{"id":6431,"date":"2022-07-31T11:21:28","date_gmt":"2022-07-31T09:21:28","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=6431"},"modified":"2022-09-21T06:32:28","modified_gmt":"2022-09-21T04:32:28","slug":"lindner-interview-es-kann-nur-verteilt-werden-was-erwirtschaftet-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2022\/07\/31\/lindner-interview-es-kann-nur-verteilt-werden-was-erwirtschaftet-wurde\/","title":{"rendered":"LINDNER-Interview: Es kann nur verteilt werden, was erwirtschaftet wurde."},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der FDP-Bundesvorsitzende und Bundesminister der Finanzen Christian Lindner gab der \u201eBild am Sonntag\u201c (aktuelle Ausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellten Roman Eichinger und Burkhard Uhlenbroich:<\/p>\n<figure id=\"attachment_4808\" aria-describedby=\"caption-attachment-4808\" style=\"width: 794px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2022-03-14-18_45_16-Window.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4808\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2022-03-14-18_45_16-Window.png\" alt=\"\" width=\"794\" height=\"587\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2022-03-14-18_45_16-Window.png 794w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2022-03-14-18_45_16-Window-300x222.png 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2022-03-14-18_45_16-Window-768x568.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 794px) 100vw, 794px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4808\" class=\"wp-caption-text\">Christian Lindner<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Herr Lindner, m\u00f6gen Sie es zu Hause und im B\u00fcro lieber sch\u00f6n k\u00fchl oder mollig warm?<\/p>\n<p><strong>Lindner:<\/strong> Wenn ich w\u00e4hlen kann, dann lieber ein k\u00fchles B\u00fcro.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>L\u00e4uft bei Ihnen also trotz Energiekrise die Klimaanlage auf Hochtouren?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Nein. Aber wir m\u00fcssen daran arbeiten, dass zur Gaskrise nicht eine Stromkrise kommt. Deshalb darf mit Gas nicht l\u00e4nger Strom produziert werden, wie das immer noch passiert. Robert Habeck h\u00e4tte die gesetzliche Erm\u00e4chtigung, das zu unterbinden. Stattdessen m\u00fcssen wir andere Stromkapazit\u00e4ten erhalten. Vieles spricht daf\u00fcr, die sicheren und klimafreundlichen Kernkraftwerke nicht abzuschalten, sondern n\u00f6tigenfalls bis 2024 zu nutzen.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Wie sparen Sie Energie?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Nat\u00fcrlich versuche ich, sparsam mit Energie umzugehen. Eine Familie mit mehreren Kindern hat es da aber schwerer als ich. Dennoch bin ich bei Verhaltensvorschriften f\u00fcr Privathaushalte zur\u00fcckhaltend. Denn die Politik muss ihre Hausaufgaben machen.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Bundeskanzler Scholz will das Wohngeld ausweiten. R\u00fccken Sie die n\u00f6tigen Milliarden daf\u00fcr raus?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Das ist ein gemeinsames Vorhaben. Wer ein geringes Einkommen hat, ist besonders betroffen. Beim neuen Wohngeld sollten wir auch an die Rentnerinnen und Rentner denken, die zwar im eigenen H\u00e4uschen leben, aber wegen einer kleinen Rente die hohen Preise f\u00fcrchten. Die Reform des Wohngelds k\u00f6nnen wir finanzieren, wenn wir sorgf\u00e4ltig haushalten. Es kann ja nur verteilt werden, was erwirtschaftet wurde.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Trotzdem: K\u00f6nnen Sie Ihren Haushaltsplan wegen der Energiekrise nicht vergessen?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Nein, ich habe Vorsorge getroffen. Die Leitplanken stehen. Keine Steuererh\u00f6hungen, weil das die Wirtschaftskrise versch\u00e4rft. R\u00fcckkehr zur Schuldenbremse, weil das die Inflation bek\u00e4mpft. Entlastungen f\u00fcr die Menschen, um das Leben zu erleichtern. Und Rekordinvestitionen, um die Zukunft zu sichern. Gut zehn Milliarden Euro f\u00fcr noch nicht konkretisierte Vorhaben und Unvorhergesehenes stehen im Haushalt zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Hartz-IV-Empf\u00e4nger sollen bald 50 Euro im Monat mehr bekommen, wenn es nach Arbeitsminister Heil und den Gr\u00fcnen geht. Sagen Sie auch dazu Nein?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Die Bezieher des neuen B\u00fcrgergelds sollen eine bessere Lebenssituation haben als im Hartz-IV-System. Ich denke vor allem an mehr Qualifikationsangebote und mehr Respekt f\u00fcr diejenigen, die nebenbei schon einen Job \u00fcbernehmen. Heute m\u00fcssen Hartz-IV-Empf\u00e4nger teilweise 80\u00a0Prozent von ihrem Lohn abgeben. Das ist leistungsfeindlich. Die Berechnungsmethode f\u00fcr die passiven Leistungen sollten wir aber nicht \u00e4ndern. Denn allein aufgrund der steigenden Preise steigt der Regelsatz, Miete und Heizung \u00fcbernimmt ohnehin der Steuerzahler. Das ist anders als bei Arbeitnehmern, die trotz geringen Einkommens alles selbst zahlen. Pauschal mehr Geld zu verteilen, dazu fehlen uns die Mittel.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Sie wollen auch den Tarif in der Lohn- und Einkommensteuer absenken. Berechnungen haben jetzt ergeben, dass davon vor allem Menschen mit mehr als 300.000\u00a0Euro Jahreseinkommen profitieren, Geringverdiener dagegen kaum. Machen Sie Politik f\u00fcr Besserverdiener?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Was wurde da berechnet? Ich habe doch noch gar keinen Vorschlag gemacht. Mir geht es darum, die breite Mitte des Landes vom Facharbeiter bis zur Ingenieurin vor heimlichen Steuererh\u00f6hungen zu bewahren. Wenn wir den Steuertarif nicht anpassen, rutschen alle nach oben und zahlen mehr. Au\u00dferdem m\u00fcssen das steuerfreie Existenzminimum und das Kindergeld erh\u00f6ht werden. Denn der Staat darf nicht Gewinner der Inflation sein.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>der Tankrabatt Ende August endet, d\u00fcrfte Benzin auf einen Schlag 30\u00a0Cent pro Liter teurer werden. Gibt es dann einen Ausgleich f\u00fcr die Autofahrer?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Tankrabatt und 9-Euro-Ticket laufen aus. Es wird keine Anschlussregelung geben k\u00f6nnen. Ich w\u00e4re daf\u00fcr offen, die Entfernungspauschale f\u00fcr Besch\u00e4ftigte zu erh\u00f6hen. Davon profitieren alle, denn das gilt unabh\u00e4ngig von Auto, Bahn oder Fahrrad.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Wie eng sind Ihre Kontakte zur Autoindustrie?<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Zu allen Bereichen der Wirtschaft habe ich Kontakt. Wo Sie sitzen, sa\u00df eben der Chef der IG\u00a0Metall. Wir m\u00fcssen im Austausch sein. Arbeitspl\u00e4tze, soziale Sicherheit und der Wohlstand sind keine Garantie. Alles muss erwirtschaftet werden. Da muss die Politik gute Bedingungen schaffen.<\/p>\n<p><strong>Frage:\u00a0<\/strong>Sie unterst\u00fctzen wie Porsche die E-Fuels, mit denen Verbrennerfahrzeuge in Zukunft klimafreundlich angetrieben werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Lindner:\u00a0<\/strong>Nicht ganz, ich bin seit Jahren f\u00fcr Technologieoffenheit und gegen ein politisches Verbot des Verbrennungsmotors. Denn der kann mit den E-Fuels klimaneutral werden. Welche Rolle dann Elektromobilit\u00e4t und klimaneutrale Alternativen spielen, das sollte der Markt entscheiden. Wir d\u00fcrfen jedenfalls eine Schl\u00fcsselindustrie nicht schw\u00e4chen, die Hunderttausende Menschen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FDP-Bundesvorsitzende und Bundesminister der Finanzen Christian Lindner gab der \u201eBild am Sonntag\u201c (aktuelle Ausgabe) das folgende Interview. 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