{"id":8390,"date":"2022-12-12T15:30:34","date_gmt":"2022-12-12T14:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=8390"},"modified":"2022-12-12T15:30:34","modified_gmt":"2022-12-12T14:30:34","slug":"vogel-gastbeitrag-zeit-dass-sich-was-bewegt-fuer-eine-liberale-mobilitaets-agenda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2022\/12\/12\/vogel-gastbeitrag-zeit-dass-sich-was-bewegt-fuer-eine-liberale-mobilitaets-agenda\/","title":{"rendered":"VOGEL-Gastbeitrag: Zeit, dass sich was bewegt \u2013 f\u00fcr eine liberale Mobilit\u00e4ts-Agenda"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Johannes Vogel schrieb f\u00fcr den Tagesspiegel (Montag-Ausgabe) und \u201eTagesspiegel Online\u201c den folgenden Gastbeitrag:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2290\" aria-describedby=\"caption-attachment-2290\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2290\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-683x1024.jpg\" alt=\"Johannes Vogel\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-683x1024.jpg 683w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-200x300.jpg 200w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-768x1152.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Johannes_Vogel_FDP_pressefoto-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2290\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Vogel, Generalsekretaer der FDP in Nordrhein-Westfalen, im Portrait. Europa, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Koeln, 16.07.2017<\/figcaption><\/figure>\n<p>Keine Woche vergeht, ohne dass man nicht bei Twitter einen Rant \u00fcber die Deutsche Bahn liest. Kein Abendessen mit Freunden kam zuletzt ohne Fragen nach dem 9-Euro-Ticket aus. Zuhause in Berlin-Wilmersdorf rollen Lastenr\u00e4der bepackt mit Kindern, Schulrucks\u00e4cken und Hunden an einem vorbei und fachsimpeln V\u00e4ter \u00fcber das beste Modell. Und auf dem Weg zu meinem Wahlkreis im Sauerland kann ich mein E-Auto an keinem Rastplatz laden, ohne dass mich jemand anspricht und fragt, wie weit man damit denn so komme. Die Zukunft der Mobilit\u00e4t &#8211; sie bewegt uns. Das ist gut.<\/p>\n<p>Die Art und Weise unserer Fortbewegung beeinflusst unser ganzes Leben. Sie wirft Fragen auf. Fragen zu unserem Alltag. Zur Architektur unserer St\u00e4dte. Und zur Zukunft unseres Planeten. Unsere liberale Antwort darauf muss sein: Ja zum Fortschritt, ja zur Vielfalt und nat\u00fcrlich ja zur Klimaneutralit\u00e4t. Aber nein zu identit\u00e4tspolitischen Duellen, etwa zwischen Auto- und Fahrradfahrern. F\u00fcr die Mobilit\u00e4t der Zukunft darf sich die deutsche Gesellschaft ruhig etwas bewegen und insgesamt alte Denkmuster hinter sich lassen.<\/p>\n<p>Erstens wird der Individualverkehr immer eine wichtige Rolle spielen \u2013 und St\u00e4dte wie Utrecht oder Kopenhagen machen erfolgreich vor, wie dies f\u00fcr viele Menschen auch mit dem Fahrrad gelingt: Der gro\u00dfe Hebel ist die bauliche Trennung von Stra\u00dfen und Radwegen. Viel zu lange wurden Fahrradwege an die Stra\u00dfe gepresst oder gleich \u00fcber B\u00fcrgersteige gef\u00fchrt. Unf\u00e4lle und ein hektisches Treiben an Kreuzungen sowie ein Kulturkampf von sich anbr\u00fcllenden und verfeindeten Verkehrsteilnehmern waren das Ergebnis. Stattdessen brauchen wir echte, eigene Fahrradwege durch die Stadt, damit Menschen sicher fahren k\u00f6nnen. Auch ausreichende und bessere Abstellm\u00f6glichkeiten m\u00fcssen Standard sein. Utrecht macht mit eigenen Fahrrad-Parkh\u00e4usern vor, wie es geht. Selbstverst\u00e4ndlich braucht auch der zweir\u00e4drige Individualverkehr ausreichend Ladestationen mit klimaneutralem Strom in solchen Parkh\u00e4usern. Denn E-Bikes sind eine Chance, dass mehr Menschen f\u00fcr weite oder h\u00fcgelige Strecken auf das Fahrrad zur\u00fcckgreifen. Das sollten wir nutzen und nicht den gleichen Anf\u00e4ngerfehler wie bei den Autos begehen: Seien wir mit dem Ladeangebot da, bevor die Nachfrage entsteht.<\/p>\n<p>Zweitens muss genauso klar sein: Es werden keine Menschenmassen aus meinem Wahlkreis im Sauerland mit dem E-Bike nach K\u00f6ln pendeln. Daf\u00fcr braucht es auch k\u00fcnftig das Auto \u2013 ein klimaneutrales. Ich pers\u00f6nlich glaube: die Zukunft des PKW ist batterieelektrisch. Schon vor drei Jahren bin ich umgestiegen. Der hohe Wirkungsgrad, die niedrigeren Kosten als bei E-Fuels, immer mehr Reichweite und Batterien(recycling), der Fahrspa\u00df durch das Drehmoment \u2013 alles spricht meines Erachtens daf\u00fcr. Die Politik muss die Entscheidung dar\u00fcber aber den Menschen \u00fcberlassen. Synthetischen Kraftstoffen politisch den Weg zu verbauen, w\u00e4re ein gravierender Fehler. E-Fuels werden wir nicht nur f\u00fcr die Dekarbonisierung des Flugverkehrs brauchen, sondern auch f\u00fcr die globale PKW-Bestandsflotte und vermutlich dauerhaft in manchen Weltregionen, wo ein fl\u00e4chendeckendes E-Ladenetz unrealistisch ist. Daher sind wir ohnehin auf Skaleneffekte und Preisreduktion f\u00fcr E-Fuels angewiesen. Nichts, aber auch gar nichts, spricht daf\u00fcr, diese Technik dann ausgerechnet im Heimatmarkt der europ\u00e4ischen Automobilhersteller zu verbieten \u2013 sollen die beiden Techniken sich doch im Wettbewerb beweisen, so wie fr\u00fcher Diesel- und Benzinmotoren. Die Bedingung daf\u00fcr ist, dass die Klima-Ordnungspolitik durch Einbezug des Verkehrs in den Emissionshandel endlich scharf gestellt wird. Gerade weil Elektroautos nach meiner \u00dcberzeugung l\u00e4ngst besser sind, brauchen wir sie nicht mehr mit einer Kaufpr\u00e4mie subventionieren. Stattdessen sollten wir die finanziellen Mittel nutzen und noch mehr Schnelllader an Autobahnen bauen und mehr st\u00e4dtische AC-Lader und sichere Wallboxen in Wohngebieten erm\u00f6glichen, samt dem daf\u00fcr notwendigen, smarteren Stromnetz.<\/p>\n<p>Drittens braucht es in Ballungsr\u00e4umen einen attraktiven \u00d6PNV. Die emotionalen Debatten \u00fcber das 9-Euro-Ticket, \u00fcbrigens die Erfindung eines liberalen Verkehrsministers, haben gezeigt, wie gro\u00df die Sehnsucht nach einem attraktiven \u00d6PNV ist. Die maximale Preissubvention wie beim 9-Euro-Ticket ist aber der falsche Weg. Denn der Zug- und Bahnverkehr hat so einen schlechten Ruf in Deutschland, weil er unp\u00fcnktlich, unzuverl\u00e4ssig, verschmutzt und kompliziert ist \u2013 nicht, weil alles perfekt w\u00e4re und nur die Tickets zu teuer sind. Wir m\u00fcssen also in die Qualit\u00e4t des \u00d6PNV investieren, statt in seine Kostenfreiheit. Dabei sollten wir gro\u00df denken: Digitale On-Demand-Systeme mit autonom fahrenden Fahrzeugen k\u00f6nnen den \u00d6PNV unterst\u00fctzen und einen bis vor die Haust\u00fcr bringen. Als Teil einer funktionierenden Shared Economy sieht so die Zukunft aus. Ein leerer Bus hingegen, der jede Stunde einmal alleine \u00fcbers Land juckelt, hat keine Zukunft. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir daneben auch daf\u00fcr sorgen, dass die \u00d6PNV-Nutzung einfach und erschwinglich ist. Dies schaffen wir aber auch mit einem digitalem, bundesweit einheitlichen Ticket im Bereich der 50 Euro. Gut, dass das jetzt kommen wird, wenn Bund und L\u00e4nder wirklich an einem Strang ziehen.<\/p>\n<p>Es geht aber auch um den Fernverkehr. Was sagt es eigentlich \u00fcber den Anspruch der Deutschen Bahn aus, wenn man erst ab einst\u00fcndigen Versp\u00e4tungen Erstattungen erh\u00e4lt? In Japan misst man Zugversp\u00e4tungen in Sekunden, wir beginnen bei f\u00fcnf Minuten. Wann sind wir so anspruchslos geworden, dass wir das schulterzuckend als normalen Betrieb empfinden? Und das dann noch mit ausgefallener Klimaanlage, in umgedrehter Wagenreihung, mit drei gesperrten W\u00e4gen, hinf\u00e4lligen Reservierungen und schlechtem Internet, mit dem man nur schwerlich etwas streamen kann. Unser Anspruch muss doch mehr sein! Wir brauchen deshalb endlich mehr Wettbewerb zur Deutschen Bahn durch Privatisierung. Wir brauchen mehr Anbieter, durch deren Konkurrenzdruck das Angebot der Bahn besser, zuverl\u00e4ssiger und g\u00fcnstiger wird. Das Beste, was der Bahn in den letzten Jahren passiert ist, war der Flixbus. Wir brauchen eine Deutsche Bahn, die bis dahin oder dadurch den Anspruch hat, auch bei 20, 30 oder 40 Minuten Versp\u00e4tung eine Entsch\u00e4digung zu gew\u00e4hrleisten. Damit Versp\u00e4tungen durch mangelhafte Infrastruktur wie Stellwerksch\u00e4den in Zukunft deutlich reduziert werden, brauchen wir ein Investitionspaket f\u00fcr die Schieneninfrastruktur. Dabei muss man auch keine Mehr-Generationen- Planungsverfahren durchlaufen, wie wir bei LNG-Terminals f\u00fcr Fl\u00fcssiggas gesehen haben. Tempo ist m\u00f6glich, man muss es nur wollen.<\/p>\n<p>Unser Problem in Deutschland ist, wie so oft, der grassierende Kulturpessimismus. Menschen aus urbanen Zentren unseres Landes m\u00fcssen verstehen, dass Menschen in l\u00e4ndlichen Regionen nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren k\u00f6nnen \u2013 und andersherum muss verstanden werden, dass eine bessere Rad-Infrastruktur und ein \u00d6PNV-Angebot bis drei Uhr in der Nacht kein Luxus, sondern urbane Lebensrealit\u00e4t sind. Die Welt ist komplex und das gilt auch f\u00fcr individuelle Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse. Zu oft bewegt sich nichts, nur der Jammerturbo z\u00fcndet. Unsere Mobilit\u00e4t wird aber niemals besser, wenn sie nicht fortlaufend erneuert wird! Wir sollten uns keinesfalls nach Zeiten zur\u00fccksehnen, in denen sich jeder identisch fortbewegt hat. Im Gegenteil, je mehr neue Angebote desto besser. Nur die Vielfalt an Mobilit\u00e4tsangeboten wird die individuellen Bed\u00fcrfnisse befriedigen und es mit der Komplexit\u00e4t der Welt aufnehmen k\u00f6nnen. Es ist politisch komplett wertlos, wenn urbane und l\u00e4ndliche Milieus dar\u00fcber im Clinch liegen, ob f\u00fcr die einen ein n\u00e4chtliches \u00d6PNV-Angebot notwendig sei oder die anderen einfach mal weniger Auto fahren sollten. Und f\u00fcr weniger Autos in den gro\u00dfen St\u00e4dten m\u00fcssen wir die Alternativen attraktiver machen \u2013 nicht andersherum. Je besser S- und U-Bahnnetz, die (Car-)Sharing-Angebote oder Fahrradwege sind, desto h\u00e4ufiger wird das Auto stehengelassen oder der Verzicht auf ein eigenes Auto samt Gedanken an Parkpl\u00e4tze, Fixkosten, Wartung und Co. als urbaner Freiheitsgewinn empfunden. Denn die L\u00f6sung ist nicht A oder B, sondern divers.<\/p>\n<p>Regionen, die in der Mobilit\u00e4tspolitik Ma\u00dfst\u00e4be setzen, denken diese vernetzt und mit st\u00e4dtebaulichem und architektonischem Ehrgeiz. Weder hat Kopenhagen die Autos verbannt, noch sehen dort die Radwege so aus wie im Jahr 1980. Und in D\u00e4nemarks Hauptstadt wurden mit der Str\u00f8get und in New York zum Beispiel mit der High Line schon vor vielen Jahren neue Fu\u00dfg\u00e4nger-Areale geschaffen und das Erleben der St\u00e4dte verbessert. An alledem mangelt es hierzulande oft, gerade in unserer Hauptstadt. In Berlin gibt es entweder \u201eautofreie Aktionstage\u201c, wirre Phantasien \u00fcber autofreie Urbanit\u00e4t oder den Hass auf E-Scooter, wahlweise antikapitalistischen oder konservativen Ursprungs. Das ist zu mir schlicht zu ambitionslos. Denken wir gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Johannes Vogel schrieb f\u00fcr den Tagesspiegel (Montag-Ausgabe) und \u201eTagesspiegel Online\u201c den folgenden Gastbeitrag: Keine Woche vergeht, ohne dass man nicht bei Twitter einen Rant \u00fcber die Deutsche [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[173,144],"tags":[455,130,995],"class_list":["post-8390","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-podcast","category-verkehr-innenpolitik","tag-gastbeitrag","tag-johannes-vogel","tag-mobilitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8390"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8391,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8390\/revisions\/8391"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}