{"id":5521,"date":"2022-05-15T08:40:45","date_gmt":"2022-05-15T06:40:45","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=5521"},"modified":"2022-05-15T08:51:55","modified_gmt":"2022-05-15T06:51:55","slug":"konrad-stockmeier-die-energiewende-nicht-nur-in-deutschem-kontext-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2022\/05\/15\/konrad-stockmeier-die-energiewende-nicht-nur-in-deutschem-kontext-denken\/","title":{"rendered":"Konrad Stockmeier: \u201eDie Energiewende nicht nur in deutschem Kontext denken\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Konrad Stockmeier (FDP) im Interview mit der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c<\/h3>\n<div class=\"text1\">\n<p>Vorabmeldung zu einem Interview in der n\u00e4chsten Ausgabe der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c (Erscheinungstag 16. Mai 2022)<\/p>\n<p>Mit einem Appell, die Energiewende im europ\u00e4ischen Rahmen voranzutreiben, hat sich der FDP-Abgeordnete Konrad Stockmeier zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c (Erscheinungstag: 16. Mai 2022) forderte er, beim Ausbau der Erneuerbaren Energien \u201eeng mit unseren Partnern in der EU zusammenzuarbeiten\u201c. Als Beispiel nannte Stockmeier die Nutzung von Offshore-Kapazit\u00e4ten in der Ostsee in den Gew\u00e4ssern von EU-Partnerstaaten. Dies st\u00e4rke die Partnerschaft mit anderen EU-L\u00e4ndern, treibe die Integration des EU-Strommarktes voran und helfe, die Energiewende so kosteneffizient wie m\u00f6glich zu realisieren. F\u00fcr die Partnerstaaten erg\u00e4ben sich daraus \u201eganz neue Exportm\u00f6glichkeiten\u201c.<\/p>\n<p>Beim Ausbau der Erneuerbaren d\u00fcrfe man \u201enicht deutsch denken\u201c, sondern solle ihn auf Ebene der Europ\u00e4ischen Union vorantreiben \u201eund das zusammen mit Partnern auch au\u00dferhalb der EU tun, die unsere Werte teilen\u201c. Dann k\u00f6nne er \u201eeine Erfolgsstory werden\u201c. Mit Blick auf die neu entfachte Debatte \u00fcber Abstandsregeln von Windr\u00e4dern betonte Stockmeier, \u201edass man Windkraftanlagen nicht beliebig nahe beispielsweise an Wohnbebauung\u201c errichten k\u00f6nne.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5522\" aria-describedby=\"caption-attachment-5522\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stockmeier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5522\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stockmeier.jpg\" alt=\"Konrad Stockmeier MdB\" width=\"750\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stockmeier.jpg 750w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stockmeier-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5522\" class=\"wp-caption-text\">Konrad Stockmeier MdB<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Herr Stockmeier, Deutschland will seine Energieabh\u00e4ngigkeit von Russland m\u00f6glichst schnell verringern und gleichzeitig den Klimaschutz voranbringen. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, gegen\u00fcber jetzt gut 40 Prozent. Gleichzeitig brauchen aber Elektromobilit\u00e4t, W\u00e4rmepumpenheizung und elektrifizierte Prozesse in der Industrie mehr Strom. Die Kapazit\u00e4ten m\u00fcssen also vervielfacht werden. Kann das denn gelingen?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier:<\/strong> Wir Freien Demokraten stehen klar zur Energiewende, zur Dekarbonisierung unserer Wirtschaft und damit auch unserer Energieerzeugung. Wir sind der festen \u00dcberzeugung, dass das marktg\u00e4ngig gelingen kann. Es ist eine gro\u00dfe Herausforderung, die unser Land ver\u00e4ndern wird und sich da und dort auch ganz konkret auf unsere Lebensweise auswirken wird. Sie ist durch zwei ganz starke Motive getrieben: Zum einen durch die Notwendigkeit, auf den Klimawandel ad\u00e4quat zu reagieren und ihn einzud\u00e4mmen. Zum anderen durch die Notwendigkeit, in der Energieversorgung unabh\u00e4ngig zu werden von autorit\u00e4ren Systemen, die uns und unserem freiheitlichen Gesellschaftsmodell gegen\u00fcber ein gewisses Erpressungspotenzial in der Hand haben. In dem Zusammenhang m\u00f6chte ich an die Formulierung von Christian Lindner erinnern, dass es sich bei den regenerativen Energien um Freiheitsenergien handelt. Dabei ist uns Freien Demokraten auch ganz wichtig, dass wir diese Energiewende nicht nur in einem deutschen, sondern mindestens in einem europ\u00e4ischen Kontext denken.<\/p>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Was ist darunter zu verstehen?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier:<\/strong> Dass wir bei der Energiewende eng mit unseren Partnern in der EU zusammenarbeiten. Und selbstverst\u00e4ndlich muss da an den Grenzen der EU keineswegs Schluss sein. Es ist ein Projekt, das Potenziale birgt, zu deren Realisierung wir auch Partner in anderen Regionen der Erde mit einbinden k\u00f6nnen und sollten.<\/p>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens ist der beschleunigte Ausbau der Windenergie. Aber selbst wenn wie geplant die Abstandsregeln gelockert werden, gibt es in unserem dichtbesiedelten Land \u00fcberhaupt gen\u00fcgend Standorte f\u00fcr die erforderlichen Windstromanlagen?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier:<\/strong> Auch diese Frage will ich nicht alleine im deutschen Kontext beantworten. F\u00fcr Deutschland ist festzuhalten, dass bei der Energiewende die Bev\u00f6lkerung mitgenommen werden muss. Das bedeutet auch, dass man Windkraftanlagen nicht beliebig nahe beispielsweise an Wohnbebauung errichtet. Es geh\u00f6rt \u00fcbrigens auch dazu, dass wir die Errichtung von Onshore-Windanlagen nicht an Standorten \u00fcbersubventionieren, an denen unter Effizienzgesichtspunkten einfach nicht gen\u00fcgend Wind weht. Wenn man sich mit Akteuren am Markt unterh\u00e4lt, werden ganz andere vielversprechende M\u00f6glichkeiten aufgezeigt, wie Offshore-Kapazit\u00e4ten in der Ostsee in den Gew\u00e4ssern von EU-Partnerstaaten.<\/p>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Sie denken also nicht nur an deutsche K\u00fcsten?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier:<\/strong> Es h\u00f6rt sich an wie Zukunftsmusik, aber es ist sehr viel Dynamik im ganzen energiepolitischen Geschehen. Unter dem Gesichtspunkt, die Partnerschaft mit anderen EU-L\u00e4ndern zu st\u00e4rken, unter dem Gesichtspunkt, auch die Integration des EU-Strommarktes weiter voranzutreiben, sollten wir wirklich diesen europ\u00e4ischen Kontext ins Visier nehmen, auch um die Energiewende so kosteneffizient wie m\u00f6glich zu realisieren. Das birgt auch ganz neue Exportm\u00f6glichkeiten f\u00fcr EU-Partnerstaaten, an deren Realisierung diese wirklich interessiert sein k\u00f6nnten. Und ich verweise gerne darauf und bin auch dankbar daf\u00fcr, dass Robert Habeck als der verantwortliche Minister selbst gesagt hat, es k\u00f6nne nicht darum gehen, dass die Bundesrepublik energieautark wird, sondern dass die Energiewende auch in Kooperation mit unseren Partnern in der EU zu realisieren ist.<\/p>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Ein Problem bei der Energiewende sind die Kapazit\u00e4ten. Derzeitig ist es kaum m\u00f6glich, kurzfristig Photovoltaik-Anlagen, W\u00e4rmepumpen und Ladestationen zu bekommen sowie Handwerker, die sie installieren. Wie soll da eine noch beschleunigte Energiewende auf die Rampe kommen?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier:<\/strong> In der kurzen Frist sind diese Knappheiten tats\u00e4chlich vorhanden. Genau deswegen sollte man das ganze Projekt auch nicht \u00fcberst\u00fcrzt angehen. Man kann die Produktionskapazit\u00e4ten und auch die Men-and-Women-Power, um die Anlagen zu installieren, in der kurzen Zeit nicht beliebig erh\u00f6hen. In der mittleren und l\u00e4ngeren Frist sind Unternehmen und Handwerker aber durchaus so flexibel, auf eine sich \u00e4ndernde Nachfrage zu reagieren. Wenn wir es nicht \u00fcberst\u00fcrzen, nehmen wir vor allem auch Preisdruck aus dem Markt. Wenn sich jetzt zu viel Nachfrage zu schnell entfaltet, wird das gar nicht dazu f\u00fchren, dass mehr Anlagen installiert werden, sondern nur die Preise f\u00fcr die Anlagen in die H\u00f6he treiben.<\/p>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Urspr\u00fcnglich sollte ja vermehrt Gas zur Stromerzeugung eingesetzt werden als Br\u00fccke zwischen Atom- und Kohleausstieg und vollst\u00e4ndigem Ausbau der Erneuerbaren. Sollten jetzt, nach Putins Gro\u00dfangriff auf die Ukraine, Atom und Kohle doch l\u00e4nger genutzt werden, als Br\u00fccke f\u00fcr den Gasausstieg?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier: <\/strong>Bei der Kohleverstromung werden wir einen Anstieg sehen, da hat die Bundesregierung ja bereits erste Ma\u00dfnahmen in die Wege geleitet. Beim Atomstrom muss man sich unter anderem sehr genau die Beschaffungssituation f\u00fcr Uranerz und auch f\u00fcr Brennelemente ansehen. Die bedeutendsten Anbieter auf diesem Markt sind Russland, Belarus und Kasachstan. Es kann ja niemand ernsthaft beabsichtigen, sich von russischem Gas unabh\u00e4ngiger zu machen, nur um dann abh\u00e4ngig zu werden von Uran und Brennelementen aus Russland und einigen seiner engen Partnerstaaten. Frankreich bezieht erhebliche Anteile seines Urans aus Minen in Afrika, von denen sich etliche in chinesischem Besitz befinden. Da w\u00fcrde man sich auch in neue fragw\u00fcrdige Abh\u00e4ngigkeiten begeben. Des Weiteren werden als Anbieterl\u00e4nder oft auch Australien und Kanada ins Feld gef\u00fchrt. Da bliebe abzukl\u00e4ren, ob die \u00fcberhaupt bereit sind, nach Europa zu liefern. Zudem besteht die Aufgabe darin, die Versorgung mit Energie so sicherzustellen und von Russland unabh\u00e4ngig zu werden, dass das in der Ampelkoalition zustimmungsf\u00e4hig ist. Da sehe ich auf Seiten der Gr\u00fcnen kaum eine Bereitschaft, die Laufzeit der Kernkraftwerke zu verl\u00e4ngern. Insofern ist es aus staatspolitischer Verantwortung geboten, sich auf die Ma\u00dfnahmen zu fokussieren, die wir auch wirklich gemeinsam realisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Das Parlament:<\/strong> Noch eine sehr grunds\u00e4tzliche Frage: Im Erneuerbare Energien Gesetz hei\u00dft es, Energiesicherheit sei zu einer Frage der nationalen und europ\u00e4ischen Sicherheit geworden. War sie das nicht eigentlich schon immer, man wollte nur nichts davon wissen?<\/p>\n<p><strong>Stockmeier: <\/strong>Man wollte auch schon immer was davon wissen. Aber unterschiedliche politische Akteure haben die Frage, wie die Sicherheit der Versorgung Deutschlands mit Energie zu gew\u00e4hrleisten ist, unterschiedlich beantwortet. Ich will mich als Neuling im Parlament nicht so sehr damit besch\u00e4ftigen, verschiedenen Akteuren Schuld zuzuweisen. Ich denke, f\u00fcr alle, die sich ernsthaft damit befassen, ist jetzt noch einmal schlagartig klar geworden, dass in Zukunft starke Abh\u00e4ngigkeiten von einzelnen Energielieferanten unbedingt zu vermeiden sind. Erneuerbare Energien sind in der Tat Freiheitsenergien. Und wenn wir deren Ausbau nicht deutsch denken, sondern auf Ebene der Europ\u00e4ischen Union vorantreiben und das zusammen mit Partnern auch au\u00dferhalb der EU tun, die unsere Werte teilen, kann er eine Erfolgsstory werden. Das bedarf einiger Anstrengungen, aber es ist diese Anstrengungen wert.<\/p>\n<p>Konrad Stockmeier (FDP) ist seit Oktober 2021 Abgeordneter im Deutschen Bundestag und Mitglied des Ausschusses f\u00fcr Klimawandel und Energie<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"moreLink\">Pressemitteilung lesen auf <a title=\"www.bundestag.de\" href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/pressemitteilungen\/2022\/pm-220513-das-parlament-stockmeier-894766\">www.bundestag.de<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konrad Stockmeier (FDP) im Interview mit der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c Vorabmeldung zu einem Interview in der n\u00e4chsten Ausgabe der Wochenzeitung \u201eDas Parlament\u201c (Erscheinungstag 16. Mai 2022) Mit einem Appell, die [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1979,173],"tags":[2329],"class_list":["post-5521","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energie","category-podcast","tag-konrad-stockmeier"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5521","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5521"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5521\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5524,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5521\/revisions\/5524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5521"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5521"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5521"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}