haben. Zwei Jahre vor der Grundschule wird ein Sprachfeststellungstest gemacht und die Kinder mit Defiziten werden verpflichtend nachbeschult. Das erfordert Ressourcen. Aber das Geld ist doch hundertmal besser investiert, als dass wir sp\u00e4ter im Sozialstaat den Reparaturbetrieb anwerfen.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Aber f\u00fcr das, was Sie jetzt sagen, steht eine FDP nicht, zumindest nicht im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Und genau das will ich \u00e4ndern. Mit mir als Vorsitzendem wird die FDP immer eine moderne Reformkraft sein, die gleiche Chancen zu Beginn des Lebens in den Vordergrund stellt. F\u00fcr mich ist klar: Wir geben kein Leben auf St\u00fctzr\u00e4dern vor, indem wir dem Unternehmer sagen, welche Produkte er herstellen muss, welchen Motor er nicht mehr bauen darf oder wo wir im Sozialstaat alles bezahlen. Wir stehen daf\u00fcr, dass am Anfang des Lebens so viel Unterst\u00fctzung da ist, dass man alle Chancen hat. Und Teil des baden-w\u00fcrttembergischen oder deutschen Traums ist f\u00fcr mich die Grundvoraussetzung, eine <a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/01\/29\/fdp-forderung-bildung\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"3\" title=\"FDP Forderung Bildungspolitik\">Bildungspolitik<\/a> zu schaffen, die genau das erm\u00f6glicht. Der Erfolg des Einzelnen, der Erfolg von Familien, die sich etwas aufbauen k\u00f6nnen, ist entscheidend f\u00fcr den Zusammenhalt in der Demokratie. Wenn man den Eindruck hat, man kann durch eigene Entscheidung und Leistung keinen Unterschied mehr machen, dann f\u00fchrt das zu Frustrationen und Extremisten werden st\u00e4rker.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Bei der Bundestagswahl 2021 konnte die FDP bei den Jungw\u00e4hlern besonders punkten. Zuletzt waren in der jungen Generation vor allem Linke und AfD stark. Wie erkl\u00e4ren Sie sich das?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Das ist f\u00fcr mich ein zentrales Feld. Ich erlebe viele junge Menschen, die durchstarten wollen. Aber die stellen sich die Frage: Ich zahle \u00fcber die H\u00e4lfte an den Staat, wenn ich es mit dem Arbeitgeber-Brutto vergleiche. Und bekomme ich jemals aus der Rente was raus? Die <a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/01\/29\/fdp-thema-rente\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"1\" title=\"FDP Forderung Rentenpolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rentenpolitik<\/a> von Schwarz-Rot in Berlin f\u00fchrt zu maximaler Frustration der jungen Generation.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Im vergangenen Jahr war die Rente auch ein Riesenthema im Bundestag. Wie schwer f\u00e4llt es Ihnen, aus der Au\u00dferparlamentarischen Opposition mit solchen Themen durchzudringen?<\/p>\n<p><strong>D\u00fcrr: <\/strong>Ich gebe offen zu: Als die Rentendebatte im Bundestag war und nur Umverteiler geredet haben \u2013 da hat mir schon ein bisschen das Herz geblutet, nicht die Stimme f\u00fcr die Generation erheben zu k\u00f6nnen, die da gerade verfr\u00fchst\u00fcckt wird. Ich stand vor dem Reichstagsgeb\u00e4ude und habe mit Journalisten gesprochen und eine kleine Demo organisiert. Da brodelte es wirklich in mir.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FDP-Bundesvorsitzende Christian D\u00fcrr gab der \u201ePforzheimer Zeitung\u201c und\u00a0pz-news.de\u00a0(Montag) das folgende Interview. Die Fragen stellte\u00a0Lisa Scharf: Frage: Herr D\u00fcrr, in einer Woche entscheidet sich in Baden-W\u00fcrttemberg das Schicksal der FDP. 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