{"id":2481,"date":"2021-09-10T13:41:15","date_gmt":"2021-09-10T11:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=2481"},"modified":"2021-09-10T13:41:15","modified_gmt":"2021-09-10T11:41:15","slug":"lambsdorff-interview-ein-tag-von-schock-entsetzen-und-trauer-9-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/09\/10\/lambsdorff-interview-ein-tag-von-schock-entsetzen-und-trauer-9-11\/","title":{"rendered":"LAMBSDORFF-Interview: Ein Tag von Schock, Entsetzen und Trauer 9\/11"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff gab \u201estimme.de\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Hans-J\u00fcrgen Deglow:<\/p>\n<figure id=\"attachment_1396\" aria-describedby=\"caption-attachment-1396\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1396\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Alexander_Graf_Lambsdorff.jpg\" alt=\"Alexander Graf Lambsdorff:\" width=\"750\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Alexander_Graf_Lambsdorff.jpg 750w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Alexander_Graf_Lambsdorff-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1396\" class=\"wp-caption-text\">Alexander Graf Lambsdorff<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frage: Herr Lambsdorff, was sind Ihre Erinnerungen an den 11. September 2001?<\/p>\n<p>Lambsdorff: Ich habe damals in Washington gelebt, war an dem Tag aber nicht dort, sondern in Europa, es war f\u00fcr uns alle ein absoluter Schock. Ich sa\u00df in einem Raum voller weinender Menschen, wir verfolgten zutiefst best\u00fcrzt die Ereignisse in Amerika. Die Lage \u00e4nderte sich min\u00fctlich und wurde immer bedrohlicher. Dann kam f\u00fcr mich ein ganz pers\u00f6nlicher Schrecken hinzu: In einer Eilmeldung hie\u00df es pl\u00f6tzlich, ein viertes Flugzeug sei im Au\u00dfenministerium in Washington eingeschlagen. Ich habe in den USA studiert und viele Freunde im State Department, ich f\u00fcrchtete um ihr Leben. Gl\u00fccklicherweise war wenigstens dies eine Falschmeldung. Insgesamt bleibt aber die Erinnerung an einen Tag von Schock, Entsetzen und Trauer.<\/p>\n<p>Frage: Hat das etwas ver\u00e4ndert, wie Sie au\u00dfenpolitische Herausforderungen bewerten?<\/p>\n<p>Lambsdorff: Der islamistische Terrorismus war zwar schon auf dem Radarschirm, aber er stand nicht ganz oben auf der Agenda. Das hat sich mit 9\/11 dramatisch ge\u00e4ndert. Wir hatten zwischen den gro\u00dfen Wendejahren 89\/90\/91 und dem 11. September 2001 ein Jahrzehnt der internationalen Zusammenarbeit und der globalen Konferenzen erlebt. Das Hochgef\u00fchl dieser Dekade endet abrupt und auf eine brutale Weise. Es war klar, dass die Amerikaner diesen Angriff nicht unbeantwortet lassen konnten. Es zeigte sich aber auch, wie stark die transatlantische Allianz ist. Rot-Gr\u00fcn, damals in der Regierung, erkl\u00e4rte die uneingeschr\u00e4nkte Solidarit\u00e4t der Bundesrepublik mit den USA. Das haben alle mitgetragen und das war auch absolut richtig, wie wir da zusammen gestanden haben.<\/p>\n<p>Frage: Sind die Bedrohungen heute sogar vielf\u00e4ltiger, wenn man beispielsweise an Cyberbedrohungen denkt? Und wie gef\u00e4hrlich ist der Terrorismus geblieben?<\/p>\n<p>Lambsdorff: Jede Epoche hat ihre Sicherheitsherausforderungen. Ich denke, dass alle Sicherheitsbeh\u00f6rden und alle Nachrichtendienste heute viel besser geschult sind, um islamistische Bedrohungen zu erkennen. Wir haben in Deutschland beispielsweise einige Erfolge gehabt, so wurde die Sauerland-Gruppe zerschlagen, die auch schwere Anschl\u00e4ge geplant hat. Aber es wird nie eine hundertprozentige Sicherheit geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frage: Wenn wir auf neue Bedrohungslagen schauen, wird immer h\u00e4ufiger die expansive Aufr\u00fcstungspolitik Chinas genannt. US-Pr\u00e4sident Joe Biden hat k\u00fcrzlich sogar von der M\u00f6glichkeit eines echten Krieges zwischen Superm\u00e4chten gesprochen und nannte als m\u00f6glichen Ausl\u00f6ser Cyberattacken. Wie bewerten sie solche Aussagen?<\/p>\n<p>Lambsdorff: Das w\u00e4re ein Horrorszenario, denn es handelt sich hier um zwei Nuklearm\u00e4chte. Ein nukleares Armageddon w\u00e4re das Ende der Menschheit. Insofern m\u00fcssen Wege gefunden werden, um einen milit\u00e4rischen Konflikt zu verhindern. Ich ordne Bidens Bemerkung daher als Abschreckung ein. Ich glaube, er will der F\u00fchrung in Peking signalisieren, dass sie sich zur\u00fcckhalten sollte mit der st\u00e4ndigen Kriegsf\u00fchrung gegen die USA und Europa im Cyberraum. Ich w\u00fcrde mir \u00e4hnliche Signale auch in Richtung Russland w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Frage: 20 Jahre nach dem 11. September endete der Einsatz in Afghanistan mit einem \u00fcberst\u00fcrzten R\u00fcckzug und der Macht\u00fcbernahme durch die Taliban. Sind Sie entt\u00e4uscht von Biden?<\/p>\n<p>Lambsdorff: Nein. Nat\u00fcrlich gibt es das eine oder andere zu kritisieren, beispielsweise was Konsultationen oder das Fehlen derselben angeht. Dass der Abzug kommen w\u00fcrde, stand aber seit April im Grunde fest. Darauf h\u00e4tte sich die Bundesregierung einstellen m\u00fcssen. Insbesondere das Szenario eines schnellen Falls der Hauptstadt Kabul wurde bei den Amerikanern ja schon diskutiert und gegen\u00fcber der Bundesregierung auch kommuniziert. Trotzdem ist die Planung nicht richtig angelaufen. Die Verantwortung f\u00fcr einen sicheren Abzug und gefahrlosen Evakuierung unserer eigenen Staatsangeh\u00f6rigen tr\u00e4gt die Bundesregierung, nicht Joe Biden.<\/p>\n<p>Frage: Damit ein k\u00fcnftiger Untersuchungsausschuss einmal nachvollziehen kann, wer in der Bundesregierung was zu welchem Zeitpunkt der Afghanistan-Krise wusste und entschied, k\u00f6nnten mit Hilfe eines L\u00f6schmoratoriums alle Akten und Daten in verschiedenen Ministerien gesichert werden. Eine Debatte \u00fcber diesen Vorsto\u00df und das Thema Afghanistan wurde nun aber verhindert, weil Union und SPD gegen den entsprechenden Gesch\u00e4ftsordnungsantrag der Gr\u00fcnen votierten.<\/p>\n<p>Lambsdorff: Tats\u00e4chlich ist ein L\u00f6schmoratorium \u00fcberf\u00e4llig. Wir haben doch zum Beispiel bei Scheuers Ausl\u00e4ndermaut erlebt, dass Handydaten im Ministerium gel\u00f6scht wurden. Insofern war das ein richtiger Antrag. Au\u00dferdem darf sich Europa nicht auseinanderdividieren lassen, sondern im Gegenteil, Europa muss enger zusammenr\u00fccken in der Afghanistan-Politik. Das ist der Ansatz der Freien Demokraten, und dies w\u00e4re sicher ebenfalls eine Debatte wert gewesen. Leider haben die CDU\/CSU und SPD diese Diskussion mit Gesch\u00e4ftsordnungstricks verhindert und sich so der berechtigten Kritik entzogen.<\/p>\n<p>Frage: Der Historiker Heinrich August Winkler urteilt, dass Freiheitsbeschr\u00e4nkungen nach 9\/11 in den Vereinigten Staaten viel autorit\u00e4rer und willk\u00fcrlicher gewesen seien, als wir das heute unter Corona erleben w\u00fcrden \u2026<\/p>\n<p>Lambsdorff: Winkler hat recht. Der Patriot Act, der damals in den USA verabschiedet wurde, hat den Sicherheitsbeh\u00f6rden \u00dcberwachungsbefugnisse einger\u00e4umt, die wir so in der Europ\u00e4ischen Union keinem Mitgliedsstaat durchgehen lassen w\u00fcrden. Allerdings haben wir auch in Deutschland in dieser Coronakrise Situationen gehabt, in denen die Bundesregierung manchmal deutlich mehr Einschr\u00e4nkungen wollte als wirklich erforderlich waren. Und da haben wir als Freie Demokraten dann gefragt: Ist die Ma\u00dfnahme wirklich n\u00f6tig, ist sie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig? Da haben wir unsere DNA als B\u00fcrgerrechtspartei gezeigt. Auch in einer schwierigen Situation, auch in einer Pandemie, deren Ernsthaftigkeit wir nie in Abrede gestellt haben, gilt das Grundgesetz, gelten die b\u00fcrgerlichen Freiheiten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff gab \u201estimme.de\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Hans-J\u00fcrgen Deglow: Frage: Herr Lambsdorff, was sind Ihre Erinnerungen an den 11. September 2001? 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