{"id":4408,"date":"2022-02-10T15:29:22","date_gmt":"2022-02-10T14:29:22","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=4408"},"modified":"2022-02-10T15:29:22","modified_gmt":"2022-02-10T14:29:22","slug":"stark-watzinger-interview-es-waere-falsch-die-schulen-noch-einmal-zu-schliessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2022\/02\/10\/stark-watzinger-interview-es-waere-falsch-die-schulen-noch-einmal-zu-schliessen\/","title":{"rendered":"STARK-WATZINGER-Interview: Es w\u00e4re falsch, die Schulen noch einmal zu schlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Bettina Stark-Watzinger gab der \u201eRheinischen Post\u201c (Donnerstag-Ausgabe) und \u201eRP Online\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellten Jan Drebes und Kerstin M\u00fcnstermann:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2284\" aria-describedby=\"caption-attachment-2284\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2284\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg\" alt=\"Bettina Stark-Watzinger\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-300x200.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-768x512.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2284\" class=\"wp-caption-text\">Bettina Stark-Watzinger am 22.11.17 in Berlin im Deutschen Bundestag. \/ Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frage: Frau Stark-Watzinger, Sie sind Mutter von zwei Kindern. Vers\u00fcndigen wir uns in der Pandemie an der j\u00fcngeren Generation?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Belastung f\u00fcr Kinder, Jugendliche, Studierende und ihre Familien ist immens. Zum einen durch den Bildungsausfall, aber auch die Einschr\u00e4nkungen des sozialen Lebens. Wir m\u00fcssen nach den Erfahrungen der ersten Wellen und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts alles unternehmen, um das Recht auf Bildung zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Frage: Braucht es eine Form von Anerkennung f\u00fcr die Solidarit\u00e4t der J\u00fcngsten?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Mein Eindruck ist, dass sich junge Menschen vor allem sichere und moderne Schulen w\u00fcnschen. Da w\u00e4re zum Beispiel mit mehr Luftfiltern viel geholfen. Und die Digitalisierung muss endlich so funktionieren, dass es zu keinem Bildungsausfall mehr kommt und individuelleres Lernen m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>Frage: Haben Sie sich schon mit #WirWerdenLaut getroffen? Die Sch\u00fclervertreter baten um ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Noch nicht, aber ich habe ein konkretes Gespr\u00e4chsangebot f\u00fcr Ende dieser Woche gemacht. Bereits stattgefunden hat ein Gespr\u00e4ch mit der Bundessch\u00fclerkonferenz.<\/p>\n<p>Frage: Wie bewerten Sie deren Forderungen? Omikron rauscht durch die Schulen, es wirkt, als h\u00e4tte man den Kampf aufgegeben.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ich verstehe, dass die Infektionsdynamik und kurzfristige Entscheidungen, wie etwa die Aussetzung der Pr\u00e4senzpflicht in Berlin, zu Verunsicherungen f\u00fchrt. Ich w\u00fcnsche mir im Interesse aller eine bessere Kommunikation und Planbarkeit. Die Frage des Pr\u00e4senzunterrichts sehe ich jedoch anders als die Initiative. Durch regelm\u00e4\u00dfiges Testen, konsequentes Maske tragen und konsequent angewandte Hygieneregeln kann ein hohes Ma\u00df an Sicherheit gew\u00e4hrleistet werden. Es braucht zudem mehr niedrigschwellige Impfangebote an Schulen.<\/p>\n<p>Frage: Sie haben die Pr\u00e4senzpflicht an Schulen als hohes Gut bezeichnet. Was hei\u00dft das?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es w\u00e4re falsch, die Schulen noch einmal zu schlie\u00dfen. Denn die Auswirkungen sind fatal. Es w\u00fcrden weitere Lernl\u00fccken entstehen und sozial benachteiligte Sch\u00fcler weiter abgeh\u00e4ngt. Pr\u00e4senzunterricht ist eine Frage der Chancengerechtigkeit. Zudem sind digitale Angebote noch nicht ausreichend vorhanden.<\/p>\n<p>Frage: Sie haben das Testen angesprochen \u2013 die neue Verordnung ist noch nicht da. Was soll denn Ihrer Ansicht nach an Schulen gelten?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es muss schnell ein verbindlicher Mindeststandard festgelegt werden, damit die Schulen rechtssicher handeln k\u00f6nnen. Und damit auch die Familien Sicherheit haben.<\/p>\n<p>Frage: Sollten Sch\u00fcler, Studierende und Lehrkr\u00e4fte bei PCR-Tests priorisiert werden?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Pandemie hat gezeigt, dass Bildungseinrichtungen zur kritischen Infrastruktur geh\u00f6ren. Ich habe daher gegen\u00fcber dem Bundesgesundheitsminister und im Kabinett sehr deutlich gemacht, dass auch Schulen und somit Sch\u00fcler und Lehrpersonal priorisiert werden sollten. Es ist schon einmal gut, dass der Anspruch auf einen PCR-Test f\u00fcr alle erhalten bleibt.<\/p>\n<p>Frage: Braucht es eine einrichtungsbezogene Impfplicht auch f\u00fcr Lehrende?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Impfbereitschaft bei den Lehrerinnen und Lehrern ist schon sehr hoch. Sie gehen mit gutem Vorbild voran.<\/p>\n<p>Frage: Wird die allgemeine Impfplicht kommen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es ist zun\u00e4chst einmal gut, dass wir im Bundestag anhand von Gruppenantr\u00e4gen beraten, die aus der Mitte des Parlaments kommen. Es gilt gut abzuw\u00e4gen zwischen dem Freiheitseingriff und dem Gesundheitsschutz.<\/p>\n<p>Frage: Haben Sie sich schon festgelegt?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger Nein, aber ich sehe eine allgemeine Impfpflicht ab 18 Jahren kritisch. Wir sollten das mildeste Mittel w\u00e4hlen, um Menschenleben zu sch\u00fctzen und die Pandemie nachhaltig hinter uns lassen. Ich neige zu einer Impfplicht ab 50 Jahren, wenn es keine verfassungsrechtlichen Bedenken gibt.<\/p>\n<p>Frage: Ist die Union noch im Boot?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ich bedaure sehr, dass die Union aus dem Thema parteipolitisches Kapital schlagen will. Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der hat als einer der Ersten vehement f\u00fcr eine einrichtungsbezogene Impfpflicht pl\u00e4diert. Jetzt weigert er sich, sie umzusetzen. Das ist unerh\u00f6rt. Der Schutz vulnerabler Gruppen muss h\u00f6chste Priorit\u00e4t haben.<\/p>\n<p>Frage: Wie ist Ihre Meinung zu der aktuellen Lockerungsdebatte?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es ist gut, dass erste Lockerungen im Einzelhandel stattfinden. Wir m\u00fcssen schon jetzt weitere \u00d6ffnungsschritte planen und dies gut kommunizieren. Gleichzeitig m\u00fcssen wir sp\u00e4testens den Sommer dazu nutzen, um uns gut auf den Herbst vorzubereiten. So m\u00fcssen wir zum Beispiel \u00fcberpr\u00fcfen, ob das Geld f\u00fcr Luftfilter an Schulen und auch den Digitalpakt abgerufen wurde.<\/p>\n<p>Frage: Hat RKI-Chef Wieler noch ihr Vertrauen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Kommunikation beim Genesenen-Status war sehr ungl\u00fccklich und hat zur Verunsicherung beigetragen. Deswegen muss der Bundesgesundheitsminister sicherstellen, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann.<\/p>\n<p>Frage: Muss Herr Wieler zur\u00fccktreten?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Das muss der Bundesgesundheitsminister entscheiden. Aber es wurde viel Vertrauen verspielt.<\/p>\n<p>Frage: Auch an den Unis hat die Pandemie verheerende Folgen. Haben die Studierenden sp\u00e4ter am Arbeitsmarkt Folgen zu bef\u00fcrchten?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Studierende haben ebenfalls stark unter der Pandemie gelitten, aber sie k\u00f6nnen besser mit der Situation umgehen. Bei den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern wird es lange dauern, die gro\u00dfen Lernl\u00fccken auszugleichen. Manche von ihnen wurden gar nicht mehr erreicht. Da braucht es neben dem Corona-Aufholprogramm auch das Startchancen-Programm, mit dem 4000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Sch\u00fcler besonders gef\u00f6rdert werden sollen.<\/p>\n<p>Frage: Erw\u00e4gen Sie den Wegfall von Ferien, um Unterricht nachholen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wichtig ist, dass man nachhaltig hilft. Sommercamps sind gut, aber sie reichen nat\u00fcrlich nicht aus. Deshalb m\u00fcssen wir die Schulen grunds\u00e4tzlich besser aufstellen, etwa was die digitale Bildung angeht.<\/p>\n<p>Frage: Ein Flaschenhals beim Klimaschutz und der industriellen Transformation sind die fehlenden Fachkr\u00e4fte. Was wollen Sie tun, um die Ausbildung zu boostern?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir brauchen ein einfaches, modernes Fachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetz. Ich denke dabei an ein Punktemodell etwa nach dem Vorbild von Kanada. Auch braucht es die schnellere Anerkennung ausl\u00e4ndischer Berufsabschl\u00fcsse und die M\u00f6glichkeit zur Nachqualifikation. Wir sollten durch zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen versuchen, die vielen ausl\u00e4ndischen Studierenden naturwissenschaftlicher F\u00e4cher bei uns im Land zu halten. Und wir brauchen eine Exzellenzinitiative in der beruflichen Bildung, um diese attraktiver zu machen. Dazu geh\u00f6rt das \u00d6ffnen von Begabtenf\u00f6rderwerken auch f\u00fcr die berufliche Bildung, um den Austausch untereinander zu f\u00f6rdern. F\u00fcr die gro\u00dfe Herausforderung der klimagerechten Transformation der Wirtschaft braucht es schlie\u00dflich nicht nur Akademiker.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Bettina Stark-Watzinger gab der \u201eRheinischen Post\u201c (Donnerstag-Ausgabe) und \u201eRP Online\u201c das folgende Interview. 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