{"id":870,"date":"2021-04-03T15:14:25","date_gmt":"2021-04-03T13:14:25","guid":{"rendered":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/?p=870"},"modified":"2021-04-03T15:14:25","modified_gmt":"2021-04-03T13:14:25","slug":"lindner-interview-wir-deutsche-diskutieren-ob-noch-steine-in-den-rucksack-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/04\/03\/lindner-interview-wir-deutsche-diskutieren-ob-noch-steine-in-den-rucksack-sollten\/","title":{"rendered":"LINDNER-Interview: Wir Deutsche diskutieren, ob noch Steine in den Rucksack sollten"},"content":{"rendered":"<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-757\" src=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/w1900_h1052_x1386_y858_2476299601_b1af2cd504.IRPRODGERA_I4LKDV-1024x567.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/w1900_h1052_x1386_y858_2476299601_b1af2cd504.IRPRODGERA_I4LKDV-1024x567.jpg 1024w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/w1900_h1052_x1386_y858_2476299601_b1af2cd504.IRPRODGERA_I4LKDV-300x166.jpg 300w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/w1900_h1052_x1386_y858_2476299601_b1af2cd504.IRPRODGERA_I4LKDV-768x425.jpg 768w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/w1900_h1052_x1386_y858_2476299601_b1af2cd504.IRPRODGERA_I4LKDV-1536x850.jpg 1536w, https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/w1900_h1052_x1386_y858_2476299601_b1af2cd504.IRPRODGERA_I4LKDV.jpg 1900w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/h2>\n<div class=\"clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item\">\n<p>Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner gab\u00a0\u201et-online\u201c\u00a0das folgende Interview. Die Fragen stellten Sven B\u00f6ll und Tim Kummert:<\/p>\n<p>Frage: Herr Lindner, wir w\u00fcrden mal nicht mit Corona anfangen\u2026<\/p>\n<p>Lindner: \u2026sehr gern!<\/p>\n<p>Frage: W\u00e4ren Sie lieber unter einer Kanzlerin Annalena Baerbock Finanzminister oder unter einem Kanzler Armin Laschet?<\/p>\n<p>Lindner: Die Freien Demokraten \u00fcbernehmen dort Verantwortung, wo wir Gutes bewirken k\u00f6nnen. Es z\u00e4hlen die Inhalte. Wenn Sie die Finanzpolitik ansprechen, dann hei\u00dft das: Wir wollen, dass sich unser Staat durch eine wachstumsorientiere <a href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/01\/29\/fdp-forderung-wirtschaftspolitik\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"10\" title=\"FDP Forderung Wirtschaftspolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wirtschaftspolitik<\/a> von den Schulden befreien kann, dass gute Jobs entstehen und die Menschen finanziell entlastet werden, und dass Zukunftsinvestitionen ein st\u00e4rkeres Gewicht haben als der Gegenwartskonsum.<\/p>\n<p>Frage: Und was hei\u00dft das f\u00fcr unsere Frage?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Die Gr\u00fcnen haben ein Programm vorgelegt, in dem von h\u00f6heren Steuern, mehr Schulden und staatlichen Vorgaben f\u00fcr nahezu jeden Lebensbereich die Rede ist. Auch gesellschaftspolitische Grundeinstellungen wie die Bewertung von Einfamilienh\u00e4usern unterscheiden sich. Nach Lage der Dinge steht uns die Union inhaltlich n\u00e4her als die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Frage: Klingt aber auch nicht gerade euphorisch, was CDU\/CSU angeht.<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Nein, Euphorie ist das nicht. Auch aus der Union wurden selbst von Friedrich Merz Steuererh\u00f6hungen nicht ausgeschlossen, es gab Gedankenspiele zur Aufweichung der Schuldenbremse. Inhaltlich n\u00e4her zu sein hei\u00dft ja nicht, dass wir deckungsgleich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Frage: Eben haben Sie die Union noch mehr gelobt als die Gr\u00fcnen, nun kritisieren Sie sie. Wer ist Ihnen denn nun lieber?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Ich kritisiere nicht, ich zeige die Unterscheide auf. Die Menschen werden selbst beurteilen, welche politische Richtung sie bevorzugen. Im Grunde geht es um eine Weggabelung: Schaffen wir Zukunft mit mehr staatlicher Lenkung oder mit der Befreiung des privaten Erfinder- und Unternehmergeistes? Wenn man die staatliche Impforganisation mit der privaten Innovation von Biontech vergleicht, dann pl\u00e4diere ich f\u00fcr den zweiten Weg.<\/p>\n<p>Frage: Wann k\u00e4me bei den n\u00e4chsten Koalitionsverhandlungen der Punkt, an dem Sie sagen w\u00fcrden \u201eWir lassen es\u201c?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Ich kann eine politische Garantie abgeben: Wenn die FDP an einer k\u00fcnftigen Bundesregierung beteiligt ist, gibt es keine h\u00f6here Steuerbelastung der L\u00f6hne und Einkommen der Besch\u00e4ftigten und f\u00fcr diejenigen, die Verantwortung f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze tragen.<\/p>\n<p>Frage: Gilt das nur in Summe oder auch individuell?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Wie meinen Sie das?<\/p>\n<p>Frage: Es k\u00f6nnte doch eine Reform der Einkommensteuer geben, bei der Gutverdiener so belastet und Gering- und Normalverdiener so entlastet werden, dass der Staat unterm Strich keine Mehreinnahmen erzielt.<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Die Steuerbelastung ist im internationalen Vergleich in Deutschland f\u00fcr alle schon so hoch, dass eine Erh\u00f6hung f\u00fcr wen auch immer die wirtschaftliche Erholung und am Ende Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet. Richtig ist, dass in der Mitte der Gesellschaft die finanzielle Entlastung besonders dringlich ist. Beispielsweise darf der Traum von der eigenen Wohnung nicht unerf\u00fcllbar sein.<\/p>\n<p>Frage: Das hei\u00dft, Sie werden keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, mit dem irgendwer mehr Steuern zahlen muss?<\/p>\n<p>Lindner: Wir f\u00fchren hier doch keine Koalitionsverhandlungen, oder?<\/p>\n<p>Frage: Nein, wir stellen nur Fragen: Schlie\u00dfen Sie aus, dass irgendwer mehr Steuern zahlen muss?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Nein, denn bei Amazon, Apple, Google und anderen dr\u00e4ngen wir seit Jahren darauf, dass diese Konzerne ihren fairen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten. F\u00fcr den Rest kann sich der Grad der Entlastung durch eine Einkommensteuerreform unterscheiden, nach der Krise werden wir aber niemanden zus\u00e4tzlich belasten.<\/p>\n<p>Frage: Es k\u00f6nnte nach der Bundestagswahl auch eine Regierungsmehrheit ohne die FDP geben. Macht Ihnen ein m\u00f6gliches B\u00fcndnis von Gr\u00fcnen, SPD und Linkspartei eigentlich Angst?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Tats\u00e4chlich wird gerade viel \u00fcber eine Ampelkoalition nach der Bundestagswahl spekuliert. Darin sehe ich eine Art Ablenkungsman\u00f6ver. Denn n\u00fcchtern betrachtet stehen Gr\u00fcne und SPD der Linkspartei in vielen Fragen viel n\u00e4her als uns. Nach der letzten Wahl in Bremen hat man gesehen, dass die Gr\u00fcnen sich gegen Jamaika und f\u00fcr eine Regierung mit der Linkspartei entschieden haben.<\/p>\n<p>Frage: Sie haben allerdings die Frage nicht beantwortet: Macht Ihnen dieses Szenario Angst?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Nein, denn ich vermute, dass die Mehrheit der Deutschen Gr\u00fcn-Rot-Rot nicht guthei\u00dfen w\u00fcrde. Deshalb m\u00fcssen Gr\u00fcne und die SPD vor der Bundestagswahl beantworten, ob sie sich von der Linkspartei ins Kanzleramt w\u00e4hlen lassen w\u00fcrden. Die Menschen verdienen Klarheit.<\/p>\n<p>Frage: Aber w\u00e4re es f\u00fcr die FDP nicht das perfekte Szenario, wenn es eine Mehrheit f\u00fcr Gr\u00fcn-Rot-Rot und f\u00fcr eine Ampel g\u00e4be? Dann k\u00f6nnten Sie doch sagen: Wir retten Deutschland.<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Bringen uns diese Rechenspiele im April wirklich weiter? Ich ziehe jedenfalls Koalitionen vor, in denen alle an einem Strang ziehen und nicht permanent gestritten wird. Deshalb m\u00fcssen die Inhalte und das pers\u00f6nliche Vertrauen stimmen.<\/p>\n<p>Frage: Ihr Motto wird im Zweifel lauten \u201eLieber nicht regieren als Deutschland retten\u201c? Das k\u00f6nnen wir uns nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Lindner: Wenn Sie unbedingt spekulieren wollen, dann will ich mich nicht verweigern. Wenn es Mehrheiten f\u00fcr Gr\u00fcn-Rot-Rot oder eine Ampel g\u00e4be, dann w\u00e4ren rechnerisch auch Jamaika oder die Deutschlandkoalition aus Union, SPD und FDP m\u00f6glich. Wer also eine Politik der Mitte will, der sollte die Freien Demokraten stark machen.<\/p>\n<p>Frage: Sie wollen \u00fcber Inhalte sprechen: Welche drei Aspekte m\u00fcssen im Koalitionsvertrag auf jeden Fall stehen?<\/p>\n<p>Lindner: Erstens eine Neugr\u00fcndung der Quellen unseres Wohlstandes.<\/p>\n<p>Frage: Das hei\u00dft?<\/p>\n<p>Lindner: Ein Programm zur wirtschaftlichen Erneuerung unseres Landes, das die Transformation durch die Digitalisierung, die Alterung der Gesellschaft und den Klimawandel mit Erfindergeist, marktwirtschaftlicher Freiheit und Gr\u00fcnderkultur beantwortet.\u00a0Zweitens einen handlungsf\u00e4higeren Staat, der seine Verwaltung digitalisiert und die Bildung verbessert.\u00a0Drittens eine gesellschaftspolitische Erneuerung. Von der St\u00e4rkung der Frauen im Berufsleben \u00fcber die Bek\u00e4mpfung des Alltagsrassismus bis hin zur Legalisierung der nicht kommerziellen Leihmutterschaft oder der Liberalisierung von Cannabis ist in den vergangenen 16 Jahren viel liegen geblieben.<\/p>\n<p>Frage: Die FDP propagiert die Modernisierung unseres Landes schon l\u00e4nger. Allerdings l\u00e4uft es etwa beim Impfen in Nordrhein-Westfalen vorne und hinten nicht. Warum regieren Sie dort mit der CDU nicht besser?<\/p>\n<p>Lindner: Ihr Urteil sollten Sie \u00fcberpr\u00fcfen. Die FDP forderte im Bundestag schon im letzten Herbst, dass wir die besonders verletzlichen Menschen in den Heimen sch\u00fctzen m\u00fcssen. Leider hat die Bundesregierung daraus nicht den Kraftakt gemacht, der viele schwere F\u00e4lle verhindert h\u00e4tte. Aber dort, wo wir handeln k\u00f6nnen, tun wir das. Nordrhein-Westfalen hat sich deshalb in der ersten Phase die klare Priorit\u00e4t gegeben, zuerst die vulnerablen Gruppen in Heimen zu impfen. Das war ein hoher Organisationsaufwand, denken Sie an Demenzerkrankte, aber der Erfolg bei den Ausbr\u00fcchen in Heimen spricht f\u00fcr sich. Im \u00dcbrigen liegt aber die Gesamtverantwortung f\u00fcr die Impfstrategie beim Bund. Er ist auch f\u00fcr die Verteilung der Impfstoffe zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Frage: NRW bekommt gemessen an der Bev\u00f6lkerung genauso viel Impfstoff wie andere L\u00e4nder, verimpft aber weniger. Das kann Sie als Freund des Wettbewerbs doch nicht zufriedenstellen.<\/p>\n<p>Lindner: Den Hintergrund in der ersten Phase habe ich ja erl\u00e4utert. Jetzt ist aber in NRW und in ganz Deutschland mehr Tempo m\u00f6glich. Ganz konkret sollte die Sicherheitsreserve der zweiten Impfdosis aufgel\u00f6st werden. Der Zeitpunkt von Erst- und Zweitimpfung sollte gestreckt werden. Und alle Haus\u00e4rztinnen und Fach\u00e4rzte, auch die Privatpraxen, m\u00fcssen massiv Impfen. Die Fixierung auf die \u00f6ffentlichen Impfzentren macht keinen Sinn mehr.<\/p>\n<p>Frage: Wir wollen Ihre Forderungen nochmal an der Realit\u00e4t spiegeln: Warum vergibt die schwarz-gelbe Koalition in D\u00fcsseldorf die Organisation der Impftermine an die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung, also eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts ohne Erfahrung bei dem Thema, w\u00e4hrend der aus Ihrer Sicht nicht gerade marktwirtschaftliche rot-rot-gr\u00fcne Senat in Berlin einen Privatanbieter beauftragt?<\/p>\n<p>Lindner: Halten Sie eine so parteipolitische Bewertung f\u00fcr sachgerecht? Um Ihrer Frage aber nicht auszuweichen: Der FDP-Gesundheitsminister von Schleswig-Holstein hat sich f\u00fcr einen privaten Anbieter entschieden. Wenn es allein nach der FDP in D\u00fcsseldorf gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte auch Nordrhein-Westfalen einen privaten Anbieter verpflichtet. Der CDU-Gesundheitsminister hat sich f\u00fcr die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung entscheiden.<\/p>\n<p>Frage: Und da kann die mitregierende FDP rein gar nichts ausrichten?<\/p>\n<p>Lindner: In Koalitionen macht man Kompromisse und in Regierungen gibt es Ressortzust\u00e4ndigkeiten.<\/p>\n<p>Frage: Zur\u00fcck zum gro\u00dfen Ganzen: Warum tut sich Deutschland insgesamt so schwer mit der Digitalisierung?<\/p>\n<p>Lindner: Das stimmt nur teilweise. Die Menschen tun sich damit \u00fcberhaupt nicht schwer, es ist ein Vers\u00e4umnis der Politik.<\/p>\n<p>Frage: Wir korrigieren uns: Warum tut sich die Politik so schwer?<\/p>\n<p>Lindner: Mich interessiert weniger der Grund f\u00fcr die Vers\u00e4umnisse als ihre \u00dcberwindung. Deutschland sollte sich das Ziel setzen, im \u00f6ffentlichen Sektor in f\u00fcnf Jahren in der Weltspitze mitzuspielen.<\/p>\n<p>Frage: Aus der Verwaltung h\u00f6rt man h\u00e4ufig, dass Digitalisierungswillige ausgebremst werden, etwa mit dem Argument: \u201eDaf\u00fcr sind Sie nicht zust\u00e4ndig.\u201c<\/p>\n<p>Lindner: Das k\u00f6nnen wir \u00e4ndern. Die Zust\u00e4ndigkeiten sind zersiedelt. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Verwaltung, sondern auch f\u00fcr die Bundesregierung. Jedes Ministerium digitalisiert ein bisschen vor sich hin, ohne dass es einen gibt, der das Ganze verkn\u00fcpft. Gerade deshalb brauchen wir auf Bundesebene ein Digitalministerium.<\/p>\n<p>Frage: Welche anderen Defizite sind durch die Corona-Krise deutlich geworden?<\/p>\n<p>Lindner: Das gr\u00f6\u00dfte Defizit ist, dass unsere Wirtschaft nicht mehr hinreichend wettbewerbsf\u00e4hig ist. Wenn wir das nicht \u00e4ndern, werden wir die Konsequenzen bald sp\u00fcren, weil uns die Mittel f\u00fcr sozialen und \u00f6kologischen Fortschritt fehlen. W\u00e4hrend die Chinesen l\u00e4ngst losgelaufen sind, ziehen die Amerikaner sich gerade die Sprintschuhe an. Und wir Deutsche? Wir diskutieren auch in diesem Interview, ob noch Steine in den Rucksack gepackt werden sollten.<\/p>\n<p>Frage: Geht das etwas konkreter?<\/p>\n<p>Lindner: Mehr privates Kapital f\u00fcr Startups, Forschungsf\u00f6rderung, Steuerentlastung, Abbau von b\u00fcrokratischen Fesseln, Freihandelsabkommen, Einwanderungsgesetz f\u00fcr Top-Talente, Beschleunigung der Genehmigungsverfahren f\u00fcr \u00f6ffentliche Infrastruktur.<\/p>\n<p>Frage: Das sind allerdings die liberalen Evergreens.<\/p>\n<p>Lindner: Ja, absolut. Und weil diese Form der Politik seit 15 Jahren vers\u00e4umt wurde, fehlt es unserem Land an Dynamik. Die Bilanz der letzten Jahre ist ern\u00fcchternd. In der Pandemie hat der Staat noch mehr Raum beansprucht. Jetzt geht es darum, ob er sich noch weiter ausdehnt oder ob wir den Menschen mehr zutrauen. Um diese Alternative geht es im Kern bei der Bundestagswahl. Und ich glaube, dass eine Mehrheit der Deutschen unseren Weg bevorzugt.<\/p>\n<p>Frage: Allerdings ist es f\u00fcr die FDP bei Wahlen schon ein Erfolg, wenn sie zweistellig wird.<\/p>\n<p>Lindner: Das mag f\u00fcr die FDP stimmen, aber die Werthaltung reicht \u00fcber unsere direkte W\u00e4hlerschaft hinaus. Und auch da k\u00f6nnen wir von den jetzt gut zehn Prozent noch zulegen.<\/p>\n<p>Frage: Sie wollen im Herbst also mindestens 15 Prozent erreichen?<\/p>\n<p>Lindner:\u00a0Wir machen unsere Wahlziele nicht an Ziffern fest. Wir wollen schwarz-gr\u00fcne und gr\u00fcn-rot-rote Mehrheiten verhindern, damit wir Einfluss nehmen k\u00f6nnen. Und wir wollen wie zuletzt in Baden-W\u00fcrttemberg st\u00e4rker als die AfD werden, weil die Werte der Liberalit\u00e4t mehr Bedeutung haben m\u00fcssen als das antiliberale Gedankengut jeder Formation. Deshalb werden wir engagiert Wahlkampf machen.<\/p>\n<p>Frage: Das sp\u00fcrt man auch bei Corona: Sie kritisieren die Pl\u00e4ne der Bundesregierung, etwa bei den angedachten Ausgangssperren\u2026<\/p>\n<p>Lindner: \u2026da m\u00f6chte ich widersprechen: Wir kritisieren die Regierung nicht schlicht, sondern machen immer Gegenvorschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Frage: Sie sagten k\u00fcrzlich: \u201eIch halte Ausgangsbeschr\u00e4nkungen immer f\u00fcr unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00df<span lang=\"DA\" xml:lang=\"DA\">ig, f<\/span>\u00fcr eine zu scharfe Freiheitseinschr\u00e4nkung.\u201c Das ist keine Kritik?<\/p>\n<p>Lindner: Ihr Zitat ist nur zu kurz gew\u00e4hlt. Denn es fehlen die Gegenvorschl\u00e4ge, die wir stets unterbreiten.<\/p>\n<p>Frage: Wie wollen Sie die Infektionszahlen denn senken?<\/p>\n<p>Lindner: Zun\u00e4chst ist die Infektionszahl allein schon einmal kein geeigneter Indikator. Man muss auch die Situation der Krankenh\u00e4user vor Ort, die betroffenen Gruppen und anderes ansehen. Dann raten wir dazu, dass im \u00f6ffentlichen Raum immer eine FFP2-Maske getragen wird. Wir wollen den Hygienekonzepten der Gastronomie, des Handels, in Sport und Kultur vertrauen. Mit professionellem Gesundheitsschutz ist uns mehr geholfen, als wenn Menschen in den privaten Bereich abgedr\u00e4ngt werden, wo dieser Schutz nicht besteht. Vor allem aber m\u00fcssen wir massenhaft testen. In Arztpraxen, Apotheken, Drogerien. \u00dcberall. Das kann man mit einem Anreizsystem verbinden\u2026<\/p>\n<p>Frage: \u2026inwiefern?<\/p>\n<p>Lindner: Wenn ein negativer Test zur M\u00f6glichkeit wird, ins Theater oder ins Restaurant zu gehen, w\u00fcrde innerhalb von Tagen die Zahl der Getesteten nach oben schnellen.<\/p>\n<p>Frage: Kennen Sie ein Land, das das erfolgreich praktiziert?<\/p>\n<p>Lindner: S\u00fcdkorea hat schon im vergangenen Jahr konstant getestet und so die Infektionen zumindest stabil gehalten. Allerdings muss jede Gesellschaft eigene Antworten finden, weil sich die Lage unterscheidet. Im \u00dcbrigen haben wir noch ein besonderes Problem in Deutschland: Mit Astrazeneca k\u00f6nnte deutlich schneller geimpft werden, wenn die ungenutzten Dosen an Freiwillige verimpft w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Frage: Der Impfstoff soll nun aber bevorzugt an \u00dcber-60-J\u00e4hrige vergeben werden. Wie nehmen Sie den Kurs der Bundesregierung in Bezug auf Astrazeneca wahr?<\/p>\n<p>Lindner: Leider als zu wenig abgestimmt mit den europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden. Es ist unver\u00e4ndert ein Wirkstoff, bei dem der Nutzen h\u00f6her als das Risiko ist. Wir sollten ihn pragmatisch an Freiwillige nach dem Gespr\u00e4ch mit dem Hausarzt abgeben. Der Vertrauensverlust ist aber enorm. Ich bekam auch schon die Frage gestellt, was ich nehmen w\u00fcrde, wenn ich die Wahl zwischen Biontech und Astrazeneca h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Frage: Kl\u00e4ren Sie uns auf.<\/p>\n<p>Lindner: Ich verstehe, wenn jemand Biontech vorziehen will. Weil ich pers\u00f6nlich keine Bedenken bei Astrazeneca habe, w\u00fcrde ich diesen nehmen. Dann bleibt mehr Biontech f\u00fcr Menschen mit Bedenken.<\/p>\n<p>Frage: Jetzt klingen Sie richtig sozialdemokratisch.<\/p>\n<p>Lindner: Ich habe schon bemerkt, dass sie jedes Wort parteipolitisch deuten. Tats\u00e4chlich ist es aber auch eine Freiheitsfrage, denn wenn mehr Menschen durch Impfung gesch\u00fctzt sind, haben wir alle mehr gesellschaftliches Leben.<\/p>\n<p>Frage: Dann bleibt uns nur zu sagen: Wir sind gespannt auf Ihre Impfung.<\/p>\n<p>Lindner: Ich auch, aber die Pandemie hat uns allen ja Geduld gelehrt.<\/p>\n<\/div>\n<h3>Quelle:<\/h3>\n<p>Pressestelle FDP\u00a0 \u00a0&#8211;\u00a0 \u00a002.04.21\u00a0 \u00a0&#8211;\u00a0 \u00a015:00Uhr<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Themen:<\/p>\n<p><a title=\"FDP-Chef Lindner: Aldi war schneller als Gesundheitsministerium\" href=\"https:\/\/fdp-aktiv.de\/blog\/2021\/04\/03\/fdp-chef-lindner-aldi-war-schneller-als-gesundheitsministerium\/\">FDP-Chef Lindner: Aldi war schneller als Gesundheitsministerium<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner gab\u00a0\u201et-online\u201c\u00a0das folgende Interview. 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