{"id":7202,"date":"2022-09-30T15:36:06","date_gmt":"2022-09-30T13:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=7202"},"modified":"2022-09-30T15:36:06","modified_gmt":"2022-09-30T13:36:06","slug":"stark-watzinger-interview-junge-menschen-brauchen-jetzt-so-viel-normalitaet-wie-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2022\/09\/30\/stark-watzinger-interview-junge-menschen-brauchen-jetzt-so-viel-normalitaet-wie-moeglich\/","title":{"rendered":"STARK-WATZINGER-Interview: Junge Menschen brauchen jetzt so viel Normalit\u00e4t wie m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger gab \u201eweb.de\u201c das folgende Interview. Die Fragen stellte Fabian Busch:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2284\" aria-describedby=\"caption-attachment-2284\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2284\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg\" alt=\"Bettina Stark-Watzinger\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-300x200.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-768x512.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Stark-Watzinger-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2284\" class=\"wp-caption-text\">Bettina Stark-Watzinger am 22.11.17 in Berlin im Deutschen Bundestag. \/ Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Frau Stark-Watzinger, werden Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fcler und Lehrkr\u00e4fte im Winter in den Klassenr\u00e4umen frieren?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Nein. Erstens hat die Bundesregierung alles daf\u00fcr getan, die Gasversorgung in diesem Winter zu sichern. Zweitens haben wir uns im Kabinett und mit der Bundesnetzagentur darauf verst\u00e4ndigt, dass Bildungseinrichtungen zu den gesch\u00fctzten Kunden geh\u00f6ren. Sie werden vorrangig versorgt. Das ist mir sehr wichtig, weil schon die Corona-Pandemie unseren Kindern viel abverlangt hat: psychisch, sozial und k\u00f6rperlich. Junge Menschen brauchen jetzt so viel Normalit\u00e4t wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Gilt das auch f\u00fcr die Universit\u00e4ten und Hochschulen?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Das gilt f\u00fcr alle Bildungseinrichtungen. Sie sollen offen bleiben. Wir m\u00fcssen mehr R\u00fccksicht auf junge Menschen nehmen \u2013 und ihnen nicht nur R\u00fccksicht abverlangen, wie in den letzten zwei Jahren. Gerade der pers\u00f6nliche Austausch und das Diskutieren \u00fcber das reine Lernen hinaus sind extrem wichtig. Das macht das Studium aus und nat\u00fcrlich auch das Campusleben. Deswegen brauchen wir im Wintersemester Pr\u00e4senzlehre.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Studierenden haben w\u00e4hrend der Pandemie vor allem Treffpunkte und sozialer Austausch gefehlt. Wird es das alles wieder geben?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Die Hochschulen werden sich nach Corona ver\u00e4ndern. Massenlehrveranstaltungen mit 600 Studierenden wird es eher weniger geben. Die kann man auch streamen und sich individuell anschauen. Aber die Kleingruppenarbeit und das Debattieren bleiben wichtig. Es wird wahrscheinlich ein neues Miteinander an Hochschulen geben. Das muss sich entwickeln und daf\u00fcr m\u00fcssen R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Die Bundesregierung hat Studierenden eine Einmalzahlung von 200 Euro versprochen. Das ist Teil des dritten Entlastungspakets. Allerdings ist noch unklar, wann und wie sie die Zahlung erhalten.<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Wir haben junge Menschen \u2013 Studierende, Auszubildende \u2013 von Anfang an in den Entlastungspaketen mitgedacht. F\u00fcr die Einmalzahlung brauchen wir jetzt eine gesetzliche Grundlage. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass der Gesetzentwurf im Oktober ins Kabinett geht. Dazu sind wir im Austausch mit den L\u00e4ndern und Hochschulen. Nur die Hochschulen wissen, wer bei ihnen eingeschrieben ist. Wir wollen das Verfahren m\u00f6glichst einfach und schlank gestalten.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Welche Rolle wird die Maske an Schulen und Hochschulen noch spielen?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Die Evaluation der Corona-Ma\u00dfnahmen durch die Sachverst\u00e4ndigenkommission hat deutlich gemacht: Schulschlie\u00dfungen hatten immense Folgen f\u00fcr die Kinder. Es darf keine fl\u00e4chendeckenden mehr geben. Masken sind das letzte Mittel, wenn der Pr\u00e4senzunterricht gef\u00e4hrdet w\u00e4re. Das ist ein hartes Kriterium. Wir k\u00f6nnen jungen Menschen sonst nicht erkl\u00e4ren, dass wir normal einkaufen gehen und im Restaurant sitzen, w\u00e4hrend sie im Unterricht eine Maske tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> In Deutschland k\u00f6nnten bis zum Jahr 2026 rund 240.000 Fachkr\u00e4fte fehlen. Was unternehmen Sie dagegen?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Die Bundesregierung erarbeitet gerade eine Fachkr\u00e4ftestrategie. Wir m\u00fcssen erstens die Menschen in unserem Land bestm\u00f6glich ausbilden und ihnen die Vielfalt der Berufswege nahebringen. Das allein wird aber nicht ausreichen. Deswegen brauchen wir zweitens auch deutlich mehr Zuwanderung von Fachkr\u00e4ften.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> F\u00fcr die Fachkr\u00e4ftegewinnung spielt die berufliche Bildung eine zentrale Rolle. Schon lange betont die Politik, wie wertvoll das duale System mit Ausbildung und Berufsschulen ist. Trotzdem arbeiten immer mehr junge Menschen auf Abitur und Studium hin. Wie wollen Sie das \u00e4ndern?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger: <\/strong>Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler m\u00fcssen die verschiedenen Ausbildungswege kennenlernen \u2013 auch die Alternativen zum klassischen Studium. Deswegen muss Berufsorientierung regelm\u00e4\u00dfig in den Schulen stattfinden. Auch m\u00fcssen die Gymnasien st\u00e4rker einbezogen werden. Sie bilden nicht nur f\u00fcr die Hochschulen aus. Gleichzeitig m\u00fcssen berufliche Schulen modernisiert werden. Wir k\u00f6nnen die Fachkr\u00e4fte von morgen nicht in Lernorte von gestern schicken. Mit einer Exzellenzinitiative will ich der beruflichen Bildung neuen Schub geben. Wir brauchen beides, akademisch und berufliche Bildung, und beides ist gleichwertig. Au\u00dferdem muss Durchl\u00e4ssigkeit da sein. Wir bleiben nicht mehr zwangsl\u00e4ufig in einem Job, bis wir in Rente gehen. Was mir besonders am Herzen liegt: Immer noch verlassen zu viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die Schule ohne Abschluss. Ihnen m\u00fcssen wir uns st\u00e4rker zuwenden und sie qualifizieren.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Auch die Digitalisierung der Schulen ist ein Dauerthema. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> In den vergangenen Jahren wurde nicht genug Tempo gemacht. Unsere Schulen sind gr\u00f6\u00dftenteils noch eine analoge Welt, w\u00e4hrend die Lebenswelt der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler l\u00e4ngst digital ist. Die allermeisten Arbeitspl\u00e4tze werden in Zukunft mit Digitalisierung zu tun haben. Es muss sich nicht jeder mit K\u00fcnstlicher Intelligenz besch\u00e4ftigen \u2013 aber jeder wird mehr oder weniger digital arbeiten. Deshalb gibt es den Digitalpakt, um die Ausstattung der Schulen mit digitaler Infrastruktur und digitalen Ger\u00e4ten zu verbessern.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Diesen Pakt mit f\u00fcnf Milliarden Euro hat die alte Bundesregierung 2019 aufgelegt. Das Geld flie\u00dft allerdings nur langsam ab.<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Deswegen ist es unser Ziel, den Digitalpakt weiter zu beschleunigen.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Und wie?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Gerade auf die Kommunen kommt es an, denn sie m\u00fcssen als Schultr\u00e4ger die Gelder ausgeben. Daher haben wir sie zum ersten Mal mit an den Tisch geholt. Der Bund ber\u00e4t und unterst\u00fctzt zudem noch st\u00e4rker, damit das Geld schneller in den Schulen ankommt. Ich bin f\u00fcr m\u00f6glichst viel Verantwortung vor Ort, f\u00fcr selbstst\u00e4ndige Schulen. Bei der Digitalisierung braucht es allerdings mehr Unterst\u00fctzung des Bundes. Der jetzige Digitalpakt l\u00e4uft noch bis 2024. Wir lernen jetzt daraus, um einen Digitalpakt 2.0 besser auszugestalten.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Wie sehr \u00e4rgert es Sie, dass die L\u00e4nder ihre Aufgaben in der Schulpolitik vehement verteidigen \u2013 und der Bund nicht viel mehr machen kann, als Geld zu geben?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Die L\u00e4nder haben die wunderbare Aufgabe, f\u00fcr Bildung zust\u00e4ndig zu sein. Es ist gar nicht mein Ziel, dass in der <a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/01\/29\/fdp-forderung-bildung\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"3\" title=\"FDP Forderung Bildungspolitik\">Bildungspolitik<\/a> alles zentral geregelt wird. Mir ist eine klare Aufgabenteilung wichtig. Den Familien ist es gleich, wer verantwortlich ist, sie wollen ein gutes Bildungssystem. Das ist ein Auftrag an uns. Wir brauchen etwa mehr bundesweite Standards. Wenn Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit ihren Familien in ein anderes Bundesland umziehen, darf das kein Problem sein.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> F\u00fcr das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung sind im n\u00e4chsten Bundeshaushalt 20,6 Milliarden Euro vorgesehen. Bef\u00fcrchten Sie, dass es weniger werden, weil der Staat in der aktuellen Krise f\u00fcr viele andere Zwecke Geld ausgeben muss?<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger: <\/strong>Nein. Wir m\u00fcssen nat\u00fcrlich die Herausforderungen der Gegenwart bew\u00e4ltigen. Die Sorgen und N\u00f6te der Menschen angesichts der steigenden Gas- und Strompreise sind gro\u00df. Das ist f\u00fcr einige nicht zu stemmen. Deswegen m\u00fcssen wir sie entlasten und auch daf\u00fcr sorgen, dass unsere industrielle Basis erhalten bleibt. Diese dr\u00e4ngenden Fragen der Gegenwart d\u00fcrfen aber nicht zu einer Vernachl\u00e4ssigung der Zukunft f\u00fchren. Jeder Euro f\u00fcr Bildung und Forschung hei\u00dft mehr Chancen f\u00fcr jeden Einzelnen und mehr Chancen f\u00fcr die gesamte Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Die Bundesregierung muss eine schwere Krise bew\u00e4ltigen und will gleichzeitig an Zukunftsinvestitionen festhalten. Dann m\u00fcsste die FDP doch bereit sein, die Schuldenbremse 2023 noch einmal auszusetzen, um eine h\u00f6here Schuldenaufnahme zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>Stark-Watzinger:<\/strong> Das h\u00f6rt sich immer so einfach an, aber die Schuldenbremse hat Verfassungsrang. Wenn wir sie jetzt aufheben, w\u00fcrde nicht investiert, sondern konsumiert. Das w\u00fcrde die hohe Inflation noch weiter anheizen, weil die Inflation in Deutschland zurzeit angebotsgetrieben ist. Um die H\u00e4rten zu nehmen, haben wir bereits drei Entlastungspakete geschn\u00fcrt. Die Schuldenbremse auszusetzen, w\u00e4re der falsche Weg.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FDP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger gab \u201eweb.de\u201c das folgende Interview. 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