{"id":2331,"date":"2021-08-27T13:04:50","date_gmt":"2021-08-27T11:04:50","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=2331"},"modified":"2021-08-27T13:05:41","modified_gmt":"2021-08-27T11:05:41","slug":"wissing-thiel-interview-wir-haben-ganz-grosses-potenzial-bei-jungen-leuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/08\/27\/wissing-thiel-interview-wir-haben-ganz-grosses-potenzial-bei-jungen-leuten\/","title":{"rendered":"WISSING\/THIEL-Interview: &#8220;Wir haben ganz gro\u00dfes Potenzial bei jungen Leuten&#8221;"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der FDP-Generalsekret\u00e4r Dr. Volker Wissing und die j\u00fcngste FDP-Bundestagskandidatin Noreen Thiel gaben \u201ewatson Online\u201c (heute) das folgende Interview. Die Fragen stellte Sebastian Heinrich:<\/p>\n<figure id=\"attachment_1120\" aria-describedby=\"caption-attachment-1120\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1120\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing.jpg\" alt=\"Dr. Volker Wissing\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing-300x200.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dr-Volker-Wissing-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1120\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Volker Wissing<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frage: Noreen, du hast am 19. Januar 2021 bekannt gegeben, dass du f\u00fcr den Bundestag kandidierst. Hast du das seither bereut?<\/p>\n<p>Thiel: Bereut habe ich es nicht, aber es gab Momente, die echt hart waren.<\/p>\n<p>Frage: Welche?<\/p>\n<p>Thiel: Oh Gott, wenn du in der FDP bist, sorgen viele Themen f\u00fcr Shitstorm-Potenzial. Ich habe mich immer wieder mal gefragt, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe.<\/p>\n<p>Frage: Kannst Du eine konkrete Situation nennen?<\/p>\n<p>Thiel: Tats\u00e4chlich hat die sozialmediale Enth\u00fcllung meiner Plakatmotive schon f\u00fcr einen kleinen Shitstorm gesorgt, weil laut manchen Internetusern \u201eMental Health\u201c und FDP ja nicht zusammenpassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Frage: Du meinst die Plakate mit dem englischen Spruch \u201cMental Health Matters\u201d, mit denen Du in Berlin-Lichtenberg wirbst. Herr Wissing, w\u00fcrden Sie sich in Ihrem Wahlkreis in Rheinland-Pfalz auch trauen, mit so einem Spruch in den Wahlkampf zu gehen?<\/p>\n<p>Wissing: Ja. Wenn man sich zu einem globalen Miteinander bekennt, f\u00fcr Freihandel und kulturellen Austausch wirbt, dann ist das doch authentisch. F\u00fcr mich ist die englische Sprache Teil eines modernen Lebens. Wir stehen als FDP f\u00fcr einen progressiven, modernen Kurs. Ich finde es albern, gegen Anglizismen vorzugehen. Und das Thema der psychischen Gesundheit ist gerade auch mit Blick auf die Corona-Pandemie aktueller denn je. Wenn Menschen sich isolieren, ihr Leben umstellen und auf einmal sehr viel Unsicherheit ertragen m\u00fcssen, dann macht das etwas mit ihnen und ich finde es sehr gut, wenn die Politik so etwas aufgreift und damit signalisiert: Wir nehmen das ernst.<\/p>\n<p>Frage: Sie sind also nicht auf der Linie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der sich 2017 mal dar\u00fcber aufgeregt hat, dass in manchen Lokalen in Berlin die Kellner nur Englisch reden.<\/p>\n<p>Wissing: Ich finde es \u00fcberhaupt kein Problem, wenn man sich auf Englisch anspricht. Viele junge Menschen kommunizieren auf Englisch. Es gibt Dinge, die man auf Englisch auch besser sagen kann. Ich selbst spreche Franz\u00f6sisch und erwische mich immer wieder dabei, dass ich Dinge lieber auf Franz\u00f6sisch sage als auf Deutsch, weil ich die Formulierung treffender finde. Es ist doch eine Bereicherung, wenn man mehrere Sprachen sprechen kann, warum sollte man sich da beschr\u00e4nken?<\/p>\n<p>Thiel: Mal abgesehen davon, dass \u201ePsychische Gesundheit ist wichtig\u201c auf so einem kleinen Plakat erstens ziemlich lang ist und zweitens eher nicht so gut klingt. (lacht)<\/p>\n<p>Wissing: Ja, genau. Die kurze englische Version passt besser und man wei\u00df genau, was gemeint ist. Das kommt an.<\/p>\n<p>Thiel: Ich habe \u00fcbrigens auch noch ein gro\u00dffl\u00e4chiges Wahlplakat, auf dem der Spruch nochmal auf Deutsch steht. Darauf kann man es besser lesen und auch jeder verstehen.<\/p>\n<p>Frage: Herr Wissing, Berlin-Lichtenberg, wo Noreen Thiel antritt, ist f\u00fcr die FDP kein einfaches Pflaster: Seit der deutschen Einheit haben hier immer die Linkspartei oder ihre Vorg\u00e4ngerpartei PDS das Direktmandat gewonnen, der letzte FDP-Direktkandidat hat 3,4 Prozent der Erststimmen geholt. Was haben Sie gedacht, als Sie erfahren haben, dass eine damals noch 17-J\u00e4hrige f\u00fcr die FDP ausgerechnet dort als Direktkandidatin antritt?<\/p>\n<p>Wissing: Ich habe mich gefreut. Ich finde es gut, wenn junge Leute sich engagieren. Wenn es ihnen nicht egal ist, wie sich das Land und damit ihre eigene Zukunft entwickelt, wenn sie Demokratie als ihre Sache sehen. Das zeigt f\u00fcr mich auch, dass das Kernthema der Freien Demokraten \u201eFreiheit\u201c ein generationen\u00fcbergreifendes ist. Wir haben uns als FDP intensiv mit der Situation, in der sich unser Land befindet, auseinandergesetzt. Der Klimawandel, die Corona-Pandemie sowie die Digitalisierung und haben festgestellt: Nie gab es mehr zu tun. Das gilt f\u00fcr Deutschland, aber auch f\u00fcr Lichtenberg.<\/p>\n<p>Thiel: (lacht) Mein Eindruck ist, dass die Menschen in Lichtenberg mir gegen\u00fcber recht aufgeschlossen sind und sich sehr differenziert mit mir auseinandersetzen. Viele wollen sich zumindest informieren \u2013 auch wenn sie ihre Wahlentscheidung schon getroffen haben. Es ist nicht so, dass die Anfeindungen hier besonders krass w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Frage: Herr Wissing, im Vergleich zu Noreen Thiel sind Sie sehr sp\u00e4t in die Politik gegangen: FDP-Beitritt mit 28, Einzug in den Bundestag mit 34, als Nachr\u00fccker. Das war im Jahr 2004. Inzwischen sind sie seit 17 Jahren in der Spitzenpolitik. Was ist der wichtigste Ratschlag, den Sie Noreen Thiel mitgeben w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Wissing: Das Wichtigste ist, dass sie sich eine nicht-politische Existenz bewahrt. Ich habe das gemacht, indem ich mich beruflich unabh\u00e4ngig aufgestellt habe \u2013 und mir ein privates Umfeld erhalten habe, das mir immer wichtiger war als die Politik. Nur wenn man das hat, kann man sich auch mal zur\u00fcckziehen. Und damit bin ich auch unabh\u00e4ngig von einigen Vorteilen, die mit einem politischen Amt einhergehen. Wer in der Politik nicht pers\u00f6nlich unabh\u00e4ngig bleibt, wird ungl\u00fccklich und unfrei.<\/p>\n<p>Frage: Noreen, glaubst du nach deinen ersten Monaten Erfahrung als Kandidatin, dass das so einfach geht: Pers\u00f6nlich unabh\u00e4ngig zu bleiben in der Politik?<\/p>\n<p>Thiel: Ja, wenn man das m\u00f6chte und daf\u00fcr Bewusstsein hat, dann geht das sehr, sehr einfach. Ich glaube aber, viele verlieren dieses Bewusstsein, wenn sie ihre politische Karriere beginnen \u2013 und gehen dann zu 100 Prozent in der Kandidatur und sp\u00e4ter im Mandat oder im Amt auf. Ich glaube, es ist wichtig, dass die Politik zwar ein elementarer Teil des Lebens ist, aber nicht \u00fcberhandnimmt.<\/p>\n<p>Frage: Kommen wir zur politischen Lage. Es sind nur noch wenige Wochen zur Bundestagswahl, f\u00fcr die FDP sieht es laut Umfragen momentan ziemlich gut aus: doppelt so starke Werte wie vor einem Jahr, bei jungen W\u00e4hlern kommt die Partei gut an. Laut einer Forsa-Umfrage w\u00fcrden 17 Prozent der W\u00e4hler bis 29 die FDP w\u00e4hlen, hinter den Gr\u00fcnen mit 36 Prozent. Noreen, freust du dich mehr dar\u00fcber, dass die FDP bei Jungw\u00e4hlern an zweiter Stelle steht \u2013 oder dass ihr nicht mal halb so viele junge Menschen \u00fcberzeugt wie die Gr\u00fcnen?<\/p>\n<p>Thiel: Es ist nat\u00fcrlich \u00e4rgerlich, dass wir in dieser Gruppe noch recht weit hinter den Gr\u00fcnen liegen. Aber andererseits sind das Werte, auf denen wir aufbauen k\u00f6nnen: Wir haben ganz gro\u00dfes Potenzial bei jungen Leuten und k\u00f6nnen schauen, wie wir das weiter ausbauen.<\/p>\n<p>Wissing: Die FDP und die Gr\u00fcnen greifen offensichtlich Themen auf, die der jungen Generation wichtig sind. Besser, als Union und SPD das tun. Da spielen Umweltfragen eine gro\u00dfe Rolle, da werden ja sowohl die Gr\u00fcnen als auch die FDP sehr stark wahrgenommen.<\/p>\n<p>Frage: Aber was haben die Gr\u00fcnen in den Augen vieler junger Menschen, das die FDP nicht hat?<\/p>\n<p>Thiel: Ich glaube, die Gr\u00fcnen sind in der Kommunikation besser. Es ist \u00e4rgerlich, wenn FDP-Politiker manchmal in verschachtelte Akademiker-S\u00e4tze rutschen. Das holt junge Menschen nicht so sehr ab, damit baust Du eine sprachliche Barriere zu ihnen auf. Die Gr\u00fcnen machen das besser, vor allem bei den Themen, mit denen sie junge Menschen erreichen.<\/p>\n<p>Wissing: Die FDP ist eine Partei, die den Anspruch hat, Themen nicht einfach an den Staat zu delegieren. Es reicht uns nicht, ein Ge- oder Verbot zu fordern, wir sehen den Einzelnen in der Verantwortung. Das macht unsere L\u00f6sungsans\u00e4tze in aller Regel komplexer. Aber auch die m\u00fcssen wir klar und einfach kommunizieren. Wir arbeiten daran, nicht zu kompliziert zu formulieren. Und ich finde, wir nutzen in diesem Wahlkampf eine deutlich andere Sprache als in fr\u00fcheren Wahlk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Frage: Wo zum Beispiel?<\/p>\n<p>Wissing: Wenn wir \u00fcber Forschung und Entwicklung sprechen und \u00fcber die Notwendigkeit, durch Innovation und Wettbewerb Zukunftsprobleme zu l\u00f6sen, dann kann man das sehr kompliziert ausdr\u00fccken. Man kann aber auch sagen: Wir stehen f\u00fcr Freude am Erfinden \u2013 nicht am Verbieten. Damit dr\u00fccken wir Optimismus aus \u2013 und grenzen uns von den Gr\u00fcnen ab, die eher auf Beschr\u00e4nkungen und Verbote setzen. Wir sagen den Menschen damit auch, dass wir ihnen etwas zutrauen und an sie glauben. Mein Leitbild ist immer noch der m\u00fcndige B\u00fcrger, die m\u00fcndige B\u00fcrgerin, aber nicht der oder die bevormundete.<\/p>\n<p>Frage: Extrem relevant f\u00fcr junge Menschen sind die Klimakrise und der Kampf dagegen. Die FDP versucht sp\u00e4testens seit dem Klima-Parteitag 2019, sich auch als Klimaschutzpartei zu positionieren. Aber laut Umfragen trauen noch nicht allzu viele Menschen ihr zu, L\u00f6sungen umzusetzen. Woran liegt das, Noreen?<\/p>\n<p>Thiel: Ich glaube, es ist schwer, die L\u00f6sungen der FDP so runterzubrechen, dass Menschen das verstehen. Ich glaube, f\u00fcr viele ist die Botschaft der Gr\u00fcnen viel griffiger.<\/p>\n<p>Frage: Wie meinst du das?<\/p>\n<p>Thiel: Es ist einfach, wie die Gr\u00fcnen zu sagen, wir wollen das, das und das nicht \u2013 und das hilft dann. Wir haben einen vielschichtigeren Ansatz und sagen eben: Okay, wir in Deutschland k\u00f6nnen vielleicht auf manches verzichten. Wir m\u00fcssen aber auch darauf achten, dass es f\u00fcr Menschen in manchen afrikanischen Staaten oder in Indien nicht m\u00f6glich ist, zu verzichten. Der Weg zur Klimaneutralit\u00e4t kann zwar in Deutschland und Europa starten, er ist aber erst beendet, wenn alle Emissionen weltweit einen einheitlichen marktwirtschaftlichen CO2-Preis haben. Diese Vorstellung m\u00fcssen wir \u00fcber die Sprachbarriere tragen, die uns von manchen Menschen trennt.<\/p>\n<p>Frage: Herr Wissing, hat die FDP da ein Problem: Dass sie ihr Klimakonzept, einen Ausbau des Emissionshandels mit nach und nach sinkender CO2-Obergrenze, nicht einfach r\u00fcberbringen kann?<\/p>\n<p>Wissing: Politik kann sich nicht nur darauf konzentrieren, Dinge einfach zu formulieren, die L\u00f6sungen m\u00fcssen auch funktionieren. Die Gr\u00fcnen sagen: Wir regulieren die Preise f\u00fcr CO2. Wenn sie zu niedrig sind, setzen wir sie hoch. Wenn sie zu hoch sind, setzen wir sie runter. Klar ist das einfacher zu formulieren als unsere Vorschl\u00e4ge. Aber dabei verschweigt man der \u00d6ffentlichkeit, dass die Politik den richtigen Preis gar nicht kennt, sodass man eigentlich fast immer falsche Preise hat. Deswegen sagen wir: So kann es nicht funktionieren. Wir wollen einen gesetzlichen Rahmen schaffen, wie viel CO2 im Jahr ausgesto\u00dfen werden darf. F\u00fcr den Aussto\u00df m\u00fcssen Zertifikate erworben werden, die von Jahr zu Jahr weniger und damit teurer werden. Die Preisbildung \u00fcberlassen wir dem Markt. Das ist wesentlich wirkungsvoller.<\/p>\n<p>Frage: Andererseits ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sie bald mit den Gr\u00fcnen zusammen regieren werden. FDP-Chef Christian Lindner hat in Sachen Koalition vergleichsweise deutlich gesagt, dass er lieber mit der Union zusammengeht \u2013 und eine Ampel mit SPD und Gr\u00fcnen eher als schwierig sieht. Welche Koalition soll es denn werden?<\/p>\n<p>Thiel: Ich mag diese Frage nicht. Ich pers\u00f6nlich bin n\u00e4mlich nicht in der Position, irgendwelche Koalitionsverhandlungen f\u00fchren zu m\u00fcssen. Au\u00dferdem h\u00e4ngt es davon ab, was in so einer Koalitionsverhandlung passiert. Wenn du deine wichtigen Punkte aufgeben musst, dann kannst du eben nicht in eine Regierung gehen. Dann ist es auch v\u00f6llig egal, wer sich wann welche Koalition gew\u00fcnscht hat.<\/p>\n<p>Wissing: Mich nervt die Frage nicht, aber sie ist problematisch.<\/p>\n<p>Frage: Warum?<\/p>\n<p>Wissing: Weil sie von den eigenen Inhalten ablenkt. Wir sind anders als CDU und CSU, weil wir nicht in der Vergangenheit h\u00e4ngenbleiben, sondern das Land in die Zukunft entwickeln wollen. Wir sehen ja nach 16 Jahren CDU\/CSU-F\u00fchrung, wie r\u00fcckst\u00e4ndig konservative Politik sein kann. Andererseits wollen wir die Entscheidungsfreiheit der einzelnen Person sch\u00fctzen \u2013 und das trennt uns von der SPD, die kollektivistisch denkt.<\/p>\n<p>Frage: Aber viele W\u00e4hler w\u00fcrden gerne vorher wissen, welche Koalition sie bekommen k\u00f6nnen, wenn sie eine Partei w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Wissing: Vor der Wahl muss gelten: Jeder steht f\u00fcr seine Inhalte. Nach der Wahl m\u00fcssen die Parteien Demut vor dem Willen der W\u00e4hler haben und m\u00f6gliche B\u00fcndnisse ausloten, damit eine stabile Regierungsmehrheit zustande kommt. Aber es gibt die klassischen Lager eben nicht mehr so wie fr\u00fcher: Schwarz-Gelb gegen Rot-Gr\u00fcn. Gerade j\u00fcngere Menschen sehen das nicht mehr so.<\/p>\n<p>Thiel: Das sehe ich auch so. Bei jeder Wahl entscheidet sich neu, was rauskommt. Und dann sieht man eben, was geht. Wenn es f\u00fcr uns mal mit der Union nicht geht, dann eben nicht. Und bei der SPD ist das auch so. F\u00fcr mich ist vor allem wichtig, den eigenen Inhalten treu zu bleiben und sie in Koalitionsverhandlungen nicht unter den Tisch fallen zu lassen, nur um in die Regierung zu kommen.<\/p>\n<p>Frage: Wie kommst Du mit jungen Politikerinnen und Politikern aus den anderen Parteien klar?<\/p>\n<p>Thiel: Wenn wir die R\u00e4nder ganz rechts und ganz links mal ausnehmen, gibt es einen ziemlich gro\u00dfen Common Ground zwischen uns allen. Wir sind uns einig, dass der Wahlkampf fair sein muss und niemand diffamiert werden soll. Klar, wir streiten uns inhaltlich. Aber wir sind sehr bem\u00fcht, dass es nie pers\u00f6nlich wird.<\/p>\n<p>Frage: Das klingt ziemlich positiv.<\/p>\n<p>Thiel: Ja, zumindest unter jungen Leuten nehme ich das so wahr.<\/p>\n<p>Wissing: Ich finde allgemein, dass dieser Wahlkampf bisher sehr sachlich ist.<\/p>\n<p>Frage: Viele Beobachter beklagen sich, es gehe nur um pers\u00f6nliche Angriffe und zu wenig um die Themen.<\/p>\n<p>Wissing: Ich habe schon ganz andere Wahlk\u00e4mpfe erlebt. Ich habe auch den Eindruck, dass viele Politiker in den sozialen Medien in diesem Jahr etwas sensibler miteinander umgehen. Das war schon deutlich schlimmer.<\/p>\n<p>Frage: Welchen Wahlkampf fanden Sie schlimmer?<\/p>\n<p>Wissing: Der vor der Wahl 2013 war wesentlich emotionaler und aggressiver\u2026<\/p>\n<p>Frage: \u2026vor der Wahl, bei der die FDP zum ersten Mal aus dem Bundestag geflogen ist.<\/p>\n<p>Wissing: Damals wurde sehr aggressiv argumentiert und gestritten. Und die Angriffe auf uns waren hart.<\/p>\n<p>Frage: Noreen, viele W\u00e4hler sehen die FDP als Partei der Besserverdienenden. Deine Mutter ist Fris\u00f6rin, du versucht mit deiner Ansprache und den Themen, die du behandelst, gegen dieses Image anzuk\u00e4mpfen. Aber eine Auswertung des FDP-Programms, das das Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung gemacht hat, zeigt, dass Menschen mit den h\u00f6chsten Einkommen von den Steuerpl\u00e4nen der FDP deutlich st\u00e4rker profitieren als Menschen mit geringeren Einkommen. Warum ist das aus deiner Sicht richtig?<\/p>\n<p>Thiel: Uns geht es darum, dass es allen besser geht, dass wir wegkommen von der Neidgesellschaft, in der es hei\u00dft: \u201eEy, der hat mehr als ich, der darf gar nicht so viel haben.\u201c Allen soll es gut gehen, jeder soll sich etwas leisten k\u00f6nnen. Die FDP will alle entlasten \u2013 au\u00dfer Google und Facebook, die sich nicht mehr vor der Steuer dr\u00fccken sollen. Das muss man immer wieder erw\u00e4hnen, weil dieses Klischee von der Besserverdienenden-Partei immer wieder aufkommt.<\/p>\n<p>Wissing: Freiheit ist ein Angebot, das sich an alle in der Gesellschaft richtet. Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Menschen ihren Lebensentwurf leben und sich frei entfalten k\u00f6nnen. Dieses Angebot ist vollkommen einkommensunabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Frage: FDP-W\u00e4hler verdienen aber im Durchschnitt besser als die W\u00e4hler anderer Parteien\u2026<\/p>\n<p>Wissing: \u2026aber laut aktuellen Untersuchungen weniger als die W\u00e4hler der Gr\u00fcnen. Wir wollen den Menschen Chancen bieten. Wir wollen zum Beispiel einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer f\u00fcr das Eigenheim. Das ist ja nichts f\u00fcr Million\u00e4re, sondern f\u00fcr junge Familien, die eben noch kein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung haben. Wir wollen jungen Menschen eine H\u00fcrde aus dem Weg r\u00e4umen, die Grunderwerbsteuer. Das hilft Menschen mit durchschnittlichen und unterdurchschnittlichen Einkommen.<\/p>\n<p>Frage: Wenn alle, wie von der FDP gefordert, weniger Steuern zahlen, hat der Staat aber weniger Geld. Und das kann dazu f\u00fchren, dass Gemeinden ihr Schwimmbad schlie\u00dfen m\u00fcssen \u2013 was bitter f\u00fcr diejenigen ist, die sich nicht das 20-Euro-Ticket f\u00fcr das Erlebnisbad leisten k\u00f6nnen. Oder, dass weniger Geld f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Schulen da ist \u2013 worunter die Kinder leiden, denen die Eltern keine Privatschule zahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Thiel: Wir wollen niemanden zur\u00fcckzulassen. Der Staat muss sich aber selbst fragen, wie aufgebl\u00e4ht er sein muss. Wenn es wirklich schiefl\u00e4uft, dann hat der Bundestag bald 1000 Abgeordnete. Das muss wirklich nicht sein \u2013 das kann aber passieren, weil die Union das Wahlrecht nicht \u00e4ndern wollte. Und es gibt viele solcher Fragen: Brauchen wir wirklich so viele Beamte? Kann man nicht mehr Prozesse in der Verwaltung digitalisieren? Dadurch k\u00f6nnte man auch Stellen einsparen.<\/p>\n<p>Wissing: Der Staat kann ja auch nicht alles. Die Wirtschaft klimaneutral machen, das kann zum Beispiel nur die Wirtschaft selbst. Daf\u00fcr m\u00fcssen Unternehmen Geld investieren. Und da der Staat sich schon mehr als die H\u00e4lfte der Einkommen der Menschen als Steuern und Abgaben nimmt, stellt sich eben die Frage: Soll er wirklich noch mehr bekommen? Wir Freie Demokraten lehnen das jedenfalls ab.<\/p>\n<p>Frage: Jens Teutrine, der Vorsitzende der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, hat gegen\u00fcber watson w\u00e4hrend des FDP-Parteitags im Mai gesagt: \u201eIch will nicht sparen im Sozialbereich.\u201c Versprechen Sie das auch, Herr Wissing?<\/p>\n<p>Wissing: Unser Sozialstaat sollte uns viel wert sein, aber man muss auch etwas \u00e4ndern. Zum Beispiel beim Rentensystem, das wir inzwischen mit 106 Milliarden Euro Steuergeld pro Jahr bezuschussen, weil es sich sonst nicht mehr tr\u00e4gt. Das muss reformiert werden, darf aber nicht dazu f\u00fchren, dass die Leute am Ende weniger Rente erhalten. Wir m\u00fcssen \u00fcberlegen, wie wir mehr Geld in das Rentensystem bekommen und dieses effizienter nutzen. Deswegen schlagen wir eine gesetzliche Aktienrente vor.<\/p>\n<p>Frage: Noreen, wie oft sagen dir Menschen in deiner Heimatstadt Cottbus oder in deinem Wahlkreis Berlin-Lichtenberg, dass sie Angst haben, die FDP wolle ihnen etwas wegnehmen?<\/p>\n<p>Thiel: Das kommt vor. Aber das kommt eben von den Klischees, die es \u00fcber die FDP gibt. Ich glaube, wenn du den Menschen unaufgeregt erkl\u00e4rst, dass die FDP ihnen nichts wegnehmen will und es ihnen nicht schlechter gehen wird durch unsere Ideen, sondern im Gegenteil, dann funktioniert das.<\/p>\n<p>Frage: Du gehst auf deinen Profilen auf Instagram und Twitter sehr offen mit Anfeindungen um, die du erlebst \u2013 und mit sexistischen und extrem beleidigenden Nachrichten, die du bekommst. Warum machst du das?<\/p>\n<p>Thiel: Viele Menschen glauben, du bist unglaublich privilegiert, wenn du irgendwas mit Politik machst. Ich will niemanden abschrecken \u2013 aber eben zeigen, dass politische T\u00e4tigkeit nicht nur hei\u00dft, von einer Location zur anderen zu fahren und viel Schnaps zu trinken. Mal abgesehen davon, dass ich eh\u2018 keinen Schnaps trinke. Was ich sagen will: Politik zu machen hat eine Schattenseite, das sollte jeder wissen.<\/p>\n<p>Frage: Herr Wissing, was tut die FDP eigentlich, um ihren Kandidaten zu helfen, wenn sie angefeindet werden? Frauen trifft der Hass ja meistens besonders hart.<\/p>\n<p>Wissing: Zentrale Ansprechpartnerin f\u00fcr Betroffene ist unsere FDP-Diversity-Beauftragte. Eine weitere Anlaufstelle im Bund und in den einzelnen Gliederungen sind die Vertrauenspersonen. Sie sind Ansprechpartner, wenn Konflikte bestehen und Grenzen \u00fcberschritten wurden. Damit haben wir ein Netzwerk, an das man sich wenden kann, wenn so etwas passiert. Wir versuchen, als liberale Familie stark zu sein, wenn wir von au\u00dfen angegriffen werden. Zudem haben wir uns mit den Generalsekret\u00e4ren und Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrern von Union, SPD, Gr\u00fcnen und Linken auf einen gemeinsamen Kodex f\u00fcr einen fairen Wahlkampf verst\u00e4ndigt. Wir freuen uns nicht dar\u00fcber, wenn der Hass jemanden mit einer anderen politischen Farbe trifft, sondern sehen das immer auch als eigenes Problem an.<\/p>\n<p>Frage: Der Mord an CDU-Politiker Walter L\u00fcbcke durch einen Neonazi im Jahr 2019 hat drastisch gezeigt, wohin politischer Hass f\u00fchren kann. Noreen, du stehst ganz am Anfang deiner politischen Karriere. Wie viel Angst machen dir Anfeindungen?<\/p>\n<p>Thiel: Es ist nicht Angst. Es ist ein gesundes Bewusstsein daf\u00fcr, was passieren kann. Du musst f\u00fcr dich selbst immer wieder entscheiden, wie weit du gehst, was du in manchen Momenten machst oder sagen kannst. Es ist unglaublich, dass man dar\u00fcber nachdenken muss. Aber es ist einerseits wichtig, sich nicht selbst zu verlieren. Und andererseits musst du auf deine Sicherheit achten, wenn du dich politisch engagierst.<\/p>\n<p>Frage: Du gehst auch sehr offen mit deiner Depression um, mit den schwachen Momenten, die du erlebst. Bereust du diese Offenheit manchmal?<\/p>\n<p>Thiel: Nee, gar nicht. Weil ich so offen damit umgehe, haben Menschen in meinem Umfeld ein viel gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein f\u00fcr das Problem. Und wenn ich sage: \u201eEy, ich kann heute nicht, ich brauche einen Self-Care-Tag\u201c, dann verstehen sie das. In letzter Zeit ist mir das zum Gl\u00fcck nicht so oft passiert. Aber es hat mir gerade in meinem Umfeld sehr geholfen, Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu haben. Mehr Menschen wissen jetzt, wie diese Krankheit sich \u00e4u\u00dfert \u2013 und verstehen, dass wir etwas tun m\u00fcssen f\u00fcr psychische Gesundheit.<\/p>\n<p>Frage: Wie sehen Sie das, Herr Wissing? F\u00fcr Politiker aus Ihrer Generation w\u00e4re es kaum denkbar, so offen mit eigenen psychischen Problemen umzugehen.<\/p>\n<p>Wissing: Ich glaube, fr\u00fcher dachten Politiker st\u00e4rker, bestimmten Erwartungen entsprechen zu m\u00fcssen. Aber B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger erwarten von uns, dass wir uns nicht verstellen. Das hei\u00dft nicht, dass man Privates \u00f6ffentlich machen muss. Aber man muss auch keine Angst davor haben, es zu tun. Authentisch zu sein, macht Politikerinnen und Politiker nicht schwach, sondern am Ende stark. Viele glauben aber immer noch, dass sie, wenn sie in die Politik gehen, bestimmte Dinge sagen m\u00fcssen, weil die besonders gut ankommen.<\/p>\n<p>Frage: Sie meinen, dass manche als Arbeitstiere r\u00fcberkommen wollen und deshalb nicht \u00fcber Schw\u00e4chen oder die eigenen Grenzen sprechen.<\/p>\n<p>Wissing: Ja, dass man vorgibt, unendlich leistungsf\u00e4hig zu sein. Man muss das aber nicht. Man kann auch als Politiker sagen: \u201eMir ist das gerade zu viel.\u201c Ich glaube, dass die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger es viel ehrlicher finden, wenn jemand menschliche Schw\u00e4chen zugibt, als wenn sie oder er vorgibt, perfekt oder unfehlbar zu sein.<\/p>\n<p>Frage: Andererseits besteht der Alltag vieler Abgeordneter aus Wochen mit 70-80 Arbeitsstunden, von Ministern ganz zu schweigen. Ist Spitzenpolitik \u00fcberhaupt m\u00f6glich ohne diesen krassen Arbeitsrhythmus und die entsprechende psychische Belastung?<\/p>\n<p>Wissing: Es gibt in der Politik Zeiten, in denen man so hart arbeiten muss, dass man an k\u00f6rperliche Grenzen kommt. Wer Abgeordneter oder Ministerin wird, bekommt die Kompetenz \u00fcbertragen, Entscheidungen im Interesse aller B\u00fcrger zu treffen. Wer diese Verantwortung tr\u00e4gt, der kann eben schwer sagen, ich habe jetzt acht Stunden gearbeitet, jetzt geht es nicht mehr. Das bedeutet, dass man private Opfer bringen muss.<\/p>\n<p>Frage: Was war das bei Ihnen?<\/p>\n<p>Wissing: Das gr\u00f6\u00dfte Opfer, das die meisten Politikerinnen und Politiker bringen m\u00fcssen, ist wenig Zeit f\u00fcr die Familie zu haben. Man verpasst so bestimmte Momente zum Beispiel im Leben seiner Kinder, die unwiederbringlich sind \u2013 und wenn einem das so richtig bewusst wird, ist es zu sp\u00e4t. Da hinterfragt man sich dann auch schon einmal, ob man immer die richtigen Priorit\u00e4ten gesetzt hat.<\/p>\n<p>Frage: Was kann man in einem hohen politischen Amt dann \u00fcberhaupt f\u00fcr die eigene psychische Gesundheit tun?<\/p>\n<p>Wissing: Wer l\u00e4nger in der Politik bleibt, muss lernen, zu delegieren. Und auch mal Nein zu sagen.<\/p>\n<p>Frage: Wie blickst du auf diese Aussicht, Noreen? Auf die extreme Arbeitsbelastung, die dich wohl als Bundestagsabgeordnete erwarten w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Thiel: Dass Politiker keine Acht-Stunden-Tage haben und dass der Job unglaublich belastend sein kann, ist ja bekannt. Das habe ich auch nie schlecht gefunden. Ich arbeite gerne. Aber so, wie sich auch jemand mit einer schweren Erk\u00e4ltung krankmeldet, sollte auch jemand, der drei Wochen lang immer 60 bis 80 Stunden gearbeitet hat, eine Pause einlegen. Und wer dir das nicht verzeihen kann, dem sage ich: Check your attitude.<\/p>\n<p>Frage: Die FDP hat ein Problem, das sie offensichtlich nicht in den Griff bekommt: ihren niedrigen Frauenanteil. Nur 22,5 Prozent Frauen in der Bundestagsfraktion, nur ein Viertel des Pr\u00e4sidiums der Partei sind Frauen. Noreen, warum kriegt deine Partei das nicht besser hin?<\/p>\n<p>Thiel: Das ist eine hervorragende Frage. Keine Ahnung. Du kannst niemanden zwingen, in eine Partei einzutreten \u2013 und schon gar nicht dazu, ein Amt zu \u00fcbernehmen. Man bekommt Menschen nur dazu, indem man sie \u00fcberzeugt. Und da hat sich nach meinem Eindruck in der FDP sehr viel verbessert. Die FDP m\u00f6chte ja eine moderne, zukunftsgewandte Partei sein. Und der gesellschaftliche Trend geht dahin, dass man mehr Diversit\u00e4t von der FDP erwartet: mehr Menschen mit Migrationsgeschichte, mehr junge Menschen, mehr Frauen. Wenn die FDP irgendwann nicht abgeschlagen sein m\u00f6chte, dann m\u00fcssen wir das hinbekommen.<\/p>\n<p>Wissing: Die meisten Parteien haben das mit einer Quote gel\u00f6st. F\u00fcr die FDP ist das aber kein attraktives Angebot. Wir stehen f\u00fcr einen Staat, der auf Freiheit und Verantwortung setzt \u2013 da k\u00f6nnen wir unsere eigenen Angelegenheiten nicht durch Zwang l\u00f6sen, also m\u00fcssen wir auf andere Weise aktiv werden.<\/p>\n<p>Frage: Und wie wollen Sie das Problem als FDP-Generalsekret\u00e4r l\u00f6sen?<\/p>\n<p>Wissing: Als ich 2011 Landeschef in Rheinland-Pfalz wurde, habe ich der Landespartei gesagt: \u201eBei allen Vorschl\u00e4gen f\u00fcr den Landesvorstand stehen wir in der Verantwortung, dass so viele Frauen wie M\u00e4nner dabei sind.\u201c<\/p>\n<p>Frage: Sie wollen also keine Frauenquote im Parteistatut, haben aber als FDP-Landeschef selbst eine Quote vorgegeben?<\/p>\n<p>Wissing: Ich habe es so formuliert: Wer keine Quote will, der muss beweisen, dass man sie nicht braucht. Das Ergebnis ist, dass wir in Rheinland-Pfalz inzwischen unsere Wahllisten faktisch parit\u00e4tisch besetzen: Wir haben vier FDP-Abgeordnete aus dem Land im Bundestag, zwei M\u00e4nner, zwei Frauen. Auf unseren Listen f\u00fcr Landtag und Bundestag stehen vorne gleichviel Frauen und M\u00e4nner. Meine Nachfolgerin im Wirtschaftsministerium in Mainz ist eine Frau, deren Nachfolgerin als Staatssekret\u00e4rin ist auch eine Frau.<\/p>\n<p>Frage: Das bekommt au\u00dferhalb von Rheinland-Pfalz aber fast niemand mit. Wer die Bundespolitik verfolgt, sieht: Volker Wissing ist 2020 FDP-Generalsekret\u00e4r an Stelle einer Frau geworden. Statt Linda Teuteberg.<\/p>\n<p>Wissing: Das passt nun wirklich nicht in die Reihe. Es gibt das Amt nur einmal, die Funktion k\u00f6nnen Sie also nicht parit\u00e4tisch besetzen. Christian Linder hat ein ganz bestimmtes Profil gesucht f\u00fcr diese Aufgabe: jemanden, zu dem er ein enges Vertrauensverh\u00e4ltnis hat, der Regierungserfahrung und Wirtschaftskompetenz mitbringt. Dem habe ich entsprochen. Das hatte nichts mit meinem Geschlecht zu tun.<\/p>\n<p>Frage: Okay, aber was tun Sie jetzt auf Bundesebene f\u00fcr Gleichberechtigung?<\/p>\n<p>Wissing: Wir haben im Pr\u00e4sidium daf\u00fcr gesorgt, dass starke Frauen hinzugekommen sind. Wir haben in Sachsen-Anhalt voraussichtlich bald mit Lydia H\u00fcskens eine Ministerin in der Landesregierung. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Wende in der Parteif\u00fchrung. Ich finde, es ist eine St\u00e4rke der FDP, dass die Partei den Mut hat, diesen schwierigeren Weg zu gehen, ohne Quote. Wohin eine solche f\u00fchren kann, hat man jetzt bei den Gr\u00fcnen gesehen, mit dem Streit um die Landesliste im Saarland \u2013 der am Ende dazu gef\u00fchrt hat, dass die Gr\u00fcnen nicht auf dem Wahlzettel f\u00fcr die Bundestagswahl stehen und sie im Saarland niemand w\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p>Frage: Noreen, wie viel Geduld hast du bei dem Thema mit deiner Partei?<\/p>\n<p>Thiel: Nicht jeder FDP-Landesverband macht es wie der in Rheinland-Pfalz \u2013 aber das ist doch a way to go. Der gesellschaftliche Trend entwickelt sich in Richtung Gleichberechtigung. Und wer nicht jedesmal weggeshitstormt werden will, wenn er eine Wahlliste oder ein Gruppenfoto ver\u00f6ffentlicht, der muss das Thema einfach angehen. Ich finde das voll in Ordnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FDP-Generalsekret\u00e4r Dr. Volker Wissing und die j\u00fcngste FDP-Bundestagskandidatin Noreen Thiel gaben \u201ewatson Online\u201c (heute) das folgende Interview. Die Fragen stellte Sebastian Heinrich: Frage: Noreen, du hast am 19. 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