{"id":5825,"date":"2022-06-18T07:30:34","date_gmt":"2022-06-18T05:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=5825"},"modified":"2022-06-18T07:30:34","modified_gmt":"2022-06-18T05:30:34","slug":"stark-watzinger-interview-wir-muessen-selbst-staerker-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2022\/06\/18\/stark-watzinger-interview-wir-muessen-selbst-staerker-werden\/","title":{"rendered":"STARK-WATZINGER-Interview: Wir m\u00fcssen selbst st\u00e4rker werden."},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger gab dem \u201eHandelsblatt\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Barbara Gillmann:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2284\" aria-describedby=\"caption-attachment-2284\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2284\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg\" alt=\"Bettina Stark-Watzinger\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-300x200.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-768x512.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2284\" class=\"wp-caption-text\">Bettina Stark-Watzinger am 22.11.17 in Berlin im Deutschen Bundestag. \/ Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frage: Frau Stark-Watzinger, im ersten Coronajahr haben die deutschen Unternehmen ihre Ausgaben f\u00fcr Forschung um mehr als sechs Prozent gedrosselt \u2013 allen anderen Industrienationen haben zugelegt. K\u00f6nnen Sie sich das erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ein Faktor k\u00f6nnte sein, dass unsere vielen Mittelst\u00e4ndler Risiken eher etwas scheuen, schon alleine aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe. Dazu kommt, dass die Wirtschaft vor Corona brummte \u2013 und da ist der Innovationsdruck geringer, auch wenn das f\u00fcr die Zukunft nicht gut ist. Klar ist auch: Die Risikobereitschaft der Deutschen ist weniger gro\u00df als in anderen L\u00e4ndern. Das sieht man daran, dass viele junge Menschen nach dem Studium in den Staatsdienst wollen. Risiko wird bei uns negativ, kaum als Chance gesehen. Der US-Psychologe Daniel Kahneman sagt, Deutsche empfinden Verluste emotional doppelt so stark, haben also mehr Angst. Da sollten wir ran, etwa durch finanzielle Bildung in der Schule, die wir ohnehin dringend ausbauen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Frage: Wie sollen wir innovativ top sein, wenn wir digital hinterherhinken?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Neben Digitalminister Volker Wissing m\u00fcssen alle Ressorts bei diesem wichtigen Thema mithelfen \u2013 wir zum Beispiel mit der KI-Strategie und der Digitalisierung von Schulen und Hochschulen. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass auch das Kanzleramt dabei ist.<\/p>\n<p>Frage: Deutschland f\u00e4llt sogar bei Schl\u00fcsseltechnologien zur\u00fcck \u2013 vor allem weil Systemrivale China rasend schnell aufholt. Brauchen wir auch in der Forschung ein Decoupling?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger:\u00a0Wir d\u00fcrfen nicht nur jammern, dass China so stark ist, wir m\u00fcssen selbst st\u00e4rker werden. Teilweise k\u00f6nnen wir auf eine Kooperation mit der Forschungsnation China kaum verzichten \u2013 etwa beim Klimawandel. Aber in sensiblen Bereichen m\u00fcssen wir klare Grenzen ziehen: bei allen Dual-Use-F\u00e4llen, bei denen milit\u00e4rischer Nutzen nicht ausgeschlossen ist, und auch bei K\u00fcnstlicher Intelligenz, die China zur \u00dcberwachung seiner B\u00fcrger missbraucht. Generell \u00fcberall dort, wo wir China helfen w\u00fcrden, einen Vorteil im Systemwettbewerb zu erringen.<\/p>\n<p>Frage: Wie zieht man die Grenze?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Das war gerade Thema beim G7-Wissenschaftsministertreffen: Wir werden eine gemeinsame virtuelle Akademie gr\u00fcnden, die der Forschung hilft, zu erkennen, wo Gefahren lauern. Mein Haus wird Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter beim Ausbau ihrer unabh\u00e4ngigen China-Kompetenz unterst\u00fctzen, also beraten, was geht und was nicht. Denn selbst wenn es gute pers\u00f6nliche Kontakte zu Forschern in China gibt, darf man nicht naiv sein. In China dient heute alles der Kommunistischen Partei.<\/p>\n<p>Frage: Wird die neue China-Strategie der Bundesregierung rote Linien ziehen? Konkret Felder benennen, auf denen unsere Forscher nicht kooperieren sollen oder d\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Wissenschaft ist frei \u2013 und hat eine besondere Verantwortung. Ich habe dazu eine klare Haltung: Wenn ich Uni-Pr\u00e4sidentin w\u00e4re, g\u00e4be es bei mir kein Konfuzius-Institut.<\/p>\n<p>Frage: Warum?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Die Konfuzius-Institute an unseren Hochschulen sind von Peking mitfinanziert und werden von der Kommunistischen Partei politisch instrumentalisiert. Eine solche direkte Einflussnahme Chinas auf unsere Lehre und Wissenschaft lehne ich ab. Wir sollten uns klar abgrenzen.<\/p>\n<p>Frage: Aber mit der konkreten Entscheidung, mit wem sie in China kooperiert, lassen Sie die Forschung allein.<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir stehen der Wissenschaft als beratende Partner zur Verf\u00fcgung. Und wir bringen uns aktiv in die Gestaltung der China-Strategie der Bundesregierung ein, die Leitplanken formulieren sollte. Aber wir haben es beim Einfrieren der Forschungskooperation mit Russland gesehen: Man muss jedes einzelne Projekt kritisch pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Frage: Ist China in vielen Feldern heute nicht schon l\u00e4ngst so weit, dass kein Wissensabfluss droht, sondern dass wir froh sein m\u00fcssen, wenn sie uns noch mitforschen lassen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ja, China hat gro\u00dfe Spr\u00fcnge gemacht und ist in manchen Feldern international ganz vorn, gerade bei der KI. Umso ehrgeiziger m\u00fcssen wir sein und unsere Hausaufgaben machen. Das bedeutet auch, noch intensiver mit L\u00e4ndern zu kooperieren, die unsere freiheitlichen Werte teilen.<\/p>\n<p>Frage: Apropos Hausaufgaben: Was sind Ihre wichtigsten Strategien damit wir innovativ aufholen?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir m\u00fcssen \u00fcber die ganze Breite der Forschung Innovationsbr\u00fccken bauen und den Transfer beschleunigen. Daf\u00fcr m\u00fcssen Universit\u00e4ten ihre Transfer-Abteilungen professionalisieren, da m\u00fcssen Leute sitzen, die die Welt der Unternehmen kennen. Wir brauchen auch viel mehr Studieng\u00e4nge, die Entrepreneur-Geist vermitteln \u2013 das darf es nicht nur an der TU M\u00fcnchen geben. Die neue Transferagentur Dati wird daf\u00fcr sorgen, dass Erkenntnisse aus der Forschung schneller in der Wirtschaft ankommen und dort zu Innovationen werden. Mit der Start-up-Strategie werden wir viel mehr privates Geld in Ausgr\u00fcndungen lenken. Schlie\u00dflich werden wir noch in diesem Jahr das Freiheitsgesetz f\u00fcr die Agentur f\u00fcr Sprunginnovationen Sprind anschieben, die dann mit mehr Geld und frei von staatlicher B\u00fcrokratie revolution\u00e4re Innovationen f\u00f6rdern kann.<\/p>\n<p>Frage: Wie wichtig ist die neue Start-up-Strategie von Robert Habeck?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ein unverzichtbarer Teil. Wir werden sie genau anschauen \u2013 aber sie enth\u00e4lt viel, was die FDP schon lange fordert. Etwa die St\u00e4rkung des Staates als Auftraggeber nach dem Motto \u201eGebt uns kein Geld, gebt uns Auftr\u00e4ge.\u201c<\/p>\n<p>Frage: Kann die Start-up-Strategie denn wirklich so schnell wirken, dass sie die akute Finanzierungskrise der Start-ups noch abfedert?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Wir werden Tempo machen, der Entwurf soll noch im Sommer unter allen beteiligten Ministerien abgestimmt werden. Daneben muss auch der schon existierende Zukunftsfonds mit seinen zehn Milliarden Euro schnell seine Kraft entfalten.<\/p>\n<p>Frage: Ihr Konzept f\u00fcr die Dati hat massive Kritik geerntet. Unter anderem wird bem\u00e4ngelt, dass es viel zu zaghaft sei. Stimmt das?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Es ist ein guter Anfang, gr\u00f6\u00dfer geht immer. Wir wollen ein schlankes, agiles System, das eine L\u00fccke f\u00fcllt und von unten nach oben funktioniert. Das Konzept ist v\u00f6llig neu, es wird wachsen.<\/p>\n<p>Frage: Dati soll ein Leuchtturm werden. Aber das Finanzministerium hat Ihnen nur 15 Millionen Euro bewilligt \u2013 und die auch noch gesperrt\u2026<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Das ist v\u00f6llig normal, solange es keinen Gesetzentwurf gibt. Ich bin \u00fcberzeugt, dass wir die Dati \u00fcber die Legislatur mit einem gr\u00f6\u00dferen dreistelligen Millionenbetrag aufbauen werden.<\/p>\n<p>Frage: Erfordert die Klimawende nicht neue Schwerpunkte? Wasserstoff ist gut, wann kommt Kernfusion?<\/p>\n<p>Stark-Watzinger: Ich bin sicher, dass sie sp\u00e4testens in 10 bis 15 Jahren einen Beitrag zur Energieversorgung liefert. Und wenn ich mir die Start-ups auf diesem Feld anschaue, glaube ich, dass es auch deutlich schneller gehen kann.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger gab dem \u201eHandelsblatt\u201c das folgende Interview. 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