Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf hat heute die Ergebnisse zweier Studien mit dem Fokus auf die Entwicklung der Personal- und Kinderzahlen in bayerischen Kindertageseinrichtungen sowie den Ganztagsbedarf von Grundschulkindern in Bayern vorgestellt.
Dazu erklärt Julika Sandt, familienpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion: „Unsere Anträge, eine Fachkräfte-Bedarfsanalyse für Kitas zu beauftragen, hatten die Regierungsfraktionen stets abgelehnt. Wenn aber eine Regierung, die sich gestern noch dagegen gewehrt hat, den Fachkräftebedarf festzustellen, heute die angebliche Lösung aus dem Hut zaubert, muss man sich die Augen reiben. Verwundert stellt man fest, dass die Ministerin dabei zwei wichtige Hebel zur Gewinnung von Fachkräften in Kitas und im schulischen Ganztag gar nicht antastet: eine flächendeckende vergütete Ausbildung für Erzieherinnen sowie die verbesserte Anerkennung ausländischer Qualifikationen.
Vor wenigen Tagen erst hat eine Studie des Bundesfamilienministeriums attestiert: Bayern ist beim Ganztag Schlusslicht. Aber statt die massiven Personalengpässe in Kitas und Horten entschlossen anzupacken, zieht Ministerin Scharf die rosa Brille auf, um Zukunfts-Erfolge zu feiern. Der Wahlkampf treibt seltsame Blüten.“
Dazu Matthias Fischbach, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion: „Ministerin Scharf ist bereits die dritte Sozialministerin, die behauptet, alles im Griff zu haben, doch ihre vorgestellten Studien interpretiert sie nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip.
Der Mehrbedarf an Ganztagsangeboten im schulischen Bereich ist keineswegs zufriedenstellend gedeckt. Das ist für unzählige Eltern täglich Realität. Auch die Prognos-Studie misst aktuell einen Bedarf von 67 Prozent, der nur für 55 Prozent ausreichend gedeckt ist. Damit diese Lücke bis zum Ganztags-Rechtsanspruch an Grundschulen nicht noch größer wird, muss das Scheuklappendenken zwischen Sozial- und Kultusministerium endlich aufhören. Es ist schwer nachzuvollziehen, wie Ministerin Scharf so zuversichtlich sein kann, dass der Fachkräftebedarf in den nächsten Jahren ausreichend gedeckt werden kann, wenn sie wieder lediglich die Horte betrachtet.
Kürzlich zeigte sich im Bildungsausschuss zum Beispiel, dass das Projekt der Pädagogischen Fachkräfte für die Grundschulkinderbetreuung des Kultusministeriums immer schlechter angenommen wird. Zuständig für die nötigen Werbemaßnahmen sei das Sozialministerium, so die Vertreterin des Kultusministeriums. Diese wiederum wies die Verantwortung zurück. Dieses Zuständigkeits-Chaos vermittelt keinen überzeugenden Eindruck, dass Bayern auf dem richtigen Kurs ist.“