{"id":16105,"date":"2026-08-04T15:25:51","date_gmt":"2026-08-04T13:25:51","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=16105"},"modified":"2026-08-04T15:25:51","modified_gmt":"2026-08-04T13:25:51","slug":"kubicki-interview-der-wiederaufstieg-der-fdp-ist-nicht-aufzuhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2026\/08\/04\/kubicki-interview-der-wiederaufstieg-der-fdp-ist-nicht-aufzuhalten\/","title":{"rendered":"KUBICKI-Interview: Der Wiederaufstieg der FDP ist nicht aufzuhalten"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"field field__item field--label-hidden field--name-body field--type-text-with-summary\">\n<p>Der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki gab \u201etaz.de\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellten Rainer Rutz\u00a0und\u00a0Cem-Odos G\u00fcler:<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Herr Kubicki,\u00a0in der CDU geht es drunter und dr\u00fcber.\u00a0Sind die Tage von Bundeskanzler Friedrich Merz gez\u00e4hlt?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Ich h\u00f6re aus der Union, dass die Leute kurz vor der Revolution sind. Auch ich habe mich in der Person Merz get\u00e4uscht. Wenn man sich seine ersten Reden anh\u00f6rt, h\u00e4tte man denken k\u00f6nnen: Die deutsche Wirtschaft klatscht, wir von der FDP klatschen. Doch dann macht er eine Politik, die das genaue Gegenteil ist. Das ist etwas, womit die Union schwer fertig werden wird.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Merz wird nach den j\u00fcngsten Personalrochaden von den eigenen Parteileuten vorgeworfen,\u00a0er f\u00fchre die CDU wie eine Firma.\u00a0Hire and fire: Das m\u00fcsste doch nach dem Geschmack der wirtschaftsfreundlichen FDP sein.<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Aber Parteien sind nun mal keine Firmen und Deutschland ist keine Aktiengesellschaft. Solche Ideen haben sich schon in der Vergangenheit nicht bew\u00e4hrt. F\u00fcr mich war aber vor allem die Tatsache spektakul\u00e4r, dass so ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleines Licht aus Bremen sich traut \u2026<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> \u2026 der Firma-Vorwurf stammt vom Bremer CDU-Landeschef Heiko Strohmann.<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Ja, dass sich so ein politischer Zwerg \u2013 aus Sicht eines Kanzlers \u2013 das \u00fcberhaupt traut, das im Bundesvorstand zu sagen. Wenn mir das passieren w\u00fcrde und keiner w\u00fcrde mich verteidigen, m\u00fcsste ich nachdenken, ob ich noch die F\u00fchrungskraft bin, als die ich gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> R\u00fcckblickend: Waren die Ampel-Zeiten gegen\u00fcber der jetzigen Regierung erfolgreicher?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Sagen wir mal so: Ich bekomme gelegentlich von Kolleginnen und Kollegen von den Gr\u00fcnen, aber auch von Sozialdemokraten Nachrichten, in denen es hei\u00dft, so schlecht waren wir doch nicht. Aber meine Sehnsucht ist begrenzt nach einer Wiederholung der Ampel-Zeit.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie bereuen es also nicht,\u00a0dass Sie damals so lange gegen die Gr\u00fcnen und auch die SPD\u00a0geschossen haben,\u00a0bis der Laden auseinandergeflogen ist?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0So zu tun, als h\u00e4tten die Sozialdemokraten oder die Gr\u00fcnen nicht auch gegen uns geschossen, finde ich ein bisschen komisch.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Aber die anderen Parteien hatten keine\u00a0explizite D-Day-Strategie, um die Ampel-Koalition zu beenden.<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Doch hatten sie auch. Sie haben es nur nicht so genannt. Es gab ein separates Treffen von Sozialdemokraten und Gr\u00fcnen im Juli 2024 im Kanzleramt, wo \u00fcber das Ende der Koalition gesprochen wurde. Uns war allen klar, dass es so nicht weitergehen kann, weil die finanziellen Grundlagen f\u00fcr diese Koalition fehlten. Und dann ging es immer um die Frage: Wer ist im Zweifel schuld?\u00a0Wir haben uns dann freiwillig gemeldet.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Merz hat gesagt: Kein Kanzler vor mir hat so etwas ertragen m\u00fcssen. Muss er mehr einstecken als Olaf Scholz oder Angela Merkel?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Es gibt den Satz: Wer in die K\u00fcche kommt, muss mit Hitze umgehen k\u00f6nnen. Und wer in die Politik geht, muss damit umgehen k\u00f6nnen, dass er unter Beobachtung steht und kritisiert wird. Das erleben wir alle, ich auch. Ich wurde bereits als \u201eKnallfrosch\u201c und\u00a0\u201eQuartalsirrer aus dem Norden\u201c\u00a0etikettiert. Das muss man wegstecken. Wer das nicht kann, ist falsch in der Politik.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Merz, der Jammerlappen?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Friedrich Merz hat sich jedenfalls als ziemlich d\u00fcnnh\u00e4utig erwiesen.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Ihre Partei profitiert trotzdem nicht von der Schw\u00e4che der Union. Ist die FDP dann doch tot, wie Merz\u00a0nach der Wahl in Baden-W\u00fcrttemberg\u00a0erkl\u00e4rt hat?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Wie Sie sehen, lebe ich.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie sind der wandelnde Liberalismus in Deutschland?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Ich bin zumindest schon lange dabei und deutlich \u00e4lter als die meisten Mitglieder meiner eigenen Partei. Aber zu Ihrer Frage: Der Liberalismus geht ja weit \u00fcber die FDP hinaus. Die Sehnsucht nach einer freien Gesellschaft findet sich in Deutschland, aber auch weltweit.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Das dauerhafte Umfragehoch f\u00fcr die AfD spricht eher f\u00fcr die Lust am Autorit\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Das ist doch zu einfach gedacht, wenn Sie die alle in die rechtsradikale Nazi-Ecke schieben. Viele Menschen w\u00e4hlen AfD, weil die Politik ihre Probleml\u00f6sungskompetenz verloren hat. Da gibt es eine Menge schlimme Typen, definitiv. Aber bei vielen W\u00e4hlern ist es pure Verzweiflung. Eine bessere Politik w\u00fcrde dazu f\u00fchren, diese Menschen zur\u00fcckzugewinnen. Nur sehe ich die momentan bedauerlicherweise nicht.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Die AfD ist schon bei der Bundestagswahl 2025 auf \u00fcber 20 Prozent gekommen. Die Jahre davor h\u00e4tte die FDP in der Regierung demnach auch keine bessere Politik gemacht. War es ein Fehler,\u00a0dass Ihr Vorvorg\u00e4nger Christian Lindner die Partei thematisch auf das Thema Wirtschaft\u00a0verengt hat?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Auch das ist von Ihnen zu einfach in dieser Anmutung, die Freien Demokraten auf solide Staatsfinanzen zu reduzieren. Wir haben einen sehr starken gesellschaftspolitischen Ansatz. Gerade die Verteidigung des Rechtsstaates w\u00e4hrend der Coronazeit ist ein Beleg daf\u00fcr. Darum haben uns 2021 ja auch so viele Menschen gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> 2025 wurden Sie dann aber nicht mehr gew\u00e4hlt. Teile der Gr\u00fcnen\u00a0umwerben bereits heimatlose Ex-FDPler\u00a0mit dem Argument, Ihre Partei betrachte sozialliberale Themen als Schnee von gestern. Ist dem so?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Das wird nicht verfangen. Das ist ja auch erb\u00e4rmlich, wenn die wie ein Staubsauger Stimmen abgreifen wollen, um st\u00e4rker zu werden. Mit 13 bis 16 Prozent stehen die Gr\u00fcnen nat\u00fcrlich immer noch besser da als die Freien Demokraten. Aus Sicht der Gr\u00fcnen ist das trotzdem bescheiden, weil das keine Machtoption er\u00f6ffnet. Gucken Sie sich Deutschlands Osten an.\u00a0In Sachsen-Anhalt versuchen die Gr\u00fcnen jetzt mit taktischen Man\u00f6vern zu erkl\u00e4ren, sie m\u00fcssten in den Landtag, damit eine AfD-Mehrheit verhindert wird. Erb\u00e4rmlicher geht es ja nicht.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Was, bitte, ist erb\u00e4rmlich daran, Rechtsextreme zu verhindern?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Erb\u00e4rmlich sind all diese Erkl\u00e4rungen, dass man auf jeden Fall Union w\u00e4hlen muss oder die Gr\u00fcnen oder die FDP oder die SPD, um die AfD zu verhindern. Das ist eine gef\u00e4hrliche Strategie. Wenn das das einzige Argument ist, warum Menschen eine Partei unterst\u00fctzen sollen, dann werden sie sich von dieser Partei abwenden.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Ihre Gegenkandidatin bei\u00a0der Wahl f\u00fcr den Parteivorsitz, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezeichnete Sie nach dem Parteitag Ende Mai als \u201eRechtsausschl\u00e4ger\u201c. Wie l\u00e4uft\u2019s denn aktuell so zwischen Ihnen beiden?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Wir sitzen gemeinsam im Pr\u00e4sidium unserer Partei und Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist wie ich sehr sprachgewaltig. Ich bin auch der Letzte, der sie zur M\u00e4\u00dfigung anleiten kann, weil ich ja selbst nicht derjenige bin, der sich m\u00e4\u00dfigt bei seinen \u00c4u\u00dferungen. Aber inzwischen konzentrieren sich ihre \u00c4u\u00dferungen ja auch wieder auf die Verteidigungspolitik und vor allen Dingen die Politik auf europ\u00e4ischer Ebene. Da ist sehr viel zu tun. Und ich habe gesagt: Marie-Agnes, wenn du es schaffst, daf\u00fcr zu sorgen, dass wir weniger B\u00fcrokratie von Br\u00fcssel erhalten, dann hast du wirklich sehr viel erreicht.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Und der \u201eRechtsausschl\u00e4ger\u201c?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Jeder der mich wirklich kennt, findet den Vorwurf absurd. Aber mir ist das relativ egal, denn ich bin noch da. Im Gegensatz zu denjenigen, die mir diese Etikettierungen verpasst haben. Das deutet doch auf eine gewisse Durchsetzungsf\u00e4higkeit, eine gewisse Best\u00e4ndigkeit, ein gewisses Vertrauen, das mir mittlerweile nicht nur in der Partei entgegengebracht wird, sondern auch von den Menschen in Deutschland. Ich geh\u00f6re zu den Top Ten der beliebtesten Politiker. Und das ohne Regierungsmandat, ohne Bundestagsmandat. Das hat doch was.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie haben gerade verklausuliert gesagt, dass Strack-Zimmermann \u2013 anders als Sie \u2013 weg vom Fenster ist?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Nein, das habe ich nicht gesagt und das w\u00e4re auch falsch.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> F\u00fcr eine gemeinsame Doppelspitze mit ihr waren Sie nicht zu haben. Dabei h\u00e4tte das Ihre Partei m\u00f6glicherweise befrieden k\u00f6nnen. Warum haben Sie sich hier quer gestellt?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Weil ich diese Doppelspitze f\u00fcr wenig zielf\u00fchrend halte. Denn wir w\u00fcrden regelm\u00e4\u00dfig das erleben, was Sie hier auch probieren. Man w\u00fcrde Kubicki fragen, man w\u00fcrde Strack-Zimmermann fragen, und dann versuchen, daraus einen Widerspruch herzustellen, um zu erkl\u00e4ren: Die FDP zerf\u00e4llt in zwei Lager. Das ist nicht der Fall. Sie sehen doch, dass nach meiner Wahl wieder Ruhe eingetreten ist, auch was das Verh\u00e4ltnis von Kubicki und Strack-Zimmermann angeht.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Apropos Ruhe. Sie sind Ende Mai mit gro\u00dfem Medienrummel ins Amt gekommen. Uns scheint, genutzt hat es nicht viel. In den Umfragen rangiert die FDP in der Regel weiter unter 5 Prozent. Sind Sie doch nicht der gro\u00dfe FDP-Heilsbringer, als der Sie gefeiert wurden?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Erstens h\u00e4ngt nicht alles an Wolfgang Kubicki. Und zweitens werden wir mittlerweile bei allen Instituten wieder ausgewiesen, mit mindestens 4, bei einigen sogar mit 5 oder 5,5 Prozent. Ich bin seit acht Wochen Bundesvorsitzender der FDP. Wenn ich Ihnen im April gesagt h\u00e4tte, dass die jetzt wieder bei 5 Prozent stehen w\u00fcrde, h\u00e4tten Sie gesagt: Der Kubicki hat was geraucht. Ich bin da ausgeruht, brauche aber ein bisschen mehr als acht Wochen, um ans Ziel zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Bei den anstehenden Landtagswahlen im Osten sieht es erst mal d\u00fcster aus.<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Ich gebe den Osten nicht verloren. Wir werden ihn auch nicht verlieren, keine Sorge.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> In Berlin liegt die FDP bei 4 Prozent, ebenso in manchen Umfragen f\u00fcr Sachsen-Anhalt, in der j\u00fcngsten Sachsen-Anhalt-Erhebung verschwindet Ihre Partei aber wieder unter den \u201eSonstigen\u201c. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird sie nicht ausgewiesen.<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Noch mal: Nichts ist verloren. Vor allem nicht in Sachsen-Anhalt. Hier haben wir eine realistische Chance,\u00a0wieder in den Landtag zu kommen.\u00a0Auch in Berlin mache ich mir keine gro\u00dfen Sorgen bei der Art und Weise der Landes-CDU, die viele B\u00fcrgerliche abst\u00f6\u00dft. Mecklenburg-Vorpommern ist herausfordernder. Wir haben dort 600 Mitglieder und weniger Strukturen. Ich kann da 50 Kilometer \u00fcbers Land fahren und treffe keinen einzigen Liberalen.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie haben die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern f\u00fcr die FDP also abgeschrieben?<\/p>\n<p><strong>Kubicki:<\/strong>\u00a0Nein, aber es ist eben in Mecklenburg-Vorpommern nicht ganz so einfach. Aber mit einem allgemeinen Trend, der uns deutlich \u00fcber die 5 Prozent hebt, s\u00e4he es schon wieder anders aus. Und glauben Sie mir: Der Wiederaufstieg der FDP ist mittelfristig nicht aufzuhalten. Ob Sie das freut oder \u00e4rgert, d\u00fcrfen Sie sich selbst aussuchen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki gab \u201etaz.de\u201c das folgende Interview. 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