{"id":2289,"date":"2021-08-24T14:37:18","date_gmt":"2021-08-24T12:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=2289"},"modified":"2022-05-01T07:57:09","modified_gmt":"2022-05-01T05:57:09","slug":"sieben-vorschlaege-fuer-das-start-up-oekosystem-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/08\/24\/sieben-vorschlaege-fuer-das-start-up-oekosystem-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Sieben Vorschl\u00e4ge f\u00fcr das Start-up-\u00d6kosystem der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Das FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Bettina Stark-Watzinger und der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Johannes Vogel schrieben f\u00fcr das \u201eHandelsblatt\u201c (Dienstag-Ausgabe) und \u201eHandelsblatt Online\u201c den folgenden Gastbeitrag:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2290\" aria-describedby=\"caption-attachment-2290\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2290\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-683x1024.jpg\" alt=\"Johannes Vogel\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-683x1024.jpg 683w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-200x300.jpg 200w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-768x1152.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2290\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Vogel, Generalsekretaer der FDP in Nordrhein-Westfalen, im Portrait. Europa, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Koeln, 16.07.2017<\/figcaption><\/figure>\n<p>Start-ups sind cool, aber nicht so wichtig. Falsch \u2013 denn die Start-ups von heute sind unsere Hidden Champions von morgen. Schon jetzt schaffen sie zukunftsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze \u2013 derzeit sind es einer aktuellen Studie zufolge 415.000. Es k\u00f6nnten aber viel mehr sein. Die Studie des Start-up-Verbands, der Internet Economy Foundation und der Deutschen B\u00f6rse vergleicht Deutschland mit Schweden.<\/p>\n<p>W\u00e4re der Anteil der Arbeitnehmer bei Start-ups an der Gesamtbesch\u00e4ftigung bei uns so hoch wie dort, w\u00fcrden hierzulande eine Million Menschen in jungen Wachstumsunternehmen arbeiten. Vergleichen wir uns mit den USA, w\u00e4ren es sogar 3,7 Millionen Besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Wenn wir f\u00fcr Start-ups so gute Rahmenbedingungen wie die USA schaffen, k\u00f6nnten mehr als achtmal so viele Jobs entstehen. Das sollte uns Politikern Mahnung und Verpflichtung zugleich sein.<\/p>\n<p>Denn Wachstum und Arbeitspl\u00e4tze entstehen nicht von allein. Deutschland muss attraktiv f\u00fcr Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder sein. In den vergangenen Jahren waren die politischen Entscheider zwar nicht unt\u00e4tig, vorw\u00e4rts aber ging es immer nur in kleinen Schritten. Von einem gro\u00dfen Reformwillen, Spitzenbedingungen f\u00fcr Start-ups zu schaffen, sp\u00fcrte man in der Bundesregierung nichts. Das muss sich nach der Bundestagswahl \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht: Wir haben alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Es gibt bereits eine selbstbewusste Gr\u00fcnderszene, mutige K\u00f6pfe und eigentlich auch das notwendige Kapital, um neue Ideen zu finanzieren. Was andere L\u00e4nder uns voraushaben: Sie bringen K\u00f6pfe, Kapital und Kultur besser zusammen.<\/p>\n<p>Die Deutschen besitzen ein sehr hohes Sparverm\u00f6gen \u2013 den Start-up-Unternehmen mangelt es jedoch noch zu oft an Geld, um innovative Gesch\u00e4ftsideen zu finanzieren. Wir nutzen die Kapitalm\u00e4rkte nicht so, wie wir sie nutzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Deutschland ist auch gut in der Grundlagenforschung. Aber neues Wissen zu schaffen ist das eine, Wissen in Wertsch\u00f6pfung umzuwandeln das andere. Um innovativer zu werden, m\u00fcssen wir mutige Menschen, die ein unternehmerisches Risiko eingehen, besser unterst\u00fctzen. Dazu sieben Vorschl\u00e4ge, damit unser Start-up-\u00d6kosystem in Zukunft ganz vorne mitspielt.<\/p>\n<p>Erstens: Risikokapital. Der klassische Bankkredit kommt f\u00fcr Start-ups wegen des hohen unternehmerischen Risikos nicht infrage. Es braucht also wagemutige Investoren, die statt Fremdkapital Eigenkapital bereitstellen. Das gilt insbesondere f\u00fcr die Finanzierung von zwei- bis dreistelligen Millionensummen \u2013 ohne dieses Geld ist es f\u00fcr ambitionierte Start-ups sehr schwierig, neue Absatzm\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen, die Produktpalette zu erweitern und neue Mitarbeiter einzustellen.<\/p>\n<p>Deshalb schauen sie sich nicht selten im Ausland nach Investoren um. Es stellt sich allerdings die Frage, warum nur amerikanische Rentner, die \u00fcber ihre Pensionskassen in deutsche Start-ups investieren, von hiesigen Gr\u00fcndungserfolgen profitieren sollen. Wir m\u00fcssen es deutschen Lebensversicherern, Pensionskassen und Versorgungswerken leichter machen, in Wagniskapital zu investieren.<\/p>\n<p>Zweitens: Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Die entscheidende Ressource eines Unternehmens sind die Besch\u00e4ftigten. Umso wichtiger ist es f\u00fcr Start-ups, Toptalente f\u00fcr sich zu gewinnen. Die alte Idee der Mitarbeiterbeteiligung bekommt hier neue Bedeutung, weil Start-ups noch nicht die hohen L\u00f6hne globaler Konzerne bezahlen k\u00f6nnen. Deswegen machen sie ihre Mitarbeitenden zu Miteigent\u00fcmern, die dann neben Lohn- auch Kapitaleink\u00fcnfte erzielen k\u00f6nnen. Das Problem: Unsere steuerlichen und b\u00fcrokratischen Vorschriften bei Beteiligungsprogrammen sind im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern zu kompliziert und unattraktiv. \u00c4ndern wir das! Gen\u00fcgend Reformvorschl\u00e4ge liegen vor.<\/p>\n<p>Drittens: Einwanderung. Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland und wegen des demografischen Wandels zunehmend auf Fachkr\u00e4fte angewiesen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Start-ups im Tech-Bereich. Damit auch hierzulande das n\u00e4chste Google entstehen kann, muss unser Land f\u00fcr Toptalente noch attraktiver werden. Kanada und andere Staaten haben ein zeitgem\u00e4\u00dfes Einwanderungsrecht anhand klarer Kriterien geschaffen. Wir k\u00f6nnen das auch. Entscheidend darf nicht sein, wo jemand herkommt, sondern, dass wir gemeinsam Wohlstand schaffen und die Gesellschaft voranbringen.<\/p>\n<p>Viertens: Diversit\u00e4t. In kaum einer Kennzahl zeigt sich das verschenkte Potenzial unserer Volkswirtschaft so deutlich wie in der geringen Zahl von Gr\u00fcnderinnen. Nicht einmal jede f\u00fcnfte Gr\u00fcndung geht heute auf eine Frau zur\u00fcck. Auch auf Investorenseite sieht es nicht besser aus. Das Problem, dass M\u00e4nner in der Gr\u00fcnderrolle eher nach den Chancen und Frauen eher nach den Risiken gefragt werden, ist wissenschaftlich hinreichend erforscht. Wir m\u00fcssen daher gezielt Frauen im Start-up-Bereich f\u00f6rdern und ihnen auch einen besseren Zugang zu Wagniskapital er\u00f6ffnen. Diverse Teams sind erfolgreicher als homogene. Das gilt auch f\u00fcr Gr\u00fcnder- und Investorenteams.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens: B\u00fcrokratieabbau. Am Anfang eines Start-ups stehen das Gr\u00fcnderteam und eine innovative Idee. Aber gleich zu Beginn gibt es auch hohe Anforderungen durch Beh\u00f6rden, die viel Zeit von der Produktentwicklung wegnehmen. Kraft und Lust f\u00fcr die eigentliche Arbeit werden so nicht selten schon am Anfang gehemmt.<\/p>\n<p>Statt \u00c4mtern ausgef\u00fcllte Formulare zu senden, sollen sich Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder am Anfang auf die Produktentwicklung und die Kundenakquise konzentrieren. Machen wir dazu beispielsweise Beh\u00f6rden zu One-Stop-Shops. Statt die gleichen Daten jeweils verschiedenen \u00c4mtern neu angeben zu m\u00fcssen, werden diese von Amt zu Amt weitergegeben. Unternehmensgr\u00fcndungen m\u00fcssen auch in Deutschland online in 24 Stunden m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Sechstens: Fairer Wettbewerb. Wirtschaftsminister Peter Altmaier fordert \u201enationale Champions\u201c, um mit Amazon, Apple und Co. mitzuhalten. Die Konzentration von Marktmacht auf etablierte und gro\u00dfe Unternehmen behindert aber echten Wettbewerb und Innovation. Wir sollten daher besser diejenigen regulieren, die zu viel Marktmacht haben. Die europ\u00e4ischen Pl\u00e4ne zur Schaffung eines Digital Markets Act und die Weiterentwicklung des deutschen Kartellrechts beschreiten den richtigen Weg. Damit bek\u00e4men gerade Start-ups neue Chancen, in M\u00e4rkte einzutreten.<\/p>\n<p>Siebtens: Mentalit\u00e4tswechsel. Wir Deutschen scheuen das Risiko. Das ist schlecht. Denn wer eine Idee f\u00fcr einen neuen Impfstoff hat oder eine innovative App entwickelt, muss irgendwann die Idee umsetzen und dabei ins Risiko gehen. Wir wissen aber: Die Risikoaversion nimmt ab, je gr\u00f6\u00dfer das finanzwirtschaftliche Wissen ist. Unternehmerisches Denken und Handeln l\u00e4sst sich schon in der Schule erlernen. Wir sollten fr\u00fchestm\u00f6glich die Neugierde am Unternehmertum wecken.<\/p>\n<p>Deutschland steht als Erfindernation am Scheideweg. Angesichts der gewaltigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Umbr\u00fcche kann nichts bleiben, wie es ist. Wir besitzen aber alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. F\u00f6rdern wir Wettbewerb, Unternehmertum und Innovation. Treten wir in ein neues Gr\u00fcnderzeitalter ein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Bettina Stark-Watzinger und der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Johannes Vogel schrieben f\u00fcr das \u201eHandelsblatt\u201c (Dienstag-Ausgabe) und \u201eHandelsblatt Online\u201c den folgenden Gastbeitrag: Start-ups sind cool, aber nicht so wichtig. 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